Wenn Schnecken nicht mehr das Einkommen wegfressen

Von

Laura Angelstorf, Biovision.

In Ruanda hat Biovision vor rund einem Jahr agrarökologische Unternehmerinnen aus Ostafrika prämiert. Die Gewinnerin Never Mwambela setzte ihr Preisgeld ein, um ihr Mittel gegen eine invasive Schneckenart zu testen. Die Ergebnisse sind vielversprechend und könnten für Tausende von Kaffeebauernfamilien einen entscheidenden Unterschied machen.

Schnecken so weit das Auge reicht. Überall hängen sie in den Blättern der Kaffeepflanzen, grösser noch als die eigentlichen Früchte. Und nicht nur sie sind für die betroffenen Bauernfamilien eine existenzbedrohende Plage. Auch der Kaffeebohrer frisst sich genüsslich satt an den Kaffeekirschen.

Zum Schutz ihrer Pflanzen verwenden Bäuerinnen und Bauern überteuerte Spritzmittel, die gesundheits- und umweltschädlich sind. Teilweise kommen sogar Mittel zum Einsatz, die in Europa verboten sind. Dr. Never Mwambela, Gründerin von Plant Biodefenders, stört sich schon lange an diesem Vorgehen: «Es fehlt an Wissen und natürlichen Alternativen», sagt sie. Das war ihr Antrieb, ein eigenes natürliches Schädlingsbekämpfungsmittel zu entwickeln: Vuruga beruht auf Pilzsporen, ist preisgünstig und verträglich für Mensch und Umwelt. Und das Mittel wirkt nachweislich auch gegen Herbst-Heerwürmer, die ganze Maisernten bedrohen.

Existenzbedrohende Plage: Schnecken, grösser als die eigentlichen Kaffeekirschen selbst.

Schulungen vor Ort

Im Dezember 2024 hat Biovision die Wissenschaftlerin und Unternehmerin für ihr Produkt und ihren Ansatz ausgezeichnet. Sie gewann den 1. Preis des Agroecological Food Futures Prize, den wir in Ruandas Hauptstadt Kigali an agrarökologische Unternehmerinnen und Unternehmer aus Ostafrika verliehen. Das Preisgeld verhalf Mwambela gleich zu mehreren Schritten: Einerseits konnte sie die Produktion von Vuruga um 50 % steigern und die Studie finanzieren, die sie für die offizielle Zulassung ihres Biopestizids für den Einsatz an der Kaffeepflanze benötigt. Andererseits führte Mwambela mit ihrem Team dank dem Preisgeld auch ein Schulungsprogramm in natürlicher Schädlingsbekämpfung mit knapp 800 Teilnehmenden durch. Dafür gingen sie zu den Bäuerinnen und Bauern
in teils abgelegene Anbaugebiete, schulten sie und bildeten Wissensträger:innen aus. Diese sogenannten Agents sind Ansprechpersonen für die Anliegen der Bäuerinnen und Bauern. Auch die neu aufgebauten Verteilzentren sorgen dafür, dass Unterstützung und Hilfsmittel in Reichweite der Bauernfamilien sind. Ausserdem besuchten Mwambela und ihr Team lokale Bauernmärkte und Landwirtschaftstage, um möglichst viele Personen über die pflanzliche Alternative zu chemischen Spritzmitteln zu informieren.

«Pro Pflanze vier statt drei Kilo Kaffee ernten»; Schulung in natürlicher Schädlingsbekämpfung.

Kaffee kann Leben verbessern

Kaffee ist ein sogenannter Cash-Crop, eine Kulturpflanze, deren Früchte stark nachgefragt werden, grösstenteils in den Export gehen und damit den Bauernfamilien Einkommen sichern. Kaffee spielt deshalb eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, Lebensbedingungen zu verbessern. Für die Bäuerinnen und Bauern ist es von grosser Bedeutung, nicht nur ihre Ernten im eigenen Garten zu sichern, sondern auch jene der Exportprodukte. Die Bäuerinnen und Bauern, mit denen Mwambela und ihr Team letztes Jahr zusammengearbeitet haben, konnten innerhalb einer Anbausaison beeindruckende Verbesserungen erzielen. «Wir haben erreicht, dass die Bäuerinnen und Bauern pro Pflanze vier statt drei Kilo Kaffee ernten können. Ausserdem müssen sie dank unseres Mittels nur noch halb so oft spritzen und entsprechend weniger ausgeben», meint Mwambela. Durch die erhöhte Produktivität und die geringeren Kosten, konnten die Bäuerinnen und Bauern ihr Einkommen um 25–35 % steigern. Zudem leisten sie einen aktiven Beitrag zum Schutz ihrer Gesundheit und der Umwelt.

Porträt über Never Mwambela, CEO Plant Biodefenders, und wie sie mit pflanzlichen Mitteln einen Beitrag zu mehr Wohlergehen und Umweltschutz leisten will.

Never Mwambela beweist, dass sie nicht nur als Wissenschaftlerin über viel Weitsicht verfügt und ein gutes Gespür hat, sondern auch als Unternehmerin. Wirkung des Preisgelds um ein Vielfaches. Am meisten davon profitierten die 800 Kaffeebauernfamilien in Tansania, die bisher von ihr geschult wurden. Mit natürlicher Schädlingsbekämpfung machen sie nun Schnecken, Kaffeebohrern und anderen Schädlingen den Garaus.

Aktiver Beitrag zum Schutz der Gesundheit und der Umwelt: Never Mwambela (3. von rechts) begutachtet die Wirkung ihres Biopestizids auf dem Feld.

Mehr Informationen über Plant Biodefenders (auf Englisch) : hier

Dieses Projekt wird von der Deza unterstützt.

Weitere Beiträge

Landwirtschaft

Wie Lupinen Mut zum Risiko fördern

Der Anbau von Lupinen birgt in der Schweiz einige Risiken. Beatrice Peter und Jorge Vásquez zeigen auf ihrem Grüthof im Zürcher Weinland, wie sich daraus neue Chancen ergeben: Sie verarbeiten die Lupinen zu Kaffee und schaffen so zusätzliche Wertschöpfung.
Landwirtschaft, Über uns

Wie neue Projekte bei Biovision entstehen

Hinter jedem Projekt von Biovision steht ein sorgfältiger Entwicklungsprozess. Neue Projekte entstehen nicht zufällig, sondern dort, wo eine konkrete Herausforderung im Ernährungssystem besteht und agrarökologische Ansätze das Potenzial haben, langfristig etwas zu verändern.
Landwirtschaft, Politik

Sparen bei der Prävention kommt teuer zu stehen

Die Schweiz kürzt die Mittel für die internationale Zusammenarbeit drastisch. Und das in einer Zeit wachsender globaler Krisen. Für Anders Gautschi, Geschäftsführer von Biovision, ein strategischer Fehler. Im Interview erklärt er, weshalb langfristige internationale Partnerschaften entscheidend sind, um Krisen vorzubeugen und Stabilität zu schaffen.
Konsum, Landwirtschaft

Boden erleben, hören und begreifen

Die Bodenaktionstage lassen Besucher:innen in der ganzen Schweiz hören, fühlen und entdecken, was unter unseren Füssen lebt. Mit Bodenhören, Lupinen-Degustation und Mitmachposten wird Boden mit allen Sinnen erlebbar.