Kleinbauern auf der Überholspur

Von

Peter Lüthi, Biovision

Jona Mutasa und Rosewiter Chikupe gelten unter den Kleinbauern Simbabwes als Helden. Dank ihnen erlernten bereits Tausende die ökologische Anbaumethode Push-Pull gegen gefürchtete Schädlinge im Mais.

Die Erfolgsgeschichte beginnt im Jahr 2006 im südlichen Masvingo-Distrikt in Simbabwe. Kleinbauer Jona Mutasa liest in einer Zeitschrift, dass mit einer biologischen Methode namens Push-Pull in Kenia gleichzeitig die Larven der Stängelbohrermotte und das gefürchtete Striga-Unkraut erfolgreich bekämpft werden können. Für Jona Mutasa ist die Nachricht eine Offenbarung, leidet er doch seit Jahren unter massiven Ertragsverlusten. Der umtriebige Kleinbauer aus Makuwe Village beschafft sich die Adresse des Entwicklers der Push-Pull-Methode, Prof. Zeyaur Khan vom icipe* aus Kenia, und bittet ihn um eine detaillierte Arbeitsanleitung sowie um Samen der Hilfspflanzen Desmodium und Elefantengras, Schlüsselelemente der Methode.

Alles begann mit einer Handvoll Samen

Prof. Khan schickt Jona Mutasa Push-Pull Manuals, darf jedoch ohne behördliche Bewilligung keine Samen senden. Der unermüdliche Kleinbauer geht darauf die Universität in der simbabwischen Haupstadt Harare um Unterstützung an. Sein Ruf wird gehört: Bald hält er je eine Handvoll der gesuchten Samen in den Händen. Rosewiter Chikupe und Jona Mutasa starten gemeinsam eine Samenzucht für Desmodium und Elefantengras. Mit einem Teil der ersten Ernte legen sie ein Push-Pull-Feld von 50 mal 50 Metern an, mit dem Rest züchten sie weiter. Ihr Pioniergeist wird belohnt: Verglichen mit den traditionell bewirtschafteten Feldern wird der Push-Pull-Acker viel weniger von Schädlingen heimgesucht. Entsprechend prächtig gedeihen hier die Maiskolben. Das bemerken auch die Nachbarn. Rosewiter und Jona zögern nicht, sie in die Push-PullMethode einzuführen und mit Samen der Hilfspflanzen zu versorgen. «Seit meiner Kindheit sehe ich, wie die Menschen hier unter den Ernteverlusten aufgrund dieser Schädlinge und ausgelaugter Böden leiden», sagt der Push-Pull-Pionier. «Darum geben wir alles, um diese Probleme zu lösen und das Leben der Menschen hier verbessern zu können.»

Ein Reisebericht über die Entwicklung von Push-Pull in Simbabwe.

Trockenheiten und Samenmangel überwinden

Die Erfolge mit der Push-Pull-Methode sprachen sich unter den Kleinbauern in Simbabwe schnell herum. Allein Jona Mutasa erteilte nach eigenen Angaben Tausende von Kursen im ganzen Land. Der Einsatz des Bauernpaars zur Verbreitung der Push-Pull-Methode wurde einzig durch die mangelnde Verfügbarkeit keimfähiger Desmodium-Samen und durch extreme Trockenheiten gebremst. Deshalb kann heute bloss rund ein Fünftel der ausgebildeten Personen die Methode wirklich anwenden. Diese Probleme wurden inzwischen mithilfe von Biovision, icipe und den Behörden aktiv angegangen. Einerseits werden im Land trockenheitsresistentere Hilfspflanzenarten verbreitet, andererseits ist mit «Mukushi Seeds» aus Harare ein kommerzielles Unternehmen für die Produktion und den Vertrieb hochwertiger Samen an Bord gekommen. Die Chancen stehen also gut, dass das Bauernpaar und mit ihnen viele andere Kleinbauern Simbabwes auf der Überholspur bleiben.

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