Uganda

Biovision ist seit 2009 in Uganda aktiv. Durch die Unterstützung traditioneller Mediziner in der Nutzung und im Anbau von lokalen Heilpflanzen trägt Biovision dazu bei, die Biodiversität der umliegenden Wälder zu schützen.


Bevölkerung

Ende 2014 zählte Uganda gut 37 Millionen Menschen. Gegenwärtig nimmt die Bevölkerung pro Jahr um rund 1,2 Millionen Personen zu. Insgesamt sind fast 70 Prozent der Leute jünger als 24 Jahre. Etwa ein Sechstel der Bevölkerung lebt in Städten. Als Folge der verbreiteten Landflucht wächst diese Gruppe – bei einer jährlichen Zunahme von 5,4 Prozent – fast doppelt so rasch wie im Landesdurchschnitt (www.cia.gov)

Gemäss dem Human Development Index des UNO-Entwicklungsprogramms UNDP, das die Faktoren Gesundheit, Erziehung und Einkommen als umfassenden Massstab für den Wohlstand bewertet, rangiert Uganda auf Platz 163 von 187 (http://hdr.undp.org). Die mittlere Lebenserwartung liegt bei 58.5 Jahren, wobei die Kindersterblichkeitsrate der Lebendgeborenen 6.6 Prozent beträgt.

Zu den grössten gesundheitlichen Problemen gehören die hohe Ansteckungsrate von 7,4 Prozent der Erwachsenen mit HIV/AIDS sowie die zahlreichen Malaria-Infektionen mit Millionen von Krankheitsfällen pro Jahr. Nahezu 75 Prozent der Menschen in Uganda haben Zugang zu sauberem Wasser und 34 Prozent zu sanitären Einrichtungen.

Heute können mehr als 73 Prozent aller über 15-Jährigen lesen und schreiben. Damit ist der Grad der Alphabetisierung seit den frühen 1990er-Jahren deutlich angestiegen.

Lebensraum

Mit gut 241‘500 km2 ist Uganda nahezu 6 Mal so gross wie die Schweiz. Ungefähr ein Fünftel seiner Fläche besteht aus Seen, Sumpfgebieten und Flüssen, was es zum wasserreichsten Land Ostafrikas macht, in dem unter anderem auch der Weisse Nil entspringt. Einzig die Region Karamoja im Nordosten – an der Grenze zu Kenia und zum Südsudan – gilt als semiarid. Ein Grossteil der Bevölkerung lebt im Gebiet Buganda, einem auf 1000 bis 1300 Meter über Meer gelegenen Hochplateau mit sanft gewellten Hügelzügen und ausgedehnten Beckenlandschaften. Die Gegend zwischen dem ostafrikanischen und dem zentralafrikanischen Graben ist für ihre fruchtbaren Böden bekannt.

Uganda verfügt zudem über eine reiche Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren. Hauptgründe dafür sind der Übergang von der Savanne Ostafrikas in den Regenwald Zentralafrikas sowie die zum Teil extremen Höhenunterschiede von mehr als 4000 Metern auf engem Raum – so etwa zwischen den Seen und den vulkanischen Gebirgszügen.

Obwohl der Staat versucht, die zum Teil einzigartige Flora und Fauna in 10 Nationalparks und mehreren Wildreservaten zu schützen, stehen die natürlichen Ressourcen unter einem enormen Druck. Allein in der Regierungszeit des Gewaltherrschers Idi Amin fiel im Lauf der 1970er-Jahre fast die Hälfte des damaligen Waldbestandes der Abholzung zum Opfer (http://liportal.giz.de). Seither hat die Waldfläche kontinuierlich abgenommen und bedeckt gegenwärtig nur noch etwa 7 Prozent Ugandas. Vor allem an Hanglagen führt dieser Raubbau nach intensiven Niederschlägen zu einer starken Bodenerosion und zu Schlammlawinen, die auch ländliche Siedlungsgebiete bedrohen – so etwa am Mount Elgon im Osten des Landes. Die Trockenlegung von Feuchtgebieten zur Ausweitung der Anbaufläche gilt – neben den anhaltenden Waldrodungen – als weitere Ursache für veränderte Niederschlagsmuster in der Region, die häufiger als früher zu Dürren und Überschwemmungen führen.

Im Distrikt Kaliro, der unter einer starken Abholzung leidet, unterstützt Biovision die ländliche Bevölkerung deshalb beim Aufbau von Baumschulen. Die Kultivierung von Baumsetzlingen zur Wiederaufforstung in der Region verschafft mehreren hundert Familien ein zusätzliches Einkommen (BV EH-11). Daneben werden in der Waldschule Mpigi insbesondere Frauen im Bereich der Pflanzenheilkunde ausgebildet. Sie lernen, die Produkte des Waldes nachhaltig zu nutzen und verbessern dank dem erworbenen Wissen die Gesundheitsversorgung der Menschen in ihren Dörfern (BV EH-10).

Wirtschaft

Ugandas Wirtschaft wächst seit den frühen 1990er-Jahren mit Raten zwischen 4,5 und 10 Prozent (www.auswaertiges-amt.de). Von 2005 bis 2012 hat sich das Bruttoinlandprodukt (BIP) denn auch mehr als verdoppelt. Weil dieser Anstieg auf gut 26 Milliarden US-Dollar im Jahr 2014 das gegenwärtige Bevölkerungswachstum von 3,2 Prozent deutlich überflügelt, nimmt auch das Durchschnittseinkommen kontinuierlich zu. Mit 660 US-Dollar pro Person und Jahr liegt dessen Wert aber immer noch sehr tief. Die Weltbank beziffert den Anteil der Menschen, die 2012 unter der allgemeinen Armutsgrenze lebten, auf 19,5 Prozent. Innert eines Jahrzehnts hat sich diese Quote allerdings halbiert (http://data.worldbank.org).

Die überwiegende Mehrheit der Menschen in den ländlichen Regionen lebt von der Landwirtschaft – nämlich rund 80 Prozent der Gesamtbevölkerung. Davon produzieren etwa zwei Drittel primär für den Eigenbedarf. Aufgrund der geringen Produktivität steuert der Agrarsektor nur etwa 23 Prozent zur Wirtschaftsleistung Ugandas bei, ist aber trotzdem die wichtigste Deviseneinnahmequelle (http://liportal.giz.de). Biovision unterstützt die kleinbäuerlichen Haushalte in verschiedenen Regionen Ugandas im Bereich der ökologischen Landwirtschaft. Damit sollen sie ihre Produktivität mit den lokal verfügbaren Ressourcen steigern können, ohne dass die natürlichen Lebensgrundlagen ausgelaugt werden (BV PH-06).

Ausgeführt werden neben den traditionellen Exportgütern – wie Kaffee, Baumwolle, Tee und Tabak – inzwischen auch weitere Produkte – so etwa Kakao, Vanille, Honig, Trockenfrüchte oder Schnittblumen. Zu den bedeutenden Exportschlagern gehört zudem der vor allem nach Europa verkaufte Nilbarsch aus dem Viktoriasee, ein in diesem Binnengewässer ursprünglich nicht heimischer Raubfisch, dessen Aussetzung die übrige Fischfauna im See weitgehend ausgerottet hat.

In den ersten Jahren nach der Unabhängigkeit von Grossbritannien zählte Uganda zu den industriell am weitesten entwickelten Ländern Ostafrikas. Doch unter den gewalttätigen Regimes von Milton Obote und Idi Amin, die das Land während zwei Jahrzehnten beherrschten, wurde die bestehende Infrastruktur durch die bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen und ein anhaltendes Missmanagement weitgehend zerstört. Seit Beginn der 1990er-Jahre hat sich die wirtschaftliche und soziale Lage nun aber deutlich verbessert. Ein wichtiges Indiz dafür ist die markante Reduktion der Armutsrate von 56 Prozent auf noch weniger als 20 Prozent zwischen 1992 und 2012. Einen weiteren Aufschwung erhofft sich Uganda von den beträchtlichen Erdölfunden entlang des Albert-Grabens im Westen des Landes. Ihre Ausbeutung soll den heutigen Anteil der Industrie von 27 Prozent am Bruttoinlandsprodukt erhöhen und sich positiv auf die Einkommenssituation auswirken. Die Nutzung erfordert jedoch den Bau einer mehrere hundert Kilometer langen Pipeline zur Verschiffung des Erdöls am Indischen Ozean.

Politik

Nach den diktatorischen Regimes von Idi Amin und Milton Obote, denen in den 1970er- und frühen 1980er-Jahren Hundertausende von Oppositionellen zum Opfer fielen, gelangte der heute noch amtierende Präsident Yoweri Museveni 1986 durch einen Militärputsch an die Macht. Seine Regierungspartei National Resistance Movement (NRM), die im Parlament nach wie vor über eine komfortable Mehrheit verfügt, führte in der geänderten Verfassung einen Katalog von Grundrechten ein. Dazu gehören zum Beispiel die Versammlungs- und Meinungsfreiheit, das rechtliche Gehör, die Religions- und Informationsfreiheit sowie der bessere Schutz von Frauen, Kindern, Behinderten oder ethnischen und religiösen Minderheiten. Nach 20-jähriger Alleinherrschaft führte die NRM im Jahr 2006 zudem das Mehrparteiensystem wieder ein (http://data.worldbank.org).

Bedingt durch den Ausbau der demokratischen Grundrechte und die Fortschritte bei der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung des Landes galt Uganda in der Beurteilung der internationalen Finanzinstitutionen und Geberländer lange als vorbildliches Modell. Doch dieses Bild weist inzwischen mehrere Risse auf. So wurde die ursprünglich geltende Beschränkung der Amtszeit für das Staatsoberhaupt auf zwei Wahlperioden 2005 aufgehoben, was es Yoweri Museveni erlaubt, auch nach 30 Jahren an der Macht erneut für das Staatspräsidium zu kandidieren. Überdies leidet sein Image unter der zunehmenden Korruption und Misswirtschaft sowie den gewalttätigen Übergriffen der Polizei bei Demonstrationen.

Auch die in den Grundrechten verankerte Gleichstellung der Geschlechter sowie die Akzeptanz sexueller Minderheiten stossen im Alltag an Grenzen. Die Widerstände kommen dabei nicht nur von traditionellen Teilen der Gesellschaft, sondern auch von erzkonservativen Freikirchen, die in Uganda – dank Fördermitteln aus den USA – immer mehr Anhänger gewinnen und mittlerweile eine politisch relevante Kraft bilden.