Highlight 2011: Kamele statt Rinder

In den ariden und semiariden Gebieten Kenias wird die Haltung von Rindern immer schwieriger, es gibt zu wenig Wasser zum Tränken. Seit 2011 setzt Biovision auf Kamele in der Nutztierhaltung. Die kommen mit nur wenig Wasser aus und stellen kaum Ansprüche an die Ernährung. Ein Erfolgsgarant, der Kenias Hirten die Ernährung und ein Einkommen sichert.

In den halbtrockenen Gebieten Kenias werden Wasser und Futter als Folge des Klimawandels immer rarer. So auch in Merti, 200 Kilometer nordöstlich des Mt. Kenya. Während der letzten Jahre verloren dort die Menschen ihr Vieh, weil der Regen mehrmals ausblieb, und die Tränken schliesslich unerreichbar wurden für die Tiere. Seither sind die Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen.

«Mitenand» in Kenia

Robust, genügsam und bodenschonend

Auf der Suche nach einer nachhaltigen Lösung finanzierte die Schweizerische Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) 2010 die Lancierung eines Kamel-Projekts. Kamele sind angepasst an die harten Bedingungen vor Ort. Sie können zehn Tage ohne Wasser auskommen und begnügen sich zur Not mit Blättern von Dornensträuchern. Ihre weichen Sohlen schonen den empfindlichen Boden, und sie liefern Milch, Fleisch und Leder.

«Vétérinaiers Sans Frontières Suisse», mit langjähriger Erfahrung in Projekten zur Vieh- und Kamelhaltung, übernahm die Ausführung. Die Menschen in Merti wurden beim Aufbau von Kamelkomitees unterstützt. Diese bestimmten in einem ersten Schritt 105 besonders benachteiligte Menschen, etwa Witwen oder Eltern kinderreicher Familien, welche eine von der DEZA finanzierte Kamelstute als langfristige Investition und 5 Ziegen für die unmittelbare Krisenbewältigung erhielten. Dafür bezahlten sie einen Kostenbeitrag von rund 30 000 Kenia Schilling (ca. 30 Franken).

Verlorenes Wissen neu aufbauen

Bis vor etwa 80 Jahren kannte man die Kamelhaltung in der Projektregion. Seither gingen das Wissen und die Erfahrung im Umgang mit diesen Tieren verloren. Um die Wissenslücke zu schliessen kam Biovision 2011 ins Projekt und finanzierte eine Zusatzausbildung für zehn lokale Tierärzte im Bereich Kamelgesundheit, die Erstellung von Lehrunterlagen und praktische Kurse für die Kamelhalterinnen und Kamelhalter. Diese erlernen nun den Umgang mit den Tieren, die artgerechte Haltung, die Erkennung von Krankheiten sowie einfache Behandlungsmethoden. Biovision unterstützt zudem kenianische Wissenschaftler, welche nachprüfen, ob die Kamelhaltung langfristig auch hält, was man sich von ihr verspricht: Die Verbesserung der Ernährungssicherheit, die Schaffung neuer Einkommensquellen und die schonungsvolle Nutzung erosionsgefährdeter Böden.