Agroveg: Push-Pull für Gemüse

Gemüsebäuerinnen und -bauern in Kenia und Tansania setzen auf Push-Pull statt auf Pestizide, um Schädlinge und Krankheiten zu bekämpfen. Zudem stärkt Biovision den Markt für das so produzierte agrarökologische Gemüse (kurz: Agroveg). 

Pestizide gefährden Gesundheit und Umwelt

Aus Sorge vor Schädlingen und Krankheiten setzen Gemüsebäuerinnen und -bauern in Ostafrika chemische Pestizide ein. Dies wirkt sich negativ auf die Gesundheit von Umwelt und Menschen aus. Unsere Partnerorganisation Icipe hat einen ökologischen Ansatz entwickelt, der Ernteverluste vermeidet: Die Push-Pull-Methode: Zwischen den Gemüsereihen werden bestimmte Pflanzen angebaut, welche Schädlinge vertreiben (Push). Um das Feld herum werden Sorten angepflanzt, welche diese Schädlinge anlockt (Pull). Ursprünglich wurde diese Methode der Schädlingsbekämpfung für Mais und Hirse entwickelt. 

Ziele: Ernährungssicherheit und Einkommensmöglichkeiten verbessern

Biovision will mit diesem Projekt die Ernährungssituation und Einkommensmöglichkeiten von 3000 Gemüsebäuerinnen und -bauern verbessern und gleichzeitig einen Beitrag zum Umweltschutz leisten. 

Zudem soll der Markt für nachhaltig produziertes Gemüse gestärkt werden. Dafür wird eine Informationsplattform ausgebaut, auf der sich mindestens 1‘500 Akteur:innen entlang der Wertschöpfungskette vernetzen. 

Auf einen Blick

Projektname:

Agroveg
Projektland:
Kenia
Tansania

Projektbudget in CHF:

270000
Teilnehmende:
Kleinbäuerinnen und -bauern
Projektbetreuung:
Projektphase:
2025-2027
Status:
Laufend
Partnerorganisationen:

Internationales Insektenforschungsinstitut (Icipe) 

World Vegetable Center 

In diesem Projekt stehen folgende Nachhaltigkeitsziele der UNO Agenda 2030 im Fokus:
Region
Themen

Bisherige Wirkung: Erfolgreiche Tests und erste Kooperationen

Seit 2006 unterstützt Biovision Projekte zur Verbreitung von Push-Pull. Stets setzen wir dabei auf eine enge Zusammenarbeit von Forschung und Landwirtschaft. 

Mit dem Agroveg-Projekt entwickeln wir die Push-Pull-Methode weiter: Dabei werden einzig verschiedene Gemüse-Sorten angewandt, also kein Mais.  

Zum Einsatz kommen Nützlinge (wie Marienkäfer), Biopestizide und resistente Gemüsesorten. Diese Komponenten testen wir in unterschiedlichen Kombinationen zunächst auf den Forschungsfeldern und anschliessend in der Praxis bei den Bäuer:innen, um herauszufinden, welche Variante Schädlinge am effektivsten fernhält. So hat sich gezeigt, dass der Kohl am besten gedeiht, wenn dazwischen Rosmarin oder Origano wächst. Der Fokus liegt vor allem auf traditionellen afrikanischen Gemüsesorten wie Amaranth oder Schwarzer Nachtschatten. 

Das Interesse an gesundem Gemüse scheint vielversprechend: Bereits haben einige Hotels in Nairobi mit Bäuer:innen Verträge abgeschlossen, dass diese sie mit agrarökologischem Gemüse beliefern – zu einem höheren Preis. 

Zahlen und Fakten zum Projekt

Gemüsebäuerinnen und -bauern wenden nachhaltige Anbaumethoden an.
Akteur:innen vernetzen sich auf der Informationsplattform und stärken so den Markt für agrarökologisches Gemüse.

Weiteres Vorgehen: Neue Ansätze und Wissensverbreitung

Das Projekt wird in Kenia (Bezirke Kiambu und Muranga) und Tansania (Regionen Arusha und Kilimanjaro) in wichtigen Gemüseanbaugebieten umgesetzt, die von einer Vielzahl Schädlingen bedroht sind. Wir begleiten 20 sogenannten «Champion Farmers» eng bei der Anwendung der agrarökologischen Methoden. Sie testen beispielsweise auf ihren eigenen Feldern einen neu identifizierten Pilz (Endophyten Trichoderma asperellum M2RT4), der als Biopestizid die wichtigsten Krankheiten von Amaranth und anderen Gemüsesorten fernhält. Ihr Wissen geben sie an andere Gemüsebäuerinnen und -bauern weiter. Zudem leisten wir Unterstützung, etwa um die notwendigen Komponenten (wie Nützlinge oder Biopestizide) zu beschaffen. 

Zudem schulen wir Akteur:innen entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Gemüseproduktion (Unternehmer:innen, politische Entscheidungstragende etc.) zu agrarökologischen Gemüseanbau. Dazu gehört die Sensibilisierung über den Nutzen und die Verfügbarkeit von Biopestiziden oder resistenten Saatgutsorten. So wollen wir beispielsweise einen Pilz (Metarhizium anisopliae ICIPE 30) registrieren und vermarkten, der sich als sehr wirksam gegen Insektenlarven und andere Schädlinge von Amaranth erwiesen hat. Um den Austausch der relevanten Akteur:innen zu ermöglichen, bauen wir eine Informations- und Austauschplattform weiter aus. 

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Sharon Nehrenheim

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Sharon Nehrenheim
Bereichsleiterin Kommunikation & Fundraising, Mitglied der Geschäftsleitung
+41 44 512 58 13

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