Echte Hilfe

Der wirkliche Erfolg eines Projekts zeigt sich erst nach dem Abschluss. Wir haben die Probe aufs Exempel gemacht und «Cabesi» vier Jahre nach Projektende besucht. Was hat das Engagement von Biovision in Westpokot gebracht?

Peter Lüthi, Kommunikation

«Cabesi» steht für Camels Bees and Silk, also Kamele, Bienen und Seide. Das langjährige Biovision Projekt hatte zum Ziel, Kamele als Lasttiere und Milchlieferanten im semiariden Westpokot County in Kenia einzuführen. Die moderne Bienenhaltung und die Produktion von reinem Bienenhonig sollten etabliert und die Herstellung von Wildseide mit einheimischen Seidenraupen gefördert werden. Von 2004–2014 wurden das nötige Wissen und die praktischen Fertigkeiten an die lokale Bevölkerung vermittelt. Wichtig war auch der Aufbau von Verarbeitungsketten und Vermarktungsstrukturen. Dazu wurden im Verlaufe des Projekts sechs Honigsammel- Zentren mit Lagerräumen und Honigschleudern eingerichtet und ein «Marketplace » für die Verarbeitung, Konfektionierung und den Verkauf der Produkte aufgebaut. Mit dem Projekt sollten Halbnomaden in Westpokot die Möglichkeit erhalten, sich neue Einkommensquellen zu erschliessen und ihr Leben zu verbessern.

  • August 2007: Einweihung der neuen Honigsammelstelle in Lomut (Westpokot, Kenia) mit den «Lomut traditional Dancers», und den lokalen Partnern von Biovision im Projekt Cabesi.
  • Honigsammelzentrum in Lomut, Kenia im Oktober 2018. Nach zwei schwierigen Jahren mit Dürren
    und zu viel Regen zeichnet sich seit diesem Jahr eine Rekordernte für Honig und Wachs ab.
  • Die ehemaligen Projektassistenten Mercy Kiyapyap und Paul Losute führen den «Cabesi Marketplace» heute selbständig und erfolgreich weiter.

Höhen und Tiefen

Entwicklungsprojekte durchlaufen verschiedene Phasen. Je nach Zeitpunkt können Beurteilungen sehr unterschiedlich ausfallen. So schrieb etwa die Cabesi-Projektassistentin Mercy Kiyapyap 2009 in einem Biovision Newsletter ernüchtert: «Das Kamel als Lasttier wurde von den Pokot bis heute nicht angenommen. In ihrer Tradition ist der Einsatz von Stuten zum Materialtransport tabu. Ausgebildete Hengste wurden z.T. geschlachtet oder verkauft, und trainierte Tiere frei laufen gelassen, worauf sie halb verwilderten.» Biovision musste den Misserfolg akzeptieren und die Kamelkomponente aufgeben. Nachdem auch die Produktion von Wildseide nicht wirklich ab Boden kam, hätte man beim Projektektende 2014 den Schluss ziehen können, das Vorhaben sei gescheitert. Doch weit gefehlt. Denn «Cabesi» begann erst später richtig abzuheben, und zwar dank der verbliebenen zweiten Komponente.

Entscheidend ist das, was bleibt

Die Bienenhaltung erlebt zur Zeit in Westpokot einen veritablen Boom. Im laufenden Jahr beliefern ca. 1600 Imker die Sammelzentren des Cabesi Marketplace mit ihren Produkten. Dort rechnet man mit 75 Tonnen Honig und 2,5 Tonnen Wachs bis Ende der laufenden Saison. Der bisherige Rekord lag 2014 bei 99,7 Tonnen Honig. Darauf gab es Ertragsrückgänge infolge von Dürren oder zu nasser Witterung. Cabesi bezahlt den Imkern einen stabilen Preis von zur Zeit 200 Kenia- Shilling (ca. CHF 2.–) pro Kilogramm Honig bzw. 400 KES pro Kilo Wachs (CHF 4.–). Somit wird der Marketplace bis im Dezember 2018 insgesamt ca. 16 000 000 KES (CHF 157 500.–) an die «Cabesi-Imker» ausbezahlen. Dazu kommen die Zahlungen an 3000 weitere Bienenhalter, die ihre Produkte nicht über die Sammelzentren an den Marketplace verkaufen. Cabesi bietet allen Lieferanten Sicherheit und stabile Preise.

Pioniere des Wandels

«Das Projekt war eine Initialzündung und hat den Honigmarkt in Westpokot geöffnet», sagt Mercy Kiyapyap, die nach der Projektübergabe an eine selbständige, lokale Kooperative zur Co-Managerin des Cabesi Marketplace gewählt und angestellt wurde. Und Paul Losute, Cabesi Co-Manager, ergänzt stolz: «Vor dem Projektbeginn war der Honig aus Westpokot mit Wachs vermischt und mit Bienenkadavern verschmutzt. Er hatte praktisch keinen Wert. Heute produzieren wir den besten Qualitätshonig in Kenia und sind ein Vorzeigebetrieb für ganz Kenia.» Im letzten Sommer bestimmte die Regierung die Imkerei neben der Hühnerhaltung und der Produktion von Ziegenfleisch als einen der drei Hauptpfeiler für die wirtschaftliche Entwicklung im Westpokot County. Das zuständige Ministry for Livestock wählte «Cabesi» als Hauptpartner zur Umsetzung des Bienenprogramms.

Aus Fehlern lernen

Entscheidend für die erfolgreiche Entwicklung und Übergabe des Projekts war unter anderem der sorgfältige Aufbau einer integeren, lokalen Trägerschaft und die Verpflichtung eines zuverlässigen und verantwortungsbewussten Managements für den Marktplaz und das ganze Honiggeschäft. Aber auch die Rückschläge entpuppten sich letztlich als Chancen, die jetzt in anderen Projekten genutzt werden. So waren etwa die Lehren aus der gescheiterten Einführung von Kamelen für Biovision sehr hilfreich für ein Folgeprojekt im kenianischen Isiolo County. Dort werden diese robusten Tiere seit 2010 zusammen mit Borana Halbnomaden erfolgreich wieder eingeführt. Die Borana hatten die Kamelhaltung erst vor ca. 80 Jahren zugunsten der lukrativeren Rinderhaltung aufgegeben. Jetzt nimmt der Kamelbestand im Isiolo County stark zu. Im Rahmen des Biovision Projekts wurden funktionierende Strukturen für das Sammeln, die Verarbeitung, den Transport und den Verkauf von Kamelmilch aufgebaut.