«So bringen wir Agrarökologie auf das nächste Level»

Von

Lothar J. Lechner Bazzanella (Text und Bilder)

Ihr Netzwerk in Ostafrika hat Biovision in den letzten Jahren weiter ausgebaut. Dies zeigt das Partnermeeting vom September 2023 in Tansania eindrucksvoll. Heute gelingt es, durch starke Partnerschaften als relativ kleine Organisation Grosses zu bewirken.

«Herzlich willkommen zum Partnermeeting und zum 25. Geburtstag unserer Stiftung», begrüsste Biovision-Geschäftsführer Frank Eyhorn die zahlreichen Gäste. Der Ort: Arusha, wichtige Wirtschaftsmetropole im Nordosten Tansanias, Sitz internationaler Gerichte und oft Schauplatz historischer Verhandlungen. Auch deshalb wird Arusha gerne das Genf Tansanias genannt. Die Gäste: Vertreterinnen und Vertreter von über 35 Organisationen, mit denen Biovision in Subsahara-Afrika Partnerschaften pflegt und knapp 50 Projekte betreut.

«Ganzheitlicher Ansatz als Stärke»

Während beim letzten Partnermeeting vor fünf Jahren noch rund 40 Partnerinnen und Partner teilnahmen, waren es nun doppelt so viele. Eine Zahl, die deutlich macht, wie stark Biovision gewachsen ist und wie erfolgreich wir das Netzwerk in Ostafrika ausbauen konnten. Vier Tage lang tauschten die Gäste Erfahrungen und Kontakte aus, besuchten Agrarökologie-Projekte, diskutierten Herausforderungen und lernten neue Ansätze kennen. «Das hilft enorm, Synergien zu nutzen und effizienter zu arbeiten», sagte Wanjiku Njuguna von Practical Action Kenya. Die Teilnehmenden brachten nicht nur Themeninputs ein, sondern leiteten selbst Workshops. Immer mit dem Ziel, Herausforderungen in der Koordination zu meistern, um in Zukunft noch enger und erfolgreicher zusammenarbeiten zu können.

Eine Zusammenarbeit, die deshalb so wichtig ist, weil Biovision davon überzeugt ist, dass bei der Umsetzung von Projekten alle Beteiligten – vom Bauern über die Ladenmanagerin bis zu den Entscheidungstragenden in den Behörden – miteinbezogen sein müssen. «Unsere Stärke ist der ganzheitliche Ansatz, welcher Wissenschaft, Praxis, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und politische Rahmenbedingungen verbindet», sagte Frank Eyhorn auf dem Podium:

«Durch genau diese Partnerschaften können wir als relativ kleine Organisation Grosses bewirken.»

So arbeitet Biovision bewusst mit bestehenden Strukturen vor Ort. «Das können reale Organisationen sein – Forschungsinstitute, Ausbildungszentren, zivilgesellschaftliche Einrichtungen und soziale Unternehmen – oder auch Netzwerke und Bewegungen, die sich für die agrarökologische Transformation einsetzen», erklärt Loredana Sorg, bei Biovision Co-Bereichsleiterin für Internationale Zusammenarbeit.

Miteinander auf Augenhöhe

In der Arbeit von Biovision übernehmen die Partnerorganisationen in den Projektländern die Hauptrolle. «Ohne sie läuft nichts», erklärt Sorg. Gemeinsam identifiziere man die dringendsten Aufgaben und erfolgversprechendsten Lösungen.

Dies birgt gleich mehrere positive Nebeneffekte: Zum einen wird so vermieden, dass die einzelnen Organisationen langfristig von Biovision abhängig sind. «Ziel ist es, dass sich diese aus verschiedenen Quellen finanzieren und die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Akteuren suchen», sagt Loredana Sorg.

Zum anderen kann Biovision so von der Erfahrung und dem Know-how jener Organisationen profitieren, die tagtäglich vor Ort und in der Gesellschaft verankert sind. «Das sind Expertinnen und Experten in ihrem Fachgebiet und so gut vernetzt, dass sie den richtigen Riecher haben für aktuelle Herausforderungen – und für innovative Lösungsansätze», führt Sorg aus.

Mehr Vertrauen für mehr Wirkung

Dass sich dieser Ansatz lohnt, davon zeigten sich auch die einzelnen Partnerorganisationen überzeugt. «Solide Partnerschaften sind der entscheidende Faktor. Wenn wir zusammenarbeiten, können wir Agrarökologie auf das nächste Level bringen», erklärte etwa Rex Chapota vom Farm Radio International Programm in Tansania. Das Bestreben, die Menschen vor Ort miteinzubeziehen, würde man – nicht zuletzt durch solche Veranstaltungen wie das Partnermeeting – bei Biovision immer wieder spüren: «Das schafft Vertrauen und stärkt den Willen, sich noch gezielter zu vernetzen und zusammen mitanzupacken.»

Vertrauen ist also ein wichtiges Stichwort. Dem kann auch Loredana Sorg nur beistim- men. «Eines meiner Highlights beim Treffen war, erneut zu merken, wie stolz ich auf unsere Zusammenarbeit mit den beteiligten Organisationen, die Menschen dahinter und die vertrauensvollen Partnerschaften bin.» Partnerschaften, die auch kritisches Feedback zulassen. «Ein Zeichen dafür war für mich, wie Teilnehmende am Treffen die Arbeitsweise von Biovision ansprachen, damit wir als Stiftung noch mehr Wirkung erzielen.»

Das belebende Momentum aus dem Partnermeeting gelte es nun klug zu nutzen, so Biovision-CEO Frank Eyhorn. Dieses helfe, gewohnte Pfade zu verlassen und neue Wege einzuschlagen. So sei es wunderbar bestätigend gewesen, zu sehen, dass der Ansatz von Biovision wirklich funktioniert und einen echten Mehrwert bringt: «Ich durfte immer wieder erleben, wie unsere Partnerinnen und Partner untereinander Möglichkeiten für neue sinnvolle Kooperationen entdeckt haben. Es scheint uns wirklich gelungen zu sein, ein Ganzes zu schaffen, das mehr ist als die Summe seiner Teile!»

Weitere Beiträge

Landwirtschaft

Das lernende System im Zürcher Weinland

Der Grüthof in Wildensbuch ZH zeichnet sich durch seine Vielfalt aus. Dabei zeigt sich die Freude von Beatrice Peter und Jorge Vásquez am Experimentieren.
Landwirtschaft, Märkte

Das Wir gewinnt

Intensiver Tabakanbau war im Norden Malawis lange eine der wenigen Möglichkeiten, um zu Geld zu kommen. Monica Ngoma geht gemeinsam mit ihrem Mann und anderen jungen Bäuerinnen und Bauern einen neuen Weg: Zusammenarbeit, agrarökologische Methoden und lokale Wertschöpfung statt Abhängigkeit von Chemie, Tabak und der Willkür des Weltmarkts.
Politik

Wenn Energiekrisen das Ernährungssystem treffen

Die aktuellen Spannungen im Nahen Osten rücken Öl- und Energiemärkte in den Fokus. Doch auch das globale Ernährungssystem kann dadurch unter Druck geraten. Charlotte Pavageau von Biovision ordnet ein, warum das ausgerechnet die ärmsten Haushalte besonders hart treffen würde.
Märkte

Was agrarökologische Unternehmen brauchen, um Wirkung zu entfalten

Am Weltwirtschaftsforum WEF in Davos diskutierten Fachleute an einem von Biovision organisierten Panel, wie agrarökologische Unternehmen erfolgreich wirtschaften können. Dabei bekannte sich ein hochkarätiger Gast als Agrarökologie-Fan.