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Medienmitteilungen

Ernährungssicherheit: Wissenschaft und Bürger:innen zeigen neue Wege

Am nationalen Ernährungssystemgipfel in Bern wurde der wissenschaftliche Leitfaden «Wege in die Ernährungszukunft der Schweiz» vorgestellt. Bundesrat Guy Parmelin begrüsste die rund 300 Teilnehmenden, die gekommen waren, um sich über den Leitfaden sowie die Empfehlungen des Bürger:innenrats für Ernährungspolitik auszutauschen.

Unsere Ernährungssicherheit ist gefährdet. Kriege, Pandemien, Klimawandel und das Schwinden der Biodiversität bedrohen auch die Versorgung der Schweiz. Das Ernährungssystem ist gleichzeitig aber auch treibende Kraft solcher Krisen, vom Klimawandel über den Schwund der Biodiversität bis hin zu Pandemien. Um die Kosten für Anpassungen an künftige Krisen zu reduzieren, muss das Schweizer Ernährungssystem rasch und umfassend auf nachhaltige Ziele ausgerichtet werden. Das geht aus der Publikation «Wege in die Ernährungszukunft der Schweiz – Leitfaden zu den grössten Hebeln und politischen Pfaden für ein nachhaltiges Ernährungssystem» hervor, die heute am Ernährungssystemgipfel in Bern präsentiert wurde. Zusammen mit den Empfehlungen des Schweizer Bürger:innenrats für Ernährungspolitik wurde der Leitfaden heute am Gipfel Bundesrat Guy Parmelin übergeben.

Der Leitfaden basiert auf der Expertise von über 40 Forschenden führender Institutionen, die im von SDSN Schweiz initiierten wissenschaftlichen Gremium Ernährungszukunft Schweiz zusammengearbeitet haben. Geleitet wurde die Arbeit von Dr. Lukas Fesenfeld, Transformationsforscher am Oeschger-Zentrum für Klimaforschung an der Universität Bern und Dozent an der ETH Zürich. «Es geht nicht nur um die Landwirtschaft, sondern um die gesamte Wertschöpfungskette von den Produzierenden bis zu den Konsumierenden», sagt er. Und er benennt auch die Herausforderungen: «Für ein zukunftsfähiges nachhaltiges Schweizer Ernährungssystem müssen nebst ökologischen auch wirtschaftliche und soziale Aspekte im Auge behalten werden. Dies ist besonders wichtig, um einen sozial gerechten Wandel des Ernährungssystems sicherzustellen. Das erfordert eine strategische Neuausrichtung der Ernährungssystempolitik. Rasches sowie gezieltes staatliches Fördern und Fordern entlang der gesamten Wertschöpfungskette ist hierfür notwendig.»

Damit bestätigen die Forschenden die Resultate des Bürger:innenrats für Ernährungspolitik. Dessen Empfehlungen, die vergangenen November vorgestellt wurden, weisen in die gleiche Richtung. Die 126 demokratisch abgestimmten Empfehlungen des Bürger:innenrats zeigen ausserdem, wo politisch mehrheitsfähige Lösungen realisierbar sind.

«Diese Aufgabe erfordert einen gesellschaftlichen Schulterschluss»

«Die nachhaltige Neuausrichtung des Ernährungssystems ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie erfordert einen Schulterschluss von Landwirtschaft, Wirtschaft und Konsumierenden» fasst Carole Küng, Co-Direktorin des Netzwerks für Nachhaltigkeitslösungen SDSN Schweiz, die Ausgangslage zusammen. Der Leitfaden würdigt bisherige private und staatliche Anstrengungen und Fortschritte in Richtung Nachhaltigkeit. Gleichzeitig wird aber anhand aktueller Zahlen belegt, dass für eine erfolgreiche nachhaltige Neuausrichtung des Ernährungssystems deutlich ambitioniertere politische Zielsetzungen und griffigere Massnahmen notwendig sind. «Je rascher diese Neuausrichtung gelingt, desto besser stehen die Chancen, vom Wandel zu profitieren, Krisen zu verhindern und Kosten zu minimieren», unterstrich Carole Küng. «Werden die Herausforderungen frühzeitig angepackt, spart dies längerfristig Kosten.»

Neue Impulse durch Transformationsfonds und Zukunftskommission

Die Schweiz wäre global Pionierin mit einem wissenschaftlich fundierten Handlungspfad zur Neuausrichtung des Ernährungssystems im Einklang mit den Nachhaltigkeitszielen der UN-Agenda 2030. Um dies zu erreichen, schlägt der Leitfaden für die Schweiz eine Nahrungsmittelversorgung nach agrarökologischen Prinzipien vor, die über das ganze Ernährungssystem wirtschaftliche mit ökologischen und sozialen Interessen verbindet. Für die Umsetzung sollen in einer ersten Phase bis 2025 beispielsweise technologischen Innovationen sowie nachhaltige Angebote in Kantinen und Restaurant gezielt gefördert, aber auch Umstellungsprämien für landwirtschaftliche Betriebe entrichtet werden. Für die Finanzierung der Massnahmen ist ein neu zu schaffender Transformationsfonds vorgesehen, der sowohl aus öffentlichen wie privaten Mitteln gespiesen würde.

Der Leitfaden zeigt konkret auf, in welcher zeitlichen Abfolge verschiedene Massnahmen eingeführt werden sollten, um maximale Wirkung zu erzielen. Während Einzelmassnahmen oft wenig wirkungsvoll und schwierig umsetzbar sind, entfalten sie im Zusammenspiel ihre maximale Wirkung. Die strategische Abfolge und Kombination der Massnahmen über Zeit für das gesamte Ernährungssystem sind entscheidend für den Erfolg und die Umsetzbarkeit.

Zur Gestaltung des dafür notwendigen kompromissorientierten Aushandlungsprozesses sieht der Leitfaden die Einrichtung einer «Zukunftskommission Ernährungssystem» vor. Darin sind die zentralen Akteure im Ernährungssystem sowie Bund, Kantone und Gemeinden ausgewogen vertreten. Dieser Rahmen stellt den notwendigen vertraulichen und multilateralen Verhandlungsprozess sicher, welcher neutral moderiert und wissenschaftlich begleitet wird. Zudem sollte ein regelmässiger Einbezug der Bürgerinnen und Bürger in den Prozess gewährleistet werden – nicht als Ersatzparlamente, sondern als Beratungsgremien. Dieser für die Schweiz neuartige Verhandlungsprozess könnte den Weg für neue Koalitionen für die Neuausrichtung der Ernährungssystempolitik eröffnen.

 

Weiterführende Informationen siehe unten sowie auf dieser Website.

Bilder von der Medienkonferenz und von der Eröffnung des Ernährungssystemgipfels mit Bundesrat Guy Parmelin finden Sie ab ca. 11 Uhr auf dieser Webseite: https://www.flickr.com/photos/196600757@N04/albums

 

Auskünfte und Interviews:

  • Dr. Lukas Fesenfeld, Leiter wissenschaftl. Gremium und Publikation (D&E), Tel. 076 603 41 13
  • Carole Küng, SDSN Switzerland/Leitfaden (D&E), Tel. 077 447 79 46
  • Daniel Langmeier, «Ernährungszukunft Schweiz»/Bürger:innenrat (D&F), Tel. 079 510 09 08
  • Niklaus Salzmann, Verantwortlicher Kommunikation SDSN Schweiz (D&F), Tel. 076 616 34 33

 

Mediendossier

  • Broschüre Leitfaden «Wege in die Ernährungszukunft der Schweiz» (76 Seiten, PDF)
  • Kurzversion zum Leitfaden «Wege in die Ernährungszukunft der Schweiz» (4 Seiten, PDF)
  • Empfehlungen des Bürger:innenrats zur Ernährungspolitik, (44 Seiten, PDF)
  • Einladung, Programm und Hintergrundinformationen zum Ernährungssystemgipfel (44 Seiten, PDF)

Unsere Ernährungssicherheit ist gefährdet. Kriege, Pandemien, Klimawandel und das Schwinden der Biodiversität bedrohen auch die Versorgung der Schweiz. Das Ernährungssystem ist gleichzeitig aber auch treibende Kraft solcher Krisen, vom Klimawandel über den Schwund der Biodiversität bis hin zu Pandemien. Um die Kosten für Anpassungen an künftige Krisen zu reduzieren, muss das Schweizer Ernährungssystem rasch und umfassend auf nachhaltige Ziele ausgerichtet werden. Das geht aus der Publikation «Wege in die Ernährungszukunft der Schweiz – Leitfaden zu den grössten Hebeln und politischen Pfaden für ein nachhaltiges Ernährungssystem» hervor, die heute am Ernährungssystemgipfel in Bern präsentiert wurde. Zusammen mit den Empfehlungen des Schweizer Bürger:innenrats für Ernährungspolitik wurde der Leitfaden heute am Gipfel Bundesrat Guy Parmelin übergeben.

Der Leitfaden basiert auf der Expertise von über 40 Forschenden führender Institutionen, die im von SDSN Schweiz initiierten wissenschaftlichen Gremium Ernährungszukunft Schweiz zusammengearbeitet haben. Geleitet wurde die Arbeit von Dr. Lukas Fesenfeld, Transformationsforscher am Oeschger-Zentrum für Klimaforschung an der Universität Bern und Dozent an der ETH Zürich. «Es geht nicht nur um die Landwirtschaft, sondern um die gesamte Wertschöpfungskette von den Produzierenden bis zu den Konsumierenden», sagt er. Und er benennt auch die Herausforderungen: «Für ein zukunftsfähiges nachhaltiges Schweizer Ernährungssystem müssen nebst ökologischen auch wirtschaftliche und soziale Aspekte im Auge behalten werden. Dies ist besonders wichtig, um einen sozial gerechten Wandel des Ernährungssystems sicherzustellen. Das erfordert eine strategische Neuausrichtung der Ernährungssystempolitik. Rasches sowie gezieltes staatliches Fördern und Fordern entlang der gesamten Wertschöpfungskette ist hierfür notwendig.»

Damit bestätigen die Forschenden die Resultate des Bürger:innenrats für Ernährungspolitik. Dessen Empfehlungen, die vergangenen November vorgestellt wurden, weisen in die gleiche Richtung. Die 126 demokratisch abgestimmten Empfehlungen des Bürger:innenrats zeigen ausserdem, wo politisch mehrheitsfähige Lösungen realisierbar sind.

«Diese Aufgabe erfordert einen gesellschaftlichen Schulterschluss»

«Die nachhaltige Neuausrichtung des Ernährungssystems ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie erfordert einen Schulterschluss von Landwirtschaft, Wirtschaft und Konsumierenden» fasst Carole Küng, Co-Direktorin des Netzwerks für Nachhaltigkeitslösungen SDSN Schweiz, die Ausgangslage zusammen. Der Leitfaden würdigt bisherige private und staatliche Anstrengungen und Fortschritte in Richtung Nachhaltigkeit. Gleichzeitig wird aber anhand aktueller Zahlen belegt, dass für eine erfolgreiche nachhaltige Neuausrichtung des Ernährungssystems deutlich ambitioniertere politische Zielsetzungen und griffigere Massnahmen notwendig sind. «Je rascher diese Neuausrichtung gelingt, desto besser stehen die Chancen, vom Wandel zu profitieren, Krisen zu verhindern und Kosten zu minimieren», unterstrich Carole Küng. «Werden die Herausforderungen frühzeitig angepackt, spart dies längerfristig Kosten.»

Neue Impulse durch Transformationsfonds und Zukunftskommission

Die Schweiz wäre global Pionierin mit einem wissenschaftlich fundierten Handlungspfad zur Neuausrichtung des Ernährungssystems im Einklang mit den Nachhaltigkeitszielen der UN-Agenda 2030. Um dies zu erreichen, schlägt der Leitfaden für die Schweiz eine Nahrungsmittelversorgung nach agrarökologischen Prinzipien vor, die über das ganze Ernährungssystem wirtschaftliche mit ökologischen und sozialen Interessen verbindet. Für die Umsetzung sollen in einer ersten Phase bis 2025 beispielsweise technologischen Innovationen sowie nachhaltige Angebote in Kantinen und Restaurant gezielt gefördert, aber auch Umstellungsprämien für landwirtschaftliche Betriebe entrichtet werden. Für die Finanzierung der Massnahmen ist ein neu zu schaffender Transformationsfonds vorgesehen, der sowohl aus öffentlichen wie privaten Mitteln gespiesen würde.

Der Leitfaden zeigt konkret auf, in welcher zeitlichen Abfolge verschiedene Massnahmen eingeführt werden sollten, um maximale Wirkung zu erzielen. Während Einzelmassnahmen oft wenig wirkungsvoll und schwierig umsetzbar sind, entfalten sie im Zusammenspiel ihre maximale Wirkung. Die strategische Abfolge und Kombination der Massnahmen über Zeit für das gesamte Ernährungssystem sind entscheidend für den Erfolg und die Umsetzbarkeit.

Zur Gestaltung des dafür notwendigen kompromissorientierten Aushandlungsprozesses sieht der Leitfaden die Einrichtung einer «Zukunftskommission Ernährungssystem» vor. Darin sind die zentralen Akteure im Ernährungssystem sowie Bund, Kantone und Gemeinden ausgewogen vertreten. Dieser Rahmen stellt den notwendigen vertraulichen und multilateralen Verhandlungsprozess sicher, welcher neutral moderiert und wissenschaftlich begleitet wird. Zudem sollte ein regelmässiger Einbezug der Bürgerinnen und Bürger in den Prozess gewährleistet werden – nicht als Ersatzparlamente, sondern als Beratungsgremien. Dieser für die Schweiz neuartige Verhandlungsprozess könnte den Weg für neue Koalitionen für die Neuausrichtung der Ernährungssystempolitik eröffnen.

 

Weiterführende Informationen siehe unten sowie auf dieser Website.

Bilder von der Medienkonferenz und von der Eröffnung des Ernährungssystemgipfels mit Bundesrat Guy Parmelin finden Sie ab ca. 11 Uhr auf dieser Webseite: https://www.flickr.com/photos/196600757@N04/albums

 

Auskünfte und Interviews:

  • Dr. Lukas Fesenfeld, Leiter wissenschaftl. Gremium und Publikation (D&E), Tel. 076 603 41 13
  • Carole Küng, SDSN Switzerland/Leitfaden (D&E), Tel. 077 447 79 46
  • Daniel Langmeier, «Ernährungszukunft Schweiz»/Bürger:innenrat (D&F), Tel. 079 510 09 08
  • Niklaus Salzmann, Verantwortlicher Kommunikation SDSN Schweiz (D&F), Tel. 076 616 34 33

 

Mediendossier

  • Broschüre Leitfaden «Wege in die Ernährungszukunft der Schweiz» (76 Seiten, PDF)
  • Kurzversion zum Leitfaden «Wege in die Ernährungszukunft der Schweiz» (4 Seiten, PDF)
  • Empfehlungen des Bürger:innenrats zur Ernährungspolitik, (44 Seiten, PDF)
  • Einladung, Programm und Hintergrundinformationen zum Ernährungssystemgipfel (44 Seiten, PDF)

Mehrheitsfähige Empfehlungen für eine nachhaltige Ernährungspolitik

Stellungnahme von Frank Eyhorn, Geschäftsführer Biovision, zu den Empfehlungen des Schweizer Bürger:innenrats für Ernährungspolitik.

Eine nachhaltigere Ausgestaltung des Ernährungssystems ist eine dringliche, gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Ein als Abbild der Schweiz zusammengesetzter Bürger:innenrat zeigt auf, wie sie gelingen kann.

Was passiert, wenn die Schweizer Bevölkerung direkt Empfehlungen an die Politik ausarbeitet? Rund 80, von einem Marktforschungsinstitut zufällig ausgewählte Personen, haben sich über fünf Monate hinweg intensiv mit den komplexen Herausforderungen unseres Ernährungssystems auseinandergesetzt, vom Feld bis auf den Teller und darüber hinaus. Dabei erhielt der Bürger:innenrat für Ernährungspolitik ausgewogene Informationen aller Interessensgruppen – etwa seitens landwirtschaftlicher Produktion, Verarbeitung und Handel, Umwelt- und Konsumentenorganisationen – sowie von Expertinnen und Experten aus den wichtigsten Schweizer Forschungsinstitutionen. Der Prozess wurde von unabhängiger Seite moderiert und durch die ETH Zürich wissenschaftlich begleitet.

Das Ergebnis beeindruckt und überrascht. Während die Debatte um die Zukunft der Landwirtschaft in der Schweiz bekannterweise ausgesprochen polarisiert und zuweilen polemisch geführt wird, waren die Diskussionen von einer grossen Bereitschaft geprägt, die unterschiedlichen Perspektiven wertzuschätzen und gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln. Einig wurde man sich, dass dringender Handlungsbedarf besteht: Die Art und Weise, wie wir Nahrungsmittel produzieren und konsumieren trägt massgeblich zu Artenschwund, Klimawandel, Gewässerbelastung und gesundheitlichen Problemen bei, mit gewaltigen gesellschaftlichen Kosten. Da wir fast die Hälfte unserer Nahrungs- und Futtermittel importieren, ist unsere Ernährungsweise zudem eng verflochten mit Problemen wie Armut und Umweltzerstörung in den Herkunftsländern.

Mehrheitsfähige Empfehlungen

Bemerkenswert ist, dass sich die Vorschläge nicht entlang der üblichen Gräben wie Stadt-Land, links-rechts ausrichten. Eine mehrheitsfähige Ernährungspolitik darf Umweltziele nicht auf dem Rücken der Bäuerinnen und Bauern durchsetzen. Die Empfehlungen des Bürger:innenrats sind denn auch differenziert und setzen die Hebel auf verschiedenen Ebenen an: etwa bei der Aufklärung der Konsumierenden, Veränderungen in der Preispolitik beim Detailhandel, der verstärkten Förderung nachhaltiger Landwirtschaft sowie der Förderung von Forschung und Ausbildung im Ernährungsbereich. Dabei soll mehr Ackerfläche für die menschliche statt tierische Ernährung genutzt, der Selbstversorgungsgrad der Schweiz erhöht und der bürokratische Aufwand gesenkt werden.

Den einen gehen die Empfehlungen des Bürger:innenrates zu wenig weit, den anderen sind sie zu radikal. Was sie aber durch den gewählten Prozess auszeichnet: sie sind im besten Sinn der sprichwörtliche «gutschweizerische Kompromiss» und weisen in ihrer Gesamtheit den Weg zu mehrheitsfähigen Lösungen.

Nun ist die Politik gefragt. Der Bundesrat anerkennt in seiner im Sommer vorgestellten Strategie zur zukünftigen Ausrichtung der Agrarpolitik zwar den dringenden Handlungsbedarf, Reformen werden aber auf die lange Bank geschoben, mit Zielhorizont 2050. Das wird dem Ernst der Lage nicht gerecht. Es bleibt zu hoffen, dass das Parlament sich vom Mut des Bürger:innenrates inspirieren lässt und ganzheitlich handelt. Denn Grabenkämpfe bringen uns nicht weiter, und ein „weiter wie bisher“ ist keine Option.

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Eine nachhaltigere Ausgestaltung des Ernährungssystems ist eine dringliche, gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Ein als Abbild der Schweiz zusammengesetzter Bürger:innenrat zeigt auf, wie sie gelingen kann.

Was passiert, wenn die Schweizer Bevölkerung direkt Empfehlungen an die Politik ausarbeitet? Rund 80, von einem Marktforschungsinstitut zufällig ausgewählte Personen, haben sich über fünf Monate hinweg intensiv mit den komplexen Herausforderungen unseres Ernährungssystems auseinandergesetzt, vom Feld bis auf den Teller und darüber hinaus. Dabei erhielt der Bürger:innenrat für Ernährungspolitik ausgewogene Informationen aller Interessensgruppen – etwa seitens landwirtschaftlicher Produktion, Verarbeitung und Handel, Umwelt- und Konsumentenorganisationen – sowie von Expertinnen und Experten aus den wichtigsten Schweizer Forschungsinstitutionen. Der Prozess wurde von unabhängiger Seite moderiert und durch die ETH Zürich wissenschaftlich begleitet.

Das Ergebnis beeindruckt und überrascht. Während die Debatte um die Zukunft der Landwirtschaft in der Schweiz bekannterweise ausgesprochen polarisiert und zuweilen polemisch geführt wird, waren die Diskussionen von einer grossen Bereitschaft geprägt, die unterschiedlichen Perspektiven wertzuschätzen und gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln. Einig wurde man sich, dass dringender Handlungsbedarf besteht: Die Art und Weise, wie wir Nahrungsmittel produzieren und konsumieren trägt massgeblich zu Artenschwund, Klimawandel, Gewässerbelastung und gesundheitlichen Problemen bei, mit gewaltigen gesellschaftlichen Kosten. Da wir fast die Hälfte unserer Nahrungs- und Futtermittel importieren, ist unsere Ernährungsweise zudem eng verflochten mit Problemen wie Armut und Umweltzerstörung in den Herkunftsländern.

Mehrheitsfähige Empfehlungen

Bemerkenswert ist, dass sich die Vorschläge nicht entlang der üblichen Gräben wie Stadt-Land, links-rechts ausrichten. Eine mehrheitsfähige Ernährungspolitik darf Umweltziele nicht auf dem Rücken der Bäuerinnen und Bauern durchsetzen. Die Empfehlungen des Bürger:innenrats sind denn auch differenziert und setzen die Hebel auf verschiedenen Ebenen an: etwa bei der Aufklärung der Konsumierenden, Veränderungen in der Preispolitik beim Detailhandel, der verstärkten Förderung nachhaltiger Landwirtschaft sowie der Förderung von Forschung und Ausbildung im Ernährungsbereich. Dabei soll mehr Ackerfläche für die menschliche statt tierische Ernährung genutzt, der Selbstversorgungsgrad der Schweiz erhöht und der bürokratische Aufwand gesenkt werden.

Den einen gehen die Empfehlungen des Bürger:innenrates zu wenig weit, den anderen sind sie zu radikal. Was sie aber durch den gewählten Prozess auszeichnet: sie sind im besten Sinn der sprichwörtliche «gutschweizerische Kompromiss» und weisen in ihrer Gesamtheit den Weg zu mehrheitsfähigen Lösungen.

Nun ist die Politik gefragt. Der Bundesrat anerkennt in seiner im Sommer vorgestellten Strategie zur zukünftigen Ausrichtung der Agrarpolitik zwar den dringenden Handlungsbedarf, Reformen werden aber auf die lange Bank geschoben, mit Zielhorizont 2050. Das wird dem Ernst der Lage nicht gerecht. Es bleibt zu hoffen, dass das Parlament sich vom Mut des Bürger:innenrates inspirieren lässt und ganzheitlich handelt. Denn Grabenkämpfe bringen uns nicht weiter, und ein „weiter wie bisher“ ist keine Option.

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Der Bürger:innenrat für Ernährungspolitik präsentiert Empfehlungen

(Ernährungszukunft Schweiz) Nach fast sechsmonatiger Arbeit stellt der Schweizer Bürger:innenrat für Ernährungspolitik seine Empfehlungen an die Politik für ein nachhaltiges Ernährungssystem vor. Der Bürger:innenrat spricht sich für eine umfassende nachhaltige Ernährungspolitik aus, die die menschliche Gesundheit in den Mittelpunkt stellt, die Ökosysteme erhält und verbessert sowie faire Bedingungen für alle Beteiligten schafft.

Bern, 7. November 2022 / Der erste nationale Bürger:innenrat für Ernährungspolitik hat heute seine Empfehlungen zu Handen der Politik und Akteure der Wertschöpfungskette präsentiert. Die Mitglieder des Bürger:innenrats kamen, während ihrer fast sechsmonatigen Arbeit zum Schluss, dass die Transformation unseres Ernährungssystems zu mehr Nachhaltigkeit dringlich ist und die Politik dem Thema mehr Priorität geben müsse. 

Am Sonntag, 6. November verabschiedete der Bürger:innenrat für Ernährungspolitik seinen Empfehlungskatalog zu Handen der Politik und Wertschöpfungskette mit konkreten Massnahmen für ein nachhaltiges Ernährungssystem in der Schweiz. «Mich beeindruckt die Vielfalt, Anzahl und Qualität der Empfehlungen der Bürger:innenrats enorm. Es bestätigt Forschungsergebnisse, dass die Bevölkerung einen wichtigen Beitrag bei der Suche nach breit abgestützten politischen Lösungen zu komplexen Problemen leistet», stellt Prof. Dr. Johanna Jacobi (ETH Zürich), Mitglied des wissenschaftlichen Kuratoriums des Bürger:innenrats, fest. Jacobi, die ebenfalls eine Begleitforschung zum Prozess und den Ergebnissen leitet, ergänzt: «Die Empfehlungen zur Ernährungspolitik sind, für die oftmals interessensdominierte Debatte über nachhaltige Lösungen, eine legitime und hochwertige Grundlage. Sie gehen weit über die Landwirtschaft hinaus und beziehen das gesamte Ernährungssystems mit ein.»

Der Bürger:innenrat möchte eine Ernährungspolitik, die alle Teile des Ernährungssystems – auch Konsum und Handel – in die Verantwortung nimmt. Laurent Repond, der 36-jährige Teilnehmer des Bürger:innenrats und Ingenieur, sagt: «Die Empfehlungen zu den Themen Gesundheit, Information und Bildung sind für mich die wichtigsten».

Ball liegt bei der Politik

«Mit dem Bürger:innenrat hat die Bevölkerung in diesem Rahmen erstmals eine Stimme erhalten, um Empfehlungen für konkrete Massnahmen für eine zukünftige Ernährungspolitik in die laufende Diskussion einzubringen», erklärt Daniel Langmeier, Projektleiter bei der Stiftung Biovision. Die drei Trägerorganisationen (s. unten *) nehmen mit dem Bürger:innenrat einen Impuls des Bundesrats auf. Dieser strebt mit seiner „Strategie Nachhaltige Entwicklung 2030“ einen Wandel hin zu einem nachhaltigen Ernährungssystem in der Schweiz an. Der Bundesrat setzt dabei auf Dialog. Alwin Kopše, Leiter Fachbereich Internationales und Ernährungssysteme beim Bundesamt für Landwirtschaft, sagt dazu: «Die Transformation der Ernährungssysteme kann nur gelingen, wenn alle Akteur:innen beteiligt sind. Deshalb begrüssen wir diesen Dialog unter Bürger:innen und schätzen die geleistete Arbeit sehr».

Nadia Catelli Matasci, 71-jährige Teilnehmerin des Bürger:innerats und Bergbäuerin aus dem Tessin, sagt: «Wir haben viel Zeit und Arbeit investiert für ein Thema, das uns alle angeht. Wir glauben und vertrauen darauf, dass unsere Empfehlungen auch tatsächlich in Angriff genommen und vor allem in konkrete Massnahmen umgesetzt werden».

Alle Empfehlungen können unter www.buergerinnenrat.ch/empfehlungen eingesehen werden.

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(Der Bürger:innenrat für Ernährungspolitik ist Teil des Projekts Ernährungszukunft Schweiz von Biovision.)

Bern, 7. November 2022 / Der erste nationale Bürger:innenrat für Ernährungspolitik hat heute seine Empfehlungen zu Handen der Politik und Akteure der Wertschöpfungskette präsentiert. Die Mitglieder des Bürger:innenrats kamen, während ihrer fast sechsmonatigen Arbeit zum Schluss, dass die Transformation unseres Ernährungssystems zu mehr Nachhaltigkeit dringlich ist und die Politik dem Thema mehr Priorität geben müsse. 

Am Sonntag, 6. November verabschiedete der Bürger:innenrat für Ernährungspolitik seinen Empfehlungskatalog zu Handen der Politik und Wertschöpfungskette mit konkreten Massnahmen für ein nachhaltiges Ernährungssystem in der Schweiz. «Mich beeindruckt die Vielfalt, Anzahl und Qualität der Empfehlungen der Bürger:innenrats enorm. Es bestätigt Forschungsergebnisse, dass die Bevölkerung einen wichtigen Beitrag bei der Suche nach breit abgestützten politischen Lösungen zu komplexen Problemen leistet», stellt Prof. Dr. Johanna Jacobi (ETH Zürich), Mitglied des wissenschaftlichen Kuratoriums des Bürger:innenrats, fest. Jacobi, die ebenfalls eine Begleitforschung zum Prozess und den Ergebnissen leitet, ergänzt: «Die Empfehlungen zur Ernährungspolitik sind, für die oftmals interessensdominierte Debatte über nachhaltige Lösungen, eine legitime und hochwertige Grundlage. Sie gehen weit über die Landwirtschaft hinaus und beziehen das gesamte Ernährungssystems mit ein.»

Der Bürger:innenrat möchte eine Ernährungspolitik, die alle Teile des Ernährungssystems – auch Konsum und Handel – in die Verantwortung nimmt. Laurent Repond, der 36-jährige Teilnehmer des Bürger:innenrats und Ingenieur, sagt: «Die Empfehlungen zu den Themen Gesundheit, Information und Bildung sind für mich die wichtigsten».

Ball liegt bei der Politik

«Mit dem Bürger:innenrat hat die Bevölkerung in diesem Rahmen erstmals eine Stimme erhalten, um Empfehlungen für konkrete Massnahmen für eine zukünftige Ernährungspolitik in die laufende Diskussion einzubringen», erklärt Daniel Langmeier, Projektleiter bei der Stiftung Biovision. Die drei Trägerorganisationen (s. unten *) nehmen mit dem Bürger:innenrat einen Impuls des Bundesrats auf. Dieser strebt mit seiner „Strategie Nachhaltige Entwicklung 2030“ einen Wandel hin zu einem nachhaltigen Ernährungssystem in der Schweiz an. Der Bundesrat setzt dabei auf Dialog. Alwin Kopše, Leiter Fachbereich Internationales und Ernährungssysteme beim Bundesamt für Landwirtschaft, sagt dazu: «Die Transformation der Ernährungssysteme kann nur gelingen, wenn alle Akteur:innen beteiligt sind. Deshalb begrüssen wir diesen Dialog unter Bürger:innen und schätzen die geleistete Arbeit sehr».

Nadia Catelli Matasci, 71-jährige Teilnehmerin des Bürger:innerats und Bergbäuerin aus dem Tessin, sagt: «Wir haben viel Zeit und Arbeit investiert für ein Thema, das uns alle angeht. Wir glauben und vertrauen darauf, dass unsere Empfehlungen auch tatsächlich in Angriff genommen und vor allem in konkrete Massnahmen umgesetzt werden».

Alle Empfehlungen können unter www.buergerinnenrat.ch/empfehlungen eingesehen werden.

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(Der Bürger:innenrat für Ernährungspolitik ist Teil des Projekts Ernährungszukunft Schweiz von Biovision.)

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