«Früher waren wir der Underdog. Das hat sich geändert»

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Lothar J. Lechner Bazzanella, Biovision. Bild: Daniel Winkler.

Stefanie Pondini arbeitet seit über zwölf Jahren für Biovision im Bereich Politik und Anwaltschaft. Sie hat den Weg vom Start-up zur etablierten Organisation miterlebt. Und mitgeprägt.

«Als ich bei Biovision anfing, waren wir zwölf Mitarbeitende, untergebracht in einer Vierzimmerwohnung. Aus der einen Wohnung wurden schnell zwei. Ich weiss noch, wie alle Türen immer offenstanden, wir hin und her wuselten», erinnert sich Stefanie Pondini lächelnd zurück. 2010 startete sie ihre Karriere bei Biovision und war Mitgründerin des Teams Politikdialog und Anwaltschaft P&A. Mittlerweile ist sie P&A- Programmverantwortliche und Mitglied der Geschäftsleitung.

Die Strategien haben sich geändert

«Bei P&A versuchen wir die politischen Rahmenbedingungen im Sinne der nachhaltigen Landwirtschaft zu beeinflussen», erklärt Pondini. Hatte man früher noch vor allem bei internationalen Konferenzen versucht, Mitstreiterinnen und Unterstützer für sich zu gewinnen, ist der bevorzugte Weg von P&A heute ein anderer. «Damals arbeiteten wir oft monatelang auf Konferenzen hin, etwa jene der Vereinten Nationen in New York. Eine extrem ressourcenintensive Arbeit. Vor allem, weil wir lange ein absoluter Underdog waren. Wir mussten uns unsere Sporen erst abverdienen.»

«Mittlerweile kontaktieren uns namhafte Organisationen der UNO, grosse internationale Stiftungen oder das Schweizer Bundesamt für Landwirtschaft und möchten mit uns arbeiten.»
Stefanie Pondini, Mitgründerin des Teams Politikdialog & Anwaltschaft

Nach und nach holten Pondini und P&A Erfolge für Biovision ein. So hat das Team dazu beigetragen, dass Agrarökologie 2017 erstmals von allen UNO-Mitgliedstaaten anerkannt wurde. Auch bei der Gestaltung der Sustainable Development Goals SDGs wirkte man mit. Meilensteine für Biovision. «Solche Ereignisse haben dazu beigetragen, dass wir heute anders arbeiten dürfen. Mittlerweile kontaktieren uns namhafte Organisationen der UNO, grosse internationale Stiftungen oder das Schweizer Bundesamt für Landwirtschaft und möchten mit uns arbeiten. Wir sind kein unbeschriebenes Blatt mehr, sondern eine Partnerin, die für Erfahrung, Kompetenz und Evidenz steht», so Pondini.

Herausforderungen und Chancen

Für sie liegen hier die grössten Erfolge von P&A. «Zu merken, dass Biovision anerkannt ist und mit relevanten Partnerorganisationen zusammenarbeitet. Dass Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger jene Werkzeuge nutzen, die wir hier entwickeln.» Pondini arbeitet momentan daran, Geldgeberorganisationen und Investoren zu überzeugen, stärker in agrarökologische Unternehmen zu investieren. Hier hilft das B-ACT von Biovision, ein frei zugängliches Online- Instrument, mit welchem man Unternehmen unter die agrarökologische Lupe nehmen kann. «Wenn internationale Organisationen oder Investoren diese Tools verwenden, haben wir dazu beigetragen, Agrarökologie attraktiver und verständlicher zu machen. Eine Genugtuung, ein Ansporn für die Zukunft.»

In dieser Zukunft vermutet Pondini eine grosse Herausforderung. «Wir merken, dass sich internationale Agrarunternehmen vermeintlich nachhaltige Konzepte unter den Nagel reissen und sich Begriffe aneignen, die zwar gut tönen, aber wenig aussagen. Eine wahre Konzeptschlacht ist im Gang. Hier müssen wir weiterhin aufmerksam und kritisch bleiben.»

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