Was agrarökologische Unternehmen brauchen, um Wirkung zu entfalten

Von

Carlo Mariani

Am Weltwirtschaftsforum WEF in Davos diskutierten Fachleute an einem von Biovision organisierten Panel, wie agrarökologische Unternehmen erfolgreich wirtschaften können. Dabei bekannte sich ein hochkarätiger Gast als Agrarökologie-Fan.

Am Climate Hub Davos während des Weltwirtschaftsforum WEF brachte Biovision Akteur:innen aus Entwicklungszusammenarbeit, Impact Investing, Stiftungen und Praxis zusammen. Im Zentrum stand die Frage: Wie können agrarökologische Unternehmen vom projektfinanzierten Pilotstatus zu tragfähigen, investitionsfähigen Geschäftsmodellen wachsen?

Grundlagen von Agrarökologie und Unternehmertum

Den inhaltlichen Auftakt machte Piera Waibel, Head of International Partnerships bei Biovision. Sie ordnete Agrarökologie als umfassenden Ansatz ein: «Agrarökologie ist eine Wissenschaft, Praxis und Bewegung, die den Wandel unserer Ernährungssysteme vom Feld bis zum Teller fördert.»

Agrarökologische Unternehmen seien marktfähige Akteure. «Sie müssen einen kommerziellen Aspekt haben und die Prinzipien der Agrarökologie verkörpern – sie sind keine NGOs oder Stiftungen», so Waibel. Entscheidend sei zudem der Fokus auf lokale Ernährungssysteme, Ernährungssouveränität und -sicherheit. Unternehmen, die auf Monokulturen, reine Exportmodelle oder die Zerstörung lokaler Saatgutsysteme setzen, seien ausgeschlossen.

Mit dem Neycha Accelerator & Fund hat Biovision einen integrierten, neuartigen Ansatz geschaffen: Workshop mit agrarökologischen Unternehmer:innen in Uganda.

Von der Idee zur Investitionsfähigkeit

Anschliessend vertiefte Fabio Leippert, Co-Leiter Policy & Advocacy bei Biovision, die Frage, warum viele agrarökologische Unternehmen trotz grossem Potenzial nicht über frühe Entwicklungsphasen hinauskommen: «Kapital ist entscheidend, aber zu Beginn noch nicht ausreichend vorhanden», sagte er. Viele Unternehmen seien zu komplex, zu langsam wachsend oder aus Investorensicht zu risikoreich. Gleichzeitig fehle die passende unternehmerische Begleitung oder ein förderliches politisches Umfeld.

Mit dem Neycha Accelerator & Fund hat Biovision einen integrierten, neuartigen Ansatz geschaffen: Ein Finanzierungsvehikel, das in Kenia und Uganda diese Finanzierungslücke gezielt schliesst. Über 4 Millionen Franken wurden investiert, um Kapital, unternehmerische Begleitung und Vernetzung systematisch bereitzustellen. Ziel ist es, agrarökologische Unternehmen bereit für Investitionen zu machen und ihnen Zugang zu rückzahlbarem Kapital zu schaffen.

Einkommen für Bäuerinnen und Bauern

Bevor die Diskussion auf dem Podium begann, brachte ein Video-Input die Perspektive aus der Praxis nach Davos. Joachim Ewechu von Shona, welche Neycha für Biovision implementiert, wurde zugeschaltet und betonte die zentrale Rolle agrarökologischer Unternehmen für den Systemwandel: «Agrarökologische Unternehmen sind der wirtschaftliche Motor, der für das Wachstum und die Aufrechterhaltung dieses Wandels erforderlich ist.» Sie ermöglichten Bäuerinnen und Bauern ein Einkommen, Marktzugang und Anreize für agrarökologische Produktion.

«Stabile, vorhersehbare Geldflüsse und Einnahmen – nicht nur Fördermittel – machen Unternehmen investitionswürdig»; Das Panel mit Stefanie Pondini, Tanja Havemann, Patrick Elmer, Stefan Kappeler und Fabio Leippert (v. l.).

Was braucht es für Wachstum?

Auf dem Podium ging es anschliessend um die Frage, welche Brücken es braucht, um agrarökologische Unternehmen aus der Abhängigkeit von Zuschüssen zu nachhaltigem Wachstum zu führen. Tanja Havemann, Co-Founder und CEO von Clarmondial, machte klar: «Stabile, vorhersehbare Geldflüsse und Einnahmen – nicht nur Fördermittel – machen Unternehmen investitionswürdig.» Vertrauen, langfristige Kundenbeziehungen und funktionierende Wertschöpfungsketten seien zentrale Voraussetzungen für Finanzierung.

Patrick Elmer, Founder und CEO von iGravity, rückte die Unternehmer:innen selbst ins Zentrum: «Der wichtigste Hebel ist die Denkweise des Unternehmers: Der Wechsel von einem projektbezogenem Ansatz zu einer unternehmerischen Denkweise, die sich auf zahlungswillige Kunden konzentriert.» Neben Kapital brauche es Geduld und intensive Begleitung.

Dass Geld allein nicht ausreiche, unterstrich auch Stefan Kappeler, Partner und COO der Elea Foundation: «Geld braucht es natürlich, aber Know-how ist genauso entscheidend.» Viele agrarökologische Übergänge erforderten Zeit, etwa damit sich der Boden erholen könne, und darum langfristig orientiertes, «geduldiges» Kapital.

«Ich bin ein grosser Fan der Agrarökologie. Sie ist eine der Antworten für nachhaltige Lebensmittelsysteme»; Christian Frutiger, Vizedirektor der DEZA.
«Ich bin ein grosser Fan der Agrarökologie. Sie ist eine der Antworten für nachhaltige Lebensmittelsysteme»; Christian Frutiger, Vizedirektor der DEZA.

Joachim Ewechu von Shona brachte es auf den Punkt: «Wenn Politik, Konsum und Markt, Kapital und unternehmerisches Engagement aufeinander abgestimmt sind, werden agroökologische Unternehmen florieren und Agrarökologie zur Norm werden.» Entscheidend sei also nicht ein einzelnes Instrument, sondern das Zusammenspiel von Kapital, politischen Rahmenbedingungen, Marktanreizen und unternehmerischer Umsetzung; genau jenes Zusammenspiel, das Programme wie der Neycha Accelerator & Fund systematisch zu stärken versuchen.

Öffentliche Perspektive und politischer Rahmen

Zum Abschluss trug Christian Frutiger, Vizedirektor der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), seine Sicht aus Perspektive der öffentlichen Hand bei. Angesichts sinkender staatlicher Gelder müsse man die internationale Zusammenarbeit neu denken: «Die Entwicklungszusammenarbeit muss als Katalysator für einen systemischen Wandel wirken.» Zugleich machte Frutiger deutlich: «Ich bin ein grosser Fan der Agrarökologie. Sie ist eine der Antworten für nachhaltige Lebensmittelsysteme.»

Keine Patentlösung, aber gemeinsame Verantwortung

Am Ende des Panels wurde klar: Es gibt keine Patentlösung. Die Skalierung agrarökologischer Unternehmen erfordert Partnerschaften, Lernbereitschaft und den Mut, bestehende Finanzierungs- und Fördersysteme weiterzudenken. Oder wie es Stefanie Pondini, Co-Leiterin Policy & Advocacy bei Biovision, zusammenfasste: «Es gibt keine Einzellösung, aber eine gemeinsame Verantwortung.»

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