CLEVER wirkt – Wie Biovision nachhaltigen Konsum in der Jugend verankert

Von

Margarete Sotier (Interview und Bilder), Biovision

Seit mehr als 12 Jahren führt «CLEVER – nachhaltig konsumieren» Kinder und Jugendliche spielerisch an die Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz heran. Eine kürzlich durchgeführte Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) wirft nun Licht auf die Wirkung. Projektleiterin Laura Schmid über Ergebnisse und zukünftige Visionen.

Gab es Erkenntnisse aus der Studie, die dich überrascht haben?

Die Tatsache, dass unser Workshop nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch echtes Handeln inspiriert, und das sogar über die Schüler:innen hinaus in ihren Familienkreis wirkt, ist eine schöne Bestätigung unserer Arbeit. Die Teilnehmer:innen verstehen, dass ihr eigenes Handeln einen Einfluss hat. Selbst drei Monate später konnten die meisten Jugendlichen konkrete Tipps für nachhaltigen Konsum nennen. Etwa hat mehr als die Hälfte der Teilnehmer:innen hat angegeben, dass sie beim Einkauf auf regionale, saisonale und biologisch produzierte Produkte achten. Das zeigt, dass der Workshop nicht nur kurzfristig Eindruck macht, sondern auch langfristig wirkt.

Ein Erfolg auf ganzer Linie also?

So erfreulich diese Ergebnisse sind, hat uns überrascht, dass wir die wichtigsten und «einfachsten» Hebel für einen nachhaltigen Konsum wie reduzierter Konsum tierischer Produkte und Vermeidung von Food Waste nicht so klar vermitteln konnten, wie wir gehofft hatten. Diese Themen sind komplex und eine Flut von Informationen kann – vor allem bei Kindern und Jugendlichen – schnell überwältigen und verwirren.

Was zieht ihr für inhaltliche Lehren daraus? Und wie könnte sich CLEVER zukünftig weiterentwickeln?

Unsere Lehre aus diesen Ergebnissen ist, dass wir den Jugendlichen die entscheidenden Hebel, die wirklich einen Unterschied für die Umwelt machen, noch klarer vermitteln wollen. Die Herausforderung dabei ist, die komplexen Zusammenhänge und Informationen so aufzubereiten, dass sie leicht verständlich sind, ohne zu sehr zu vereinfachen Nehmen wir das Beispiel Sojamilch: Wir müssen klarstellen, dass der Grossteil des Sojaanbaus der Futtermittelproduktion dient, nicht der Sojaproduktion für den menschlichen Verzehr. So vermeiden wir Missverständnisse und ermöglichen es den Jugendlichen, informierte Entscheidungen zu treffen. Wir arbeiten daran, diese Botschaften noch weiter zu schärfen. Wichtig bleibt ausserdem, dass wir nicht nur Informationen, sondern auch praktische Handlungstipps vermitteln.

Laura Schmid

Laura Schmid ist für das Bildungsprojekt «CLEVER – nachhaltig konsumieren» verantwortlich, das Jugendliche für einen umweltfreundlichen Lebensstil gewinnen will. Als Lehrerin mit einem Master in Umwelt und natürlichen Ressourcen weiss sie, wie wichtig Bildung für nachhaltigen Konsum ist und gibt ihr Wissen und ihre Leidenschaft für Umweltschutz an junge Menschen weiter.

Wie meinst du das?

Die Studie hat deutlich gemacht, dass wir den Jugendlichen nicht nur Wissen an die Hand geben, sondern den Fokus auch auf konkrete Handlungsoptionen legen müssen.

Sie sollen nicht nur verstehen, welche Auswirkungen ihre Entscheidungen haben, sondern auch praktische Tipps für ihr eigenes Leben kennen. Nehmen wir zum Beispiel das Thema Fleischkonsum: Wenn die Jugendlichen die Umweltfolgen intensiver Fleischproduktion kennen, aber nicht wissen, was sie im Alltag anders machen können, wird das keine Verhaltensänderung bewirken. Wenn sie aber fleischlose Rezepte oder pflanzliche Alternativen kennen oder einen vegetarischen Tag einführen, führt das im besten Fall dazu, dass sie ihren Fleischkonsum reflektieren und nachhaltigere Entscheidungen treffen.

Wenn du an die Zukunft von CLEVER denkst, was ist deine grösste Hoffnung für das Programm?

Meine grösste Hoffnung ist, dass wir mit CLEVER weiterhin junge Menschen erreichen. Ich stelle mir eine Generation vor, die mit jedem Kauf überlegt, weniger, aber gezielter konsumiert. Es geht darum, ein Bewusstsein zu schaffen, dass weniger oft mehr ist.

Ich träume davon, dass CLEVER wächst, dass wir noch mehr Jugendliche erreichen können. Dass wir einen echten, spürbaren Wandel zu einer nachhaltigeren Welt mitanstossen.
Am besten wäre natürlich, dass CLEVER eines Tages überflüssig wird, weil wir es geschafft haben, ein zukunftsfähiges Ernährungssystem zu etablieren. Eine Schweiz, in der die Jugend mit ihren Konsumentscheidungen das System aktiv mitgestaltet.

Was sind die konkreten Pläne von CLEVER für die Zukunft? 

Bis es so weit ist, wünsche ich mir, dass CLEVER in der Romandie und in der Deutschschweiz weiter Fuss fasst. Ganz wichtig ist uns auch, die Lehrpersonen zu stärken, ihnen Werkzeuge an die Hand zu geben, damit Bildung für nachhaltige Entwicklung kein fernes Ziel bleibt, sondern gelebte Realität wird. Meine Vision ist, dass Biovision mit CLEVER regelmässig in jeder Schule der Schweiz Workshops durchführt. Wir wollen nicht nur dabei sein, wir wollen ein integrativer Bestandteil des Schulalltags werden, der junge Menschen nachhaltig prägt und inspiriert.

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