Jude Barnabas Kibwota, Gründer von Intelligent Soil
Die Sonde mit den kleinen Metallspitzen steckt Jude Barnabas Kibwota in die Erde des Blumentopfs. Kurz darauf erscheinen auf seinem Smartphone erste Messwerte: Temperatur, pH-Wert, Kalium. Kibwota übt im Büro von Rootical in Kampala, sein Unternehmen vor Geldgebenden zu präsentieren.
Der gelernte Ingenieur hat bereits mehrere Anwendungen für die Landwirtschaft entwickelt. Doch lange fehlte ihm dabei der direkte Bezug zu den Menschen: «Ich habe Sachen gebastelt, ohne wirklich zu verstehen, was die Bäuerinnen und Bauern tatsächlich brauchen.» Dann bewarb er sich bei Rootical, wurde aufgenommen und durchlief Bootcamps und Trainings zur Geschäftsentwicklung sowie ein Coaching. Und seine Herangehensweise begann sich zu ändern: Er sprach mit den Bauernfamilien, versuchte ihre konkreten Probleme und Herausforderungen besser nachzuvollziehen. Es entstanden erste Ideen und daraus Schritt für Schritt ein konkretes Produkt. «Ich musste lange tüfteln, bis das Produkt endlich den Bedürfnissen der Bauernfamilien entsprach», erzählt er.
Gewachsen ist daraus das Startup Intelligent Soil. Die Idee: Ein Messgerät, mit dem Bäuerinnen und Bauern ihre Böden besser verstehen können. Es kann gemietet oder gekauft werden. Sensoren messen die wichtigsten Werte im Boden, die Daten werden ausgewertet und in verständliche Empfehlungen übersetzt – auch mit konkreten Hinweisen zu passenden, möglichst lokalen und ökologischen Betriebsmitteln wie organischen Düngern. Besonders wichtig: Mithilfe von künstlicher Intelligenz können Ergebnisse auch in lokale Sprachen wie Acholi, Luganda oder Runyankole übersetzt werden. Noch ist vieles in Entwicklung. Doch das Ziel ist klar: ein Werkzeug, das möglichst einfach zu bedienen ist und den Bäuerinnen und Bauern hilft, bessere Entscheidungen zu treffen, die Bodenqualität zu verbessern und so Erträge stabiler zu machen.
Amos Okot, Gründer von Frutta Uganda
In einem Krankenhaus in Kampala sitzen junge Mütter mit ihren Kindern auf einfachen Holzbänken in den Gängen. «Viele der jungen Patienten sind mangelernährt, viele tragen das HIV-Virus in sich», erklärt Amos Okot, der seit März 2025 im Rootical-Programm ist. «Es fehlt zwar nicht direkt am Essen, aber am Wissen über eine gesunde und ausgewogene Ernährung.» Das will er ändern. Okot stellt gesunde Snacks vor allem für Kleinkinder und junge Mütter her. Und das aus einem Rohstoff, der in Uganda im Überfluss vorhanden ist: Mango. Während der Ernte wachsen im Land dreimal mehr Mangos, als tatsächlich konsumiert werden. Weil die in Uganda typische Mangosorte relativ weich ist, lässt sie sich nur schwer ins Ausland transportieren und verkaufen. Ein grosser Teil verdirbt.
Okot kauft mit seinem Startup Frutta Uganda überschüssige Früchte auf, verarbeitet sie zu Pulvern oder gefriergetrockneten Snacks und macht sie so länger haltbar. So wird nicht nur Food Loss reduziert, sondern auch lokal vorhandene Ressourcen werden besser genutzt; und ihre wertvollen Nährstoffe bleiben erhalten. Mangos sind reich an Vitaminen und Mineralstoffen und können das Immunsystem stärken – gerade für Kleinkinder ein wichtiger Beitrag zu einer ausgewogenen Ernährung. Aktuell arbeitet Okot in erster Linie mit Schulen, Krankenhäusern und Gesundheitszentren zusammen. «Vor allem für junge Mütter mit ihren Kindern wollen wir etwas Nahrhaftes herstellen», erzählt er. Die Produkte sollen einfach verfügbar, gesund und erschwinglich sein und dort ankommen, wo sie gebraucht werden. «Nun geht es darum, mehr und mehr fixe Abnehmerinnen und Abnehmer zu finden und die Produktion stetig zu steigern. Mangos haben wir genug in Uganda. Ich will sie clever nutzen.»
Duncan Bwengye, Gründer von Savisi
Laut donnern die Maschinen. Dampf quillt aus grossen Kesseln. Es ist heiss und stickig. In einer kleinen Verarbeitungsanlage am Rand von Kampala hocken mehrere Frauen am Boden und sortieren Erdnüsse. «Diese sind in Uganda extrem beliebt. Doch vielerorts geschieht die Verarbeitung grossteils noch von Hand. Die Arbeit ist mühsam, die Qualität der Erdnüsse schwankt. Immer wieder kommt es zu schweren Unfällen in den Fabriken», erklärt Duncan Bwengye.
Lange arbeitete der 29-Jährige in Kampala für Coca-Cola. Dort lernte er, wie effizient Produktion funktionieren kann: präzise Abläufe, klare Zuständigkeiten, kaum Fehler. «Das hat mich geprägt», erzählt Bwengye. Heute setzt er dieses Wissen mit Rootical an seiner Seite in einem anderen Umfeld ein. Er unterstützt Firmen dabei, Erdnüsse sicherer, nachhaltiger und effizienter zu verarbeiten. Und trägt so dazu bei, dass mehr von der Ernte tatsächlich genutzt werden kann. Denn oft muss ein Teil der Produktion aussortiert werden oder bringt nur geringe Qualität und Erlös. Hinzu kommen veraltete Maschinen, die viel Energie verbrauchen und hohe Betriebskosten verursachen.
Genau hier setzt seine Arbeit an. Dafür stellt er mit seinem Startup Savisi neue Maschinen zur Verfügung, organisiert Wartung und Schulungen und begleitet die Betriebe beim Aufbau besserer Abläufe. Weil sich viele Fabriken neue Maschinen nicht leisten können, setzt er oft auf ein sogenanntes Loan-to-own-Modell: Die Maschinen werden schrittweise abbezahlt. So wird die Verarbeitung verlässlicher und die Wertschöpfung bleibt eher im Land. Das stärkt lokale Kreisläufe und reduziert Verluste in der Verarbeitung. «Jetzt geht es darum, die Strukturen weiter auszubauen und mehr und mehr Firmen von meinem Modell zu überzeugen», sagt er. «So kann der ganze Erdnussmarkt Ugandas gleichzeitig nachhaltiger und effizienter werden.»