Die nächste Ernte ist jetzt umso wichtiger

Von

Andreas Sicks, ehem. Bereichsleiter Entwicklungspojekte und Martin Grossenbacher, Informationsbeauftragter

Nach der Bekanntgabe des «Lockdown» durch den Bundesrat am 16. März hat Biovision zügig den vorbereiteten Pandemieplan umgesetzt. Seitdem arbeiten über 90% der Mitarbeitenden im Homeoffice, der Betrieb läuft trotz Hindernissen weiter. Wie sieht es aber bei unseren Projektpartnern in Subsahara-Afrika aus?
Bild: Patrick Rohr
Bild: Patrick Rohr

Als der Bundesrat wegen der Corona-Krise vor drei Wochen den «Lockdown» beschlossen hat, konnten wir uns alle noch nicht vorstellen, was das für Biovision und die Mitarbeitenden bedeuten würde. Bereits seit mehreren Tagen war im Sekretariat die Stimmung spürbar anders: gedämpfter, nervöser, unsicher. Dank einem vorbereiteten Pandemieplan, intensiver Kommunikation nach innen und aussen und einer ausgezeichneten Infrastruktur organisierten wir rasch den Betrieb neu und passten uns den geänderten Umständen an: Absage von Treffen und Veranstaltungen, Streichen von Besuchen in den Projektländern, Neuorganisation von Abläufen und Einrichten von Homeoffice, etc. Wir dürfen uns hierzulande alle glücklich schätzen, dass wir uns weiterhin auf unser Gesundheitssystem verlassen können und dank der funktionierenden Versorgung mit Lebensmitteln auch nicht hungern müssen. Aber…

…was bedeutet Corona für Afrika?

Die Mitarbeitenden des Teams Entwicklungsprojekte verfolgen intensiv via Medien und Internet seit Anfang März die Corona-Situation in unseren Projektländern. Unsere wichtigsten Ansprechpersonen sind aber unsere Projektpartner vor Ort. Biovision beschäftigt selber keine Mitarbeitenden in den Projektländern. Die Umsetzung der Projekte erfolgt durch Mitarbeitende bei lokalen Partnerorganisationen und teilweise auch durch Freiwillige in Dorfgemeinschaften. Jetzt ist das Coronavirus mit ungefähr zwei bis drei Wochen Verzögerung gegenüber der Schweiz auch in Subsahara-Afrika angekommen. Die Behörden reagieren auf ähnliche Weise wie bei uns: mit Reise- und Versammlungsverboten, Ausgangssperren, Vorschriften zur Hygiene und Social Distancing, etc. (Vgl. Artikel in der FAZ vom 6.4.2020)

Trotz «Lockdown»: Das Leben geht weiter

Gegenwärtig sind unsere Partner vor allem damit beschäftigt, ihre Arbeit neu zu organisieren und den Betrieb so gut wie möglich aufrecht zu erhalten. Mit der Regenzeit von Anfang März hat jetzt überall auch die Phase des Anbaus auf den Feldern begonnen. Die nächste Ernte ist jetzt besonders wichtig! Im Skype-Interview mit Biovision erklärt Alex Wostry, Gründer und Betriebsleiter, wie sich Sustainable Agriculture Tanzania (SAT) vorbereitet und die Kleinbauernfamilien in der Region Morogoro trotz Corona-Krise weiter unterstützt.

«Farmer Communication Programme» on Air zu Covid-19

Die Verantwortlichen des «Farmer Communication Programme (FCP)» unserer Schwesterorganisation Biovision Africa Trust (BvAT) in Kenia haben ebenfalls rasch reagiert. Sie änderten Inhalte und Programme für ihre Kanäle und informieren jetzt die Bevölkerung zusätzlich, wie sie sich vor dem Coronavirus schützen können. Zum Beispiel in der Radiosendung «The Organic Farmer», die auch Menschen in abgelegenen Regionen direkt in ihrer Muttersprache erreicht oder in den regionalen Informationszentren, wo Besuchende über Schutzmassnahmen aufgeklärt werden. Auch die im Rahmen des FCP auf Kisuaheli in Tansania erscheinende Bauernzeitung «Mkulina Mbunifu» hat kurzfristig Titelseite und Inhalte angepasst (s. Bild oben). Informationen zu Covid-19 und Schutzmassnahmen für die Gesundheit sind aber auch online auf der bekannten und rege genutzten Informationsplattform Infonet-Biovision.org abrufbar.

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