Pilze – wahre Wunderwesen!

Von

Franziska Fischer (Text)

Pilze im Frühling? Ja! Feine Morcheln haben jetzt Saison. Darüber hinaus sind Zuchtpilze rund ums Jahr verfügbar. Dabei lohnt sich allerdings ein genauer Blick auf die Anbauweise der verschiedenen Sorten.

Pilze sind wahre Wunderwesen. Sie sind weder Pflanze noch Tier, sondern gehören in ein eigenes Reich der Lebewesen. Als Zersetzer, sogenannte Destruenten, tragen sie eine sehr wichtige ökologische Funktion. Der grösste Teil ihres Lebens spielt sich im für uns Verborgenen ab: Ein grosses Geflecht aus Pilzfäden – das Mycel – kann sich im Boden mehrere hundert Meter ausdehnen. Nur zwischendurch lassen die Pilze uns mit ihren Fruchtkörpern einen Einblick in Ihr Wesen erhaschen.  

Im Wald gehen viele Pilze eine Symbiose mit Bäumen ein: Der Baum spendet Zucker und Proteine, im Gegenzug liefert der Pilz Wasser und Nährstoffe aus dem Boden. Speise-Morcheln beispielsweise leben in symbiotischer Beziehung mit Laubbäumen wie etwa Eschen. Die Fruchtkörper, welche wir als Speisepilze ernten, sind reich an lebenswichtigen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen. 

Auch in der Landwirtschaft spielen Pilze eine zunehmend wichtigere Rolle, da sie relativ ressourcenschonend angebaut werden können und landwirtschaftlichen Betrieben eine zusätzliche Einkommensquelle bieten. Nebst den bekannten Champignons werden inzwischen vermehrt Austernpilze, Shiitake und Kräuterseitlinge angebaut. Diese Entwicklung ist aus Nachhaltigkeitssicht zu begrüssen (siehe Box). Übrigens: Viele Pilzarten lassen sich auch zu Hause selber ziehen – probieren Sie es aus! 

Aufgepasst beim Zuchtpilzkauf: Champignons wachsen in Pferdemist-Kompost-Substraten, die mit einer Schicht Torferde abgedeckt werden. Da Torf aus Moorgebieten abgebaut wird, entstehen dadurch negative Umweltauswirkungen, insbesondere Biodiversitätsverlust und CO2Freisetzung. Davor sind auch Bio-Champignons nicht gefeit. Eine nachhaltige Zuchtpilzalternative sind Kräuterseitlinge, die ursprünglich aus dem mediterranen Raum stammen: Sie wachsen auf Totholz und schneiden sehr viel nachhaltiger ab.

Rezept-Tipp von Franziska

Biovision_Franziska_Fischer_neu
Kräuterseitlinge aus dem Ofen auf Tessiner Polenta. Dünsten Sie den fein gehackten Knoblauch zusammen mit italienischen Kräutern in Olivenöl kurz an. Mischen Sie die geviertelten Kräuterseitlinge zusammen mit ein wenig gehackten Tomaten sowie Salz und Pfeffer darunter, bevor Sie alles zusammen in der Mitte des Ofens bei 220 Grad etwa 20 Minuten backen. Auf der inzwischen zubereiteten Polenta anrichten und servieren. 
Franziska Fischer, Projektleiterin Sensibilisierung Schweiz

Zahlen und Fakten

Ein Hallimaschpilz im Nationalpark gilt mit seinen rund
0 m
Durchmesser als grösstes Lebewesen der Schweiz.
Kräuterseitlinge enthalten
0 g
Eiweiss pro 100g und sind reich an B-Vitaminen wie Niacin, Biotin und Folsäure.
Durch Trocknen an der Sonne kann Vitamin D im Pilz gespeichert werden.
Pilzmycel ist drauf und dran, ein nachhaltiger kreislauffähiger Baustoff zu werden.

Weitere Beiträge

Landwirtschaft

Superfood aus dem Thurgau

Die Lupine wurde von Biovision zum Superfood des Jahres gekürt. Zu den wenigen Mühlen in der Schweiz, die Lupinen verarbeiten, gehört die Tiefenmühle in Herdern TG. Wo jahrzehntelang Stille herrschte, setzt Marc Nyffenegger heute auf Fingerspitzengefühl, Qualität und Erfahrung.
Landwirtschaft

Das lernende System im Zürcher Weinland

Der Grüthof in Wildensbuch ZH zeichnet sich durch seine Vielfalt aus. Dabei zeigt sich die Freude von Beatrice Peter und Jorge Vásquez am Experimentieren.
Landwirtschaft, Märkte

Das Wir gewinnt

Intensiver Tabakanbau war im Norden Malawis lange eine der wenigen Möglichkeiten, um zu Geld zu kommen. Monica Ngoma geht gemeinsam mit ihrem Mann und anderen jungen Bäuerinnen und Bauern einen neuen Weg: Zusammenarbeit, agrarökologische Methoden und lokale Wertschöpfung statt Abhängigkeit von Chemie, Tabak und der Willkür des Weltmarkts.
Politik

Wenn Energiekrisen das Ernährungssystem treffen

Die aktuellen Spannungen im Nahen Osten rücken Öl- und Energiemärkte in den Fokus. Doch auch das globale Ernährungssystem kann dadurch unter Druck geraten. Charlotte Pavageau von Biovision ordnet ein, warum das ausgerechnet die ärmsten Haushalte besonders hart treffen würde.