Wir haben alles aufgebraucht

Von

Laura Angelstorf

Der 7. Mai markiert den diesjährigen Swiss Overshoot Day: Es ist der Tag, an dem die Schweiz mehr natürliche Ressourcen verbraucht hat, als der Planet im gesamten Jahr regenerieren kann. Das heisst: Für den Rest des Jahres leben wir auf Pump.

Würden die Menschen weltweit so leben wie wir in der Schweiz, dann wäre am 7. Mai 2025 der Punkt erreicht, wo wir alle Ressourcen aufgebraucht hätten, die unser Planet in einem Jahr regeneriert. Anders formuliert: Wir bräuchten fast drei Planeten, um unseren Lebensstil aufrechtzuerhalten.​ Diese massive Übernutzung der Ressourcen, insbesondere durch CO₂-Emissionen, übermässigen Energieverbrauch, Lebensmittelverschwendung und intensive Landwirtschaft, führt zu gravierenden Umweltproblemen wie dem Klimawandel, dem Artensterben und der Bodenzerstörung.

Der Schlüssel liegt im Ernährungssystem

Ein besonders wirksamer Hebel für einen schonenden Umgang mit unseren Ressourcen liegt im Ernährungssystem: Es macht einen Unterschied, ob wir bewusst konsumieren, nachhaltige Landwirtschaft betreiben und beides politisch und gesamtgesellschaftlich fördern.

Polentamaisernte auf dem Biohof Hintersennweid: Mit vereinten Kräften und viel Herzblut bringt das Team vergessene Getreidesorten zurück aufs Feld – und auf unsere Teller.

In der Schweiz gibt es bereits einige Projekte und Initiativen, die bewussten Konsum und nachhaltige Produktion betreiben. So organisiert sich ein Quartierladen genossenschaftlich und schafft damit eine Alternative zum Grossverteiler. Und selbst wer nicht auf Fleisch verzichten möchte, kann durch die Entscheidung, wo das Fleisch gekauft wird, den eigenen Ressourcenverbrauch beeinflussen. Denn die Tierhaltung ist ein wichtiger Bestandteil der Landschaftspflege. Organisiert in einem Agroforst, kann sie gar Biodiversität und Bodengesundheit fördern, anstatt diese zu gefährden.

Unser Leben im Übermass bekommt vor allem der globale Süden zu spüren

Dass wir den Grossteil unserer Zeit auf Pump leben, bekommen wir selbst meist wenig zu spüren. Auch bedroht es uns in der Regel nicht existentiell. Für viele Menschen in Subsahara-Afrika sieht das aber anders aus: Klimaveränderungen bringen unvorhersehbare Dürren, aber auch andere extreme Wettereignisse mit sich. Vielen Kleinbauernfamilien werden dadurch alle Lebensgrundlagen entweder weggeschwemmt oder sie verdorren vollständig.

Brachiaria ist ein vielseitiges Futtergras, das Böden schützt, die CO₂-Speicherung fördert und eine nachhaltige Weidewirtschaft unterstützt.

Biovision fördert deshalb in ihren Projekten den Einsatz von traditionellem, klimaresistentem Saatgut, unterstützt die Bäuerinnen und Bauern in nachhaltigen Anbaumethoden ohne teure und gesundheitsschädigende Chemie und setzt sich für die Erforschung nachhaltiger Anbaumethoden sowie die Verbreitung neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse ein. So diversifizieren die Bäuerinnen und Bauern ihren Anbau, ihre Ernte und schlussendlich ihr Einkommen und sichern sich und ihren Familien damit eine vielseitigere Ernährung. Dabei schützen sie zudem ihre Böden und wappnen sich für die fortschreitenden Klimaveränderungen.

#movethedate: Was wir alle tun können

Mit unseren täglichen Entscheidungen beim Einkauf, mit unserer politischen Beteiligung und dadurch, dass wir uns informieren und mit Bekannten und Verwandten ins Gespräch gehen, bewegen wir schon vieles. Im Wissen, dass wir bereits alle Ressourcen für dieses Jahr aufgebraucht haben, könnten Sie auch versuchen, nicht unnötig weitere in Anspruch zu nehmen. Hier ein paar Beispiele:

  • Geschenke machen: Werden Sie kreativ mit dem, was da ist und gestalten Sie damit ein persönliches Geschenk oder schenken Sie Zeit und Aufmerksamkeit.
  • Kleidung: Versuchen Sie, bis Ende Jahr keine neuen Kleidungsstücke zu kaufen.
  • Foodwaste reduzieren: Ein Drittel unserer Lebensmittel schmeissen wir weg. Machen Sie sich bewusst, wie viel Sie selbst wegwerfen und versuchen Sie, diesen Anteil zu reduzieren.

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