Alle Medienmitteilungen

Auf dieser Seite finden Sie alle unsere Medienmitteilungen seit 2018. Die Expertinnen und Experten von Biovision geben regelmässig gegenüber Medien Auskunft über die Agrarökologie als Weg zu einem nachhaltigen Ernährungssystem und nehmen Stellung zu brennenden Zeitfragen.   

Pfadis erhalten am Bula CLEVERE Infos zu nachhaltigem Konsum

Wer in der Pfadi war erinnert sich: Draussen in der Natur wurde uns gezeigt, wie wir mit rücksichtsvollem Verhalten Sorge für die Umwelt tragen und sie so schützen können. In unserem Alltag können wir das mit bewusst nachhaltigem Konsumieren ebenfalls tun. Vom 23. Juli bis 6. August sensibilisiert deshalb «CLEVER – Nachhaltig konsumieren» mit einer Ausstellung am Pfadi-Bundeslager «mova» im Obergoms die Pfadis.

Pfadi-Jugend als Vorbild für die Ernährung der Zukunft

Ökologisch und fair essen gewinnt an Bedeutung – nicht nur bei der Klimajugend. Der aktuelle Bericht vom Bundesrat zur Ernährungspolitik nimmt auch die Konsumentinnen und Konsumenten in die Pflicht. Sie sollen informiert sein über Produktionsmethoden und Bescheid wissen, wie sich diese auf das Klima oder das Wohl der Tiere auswirken. Auch sollen sie auf gesunde Ernährung achten und keine noch geniessbaren Lebensmittel wegwerfen. In der CLEVER-Ausstellung erfahren also die Pfadis während zwei Wochen bei einem spielerischen Erlebnis, wie sie bewusst und nachhaltig einkaufen können. Nach einem Einkauf im nachgebauten Supermarkt werden die konkreten Auswirkungen der Kaufentscheide auf Mensch und Umwelt präsentiert. Denn die billigsten Produkte sind oft schädlich für die Gesundheit der Menschen, der Tiere und der Umwelt und verursachen hohe Kosten, die von der Allgemeinheit bezahlt werden müssen.

Wo, was, wie, wann?

Die CLEVER-Ausstellung im Zelt befindet sich im «Cumün mundiel 2» bei Ulrichen. Die jugendlichen CLEVER-Expert:innen führen die Gruppen von jeweils 20 – 30 Jungen und Mädchen zwischen 6 und 17 Jahren jeweils morgens und nachmittags durch die Ausstellung. Montags bis mittwochs finden die Führungen auf Französisch, donnerstags bis samstags auf Deutsch statt.

Infos für Ihren Besuch

  • CLEVER-Zelt mit anderen Aussteller:innen im «Cumün mundiel 2» bei Ulrichen
  • 4-Mal täglich Führungen
  • Montag bis Mittwoch Führungen auf Französisch
  • Donnerstag bis Samstag Führungen auf Deutsch
  • Informationen für Medienschaffende auf der Webseite des Bula «mova» (Akkreditierung notwendig!)

 

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Zu langsam für die Nachhaltigkeitsziele: 1:16 kurz vor Halbzeit

Heute präsentiert die Schweiz der UNO den Länderbericht des Bundesrats zur Umsetzung der Agenda 2030. Was dieser nicht zeigt: Das Tempo ist zu langsam, um die Ziele zu erreichen. Um besser voranzukommen, müssen Bund und Politik eine starke Führungsrolle übernehmen.

In einzelnen Bereichen gibt es Fortschritte, insgesamt aber auch grosse Schwierigkeiten bei der Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs, auch Global Goals genannt). Dies ist dem Länderbericht der Schweiz zur Agenda 2030 zu entnehmen, den der Bund heute in New York der UNO präsentiert.

Eine zentrale Frage bleibt im Bericht offen: Erfolgen die erwähnten Fortschritte rasch genug? Eine Antwort darauf findet sich im kürzlich publizierten «Sustainable Development Report 2022» von UN SDSN. Dort wird deutlich: Wenn es im aktuellen Tempo weitergeht, erreichen wir bis 2030 gerade mal eines der 17 UN-Nachhaltigkeitsziele. Bei der bezahlbaren sauberen Energie sind wir auf Kurs. Bei diversen anderen Nachhaltigkeitszielen gibt es zwar Aufwärtstrends, aber diese sind nicht stark genug, um die Ziele zu erreichen.

In verschiedenen zur Erreichung der Ziele kritischen Bereichen läuft die Tendenz sogar in die falsche Richtung. So basiert das inländische Konsumverhalten gemäss dem Länderbericht des Bundesrats auf einem hohen Ressourcenverbrauch und hat negative Auswirkungen auf Mensch und Umwelt in anderen Ländern. Auch im Inland selbst zeigen sich Probleme. So hat die Armutsquote der Schweiz seit 2014 zugenommen. Im Jahr 2020 lebten 722’000 Personen unter der Armutsgrenze – und dies in einem der reichsten Länder der Welt. Dies gefährdet den sozialen Zusammenhalt, der wiederum ausschlaggebend für Lösungsfindungen sein kann, zum Beispiel beim Klimaschutz.

«Existenzgrundlage für die Menschen und die Wirtschaftsleistung gefährdet»

Auch der Schwund der Biodiversität geht weiter. Mehr als ein Drittel der Tier- und Pflanzenarten und fast die Hälfte der Lebensräume in unserem Land sind laut dem Länderbericht bedroht. «Der fortschreitende Verlust der Biodiversität gefährdet die Existenzgrundlage für die Menschen und die Wirtschaftsleistung weltweit, so auch in der Schweiz», hält der Bund fest.

Diese Aussage zeigt, wie dringlich die Agenda 2030 ist, die 2015 von den Mitgliedern der UNO inklusive Schweiz verabschiedet wurde. Sie zeigt aber auch, dass nachhaltige Entwicklung nicht nur Kosten generiert, sondern auch der Wirtschaft zugutekommen kann. Doch was braucht es, um auf diesem Weg rascher voranzukommen? Bruno Oberle, Generaldirektor des Weltnaturschutzbunds IUCN und Mitglied des Leadership Council von SDSN Schweiz, sagt: «Die grossen globalen Probleme – so die Hungerkrisen, die schwindende Biodiversität und der Klimawandel – hängen zusammen. Um effizient voranzukommen, müssen wir die Agenda 2030 als Gesamtes betrachten und Synergien zwischen den einzelnen Zielen und Unterzielen stärker nutzen, statt nur in einzelnen Bereichen aktiv zu sein.»

Welche Wechselwirkungen zwischen den Nachhaltigkeitszielen spielen, hat das Zentrum für Nachhaltige Entwicklung und Umwelt (CDE) der Universität Bern mit Bezug auf den Länderbericht analysiert. Bei den für die Schweiz prioritären Unterzielen fanden sich nebst einigen Zielkonflikten vor allem zahlreiche potenzielle Synergien. So trägt beispielsweise eine Verringerung der Lebensmittelverschwendung dazu bei, dass unser Ressourcenverbrauch sinkt, sie wirkt sich aber auch positiv auf die Wasser- und Bodenqualität und damit die Biodiversität aus und bremst den Klimawandel.

Um solche Synergien optimal zu nutzen, müssen betroffene Kreise und Interessensgruppen gemeinsam Lösungen suchen und gezielt aushandeln. Hierfür bräuchte es aber eine stärkere Führungsrolle seitens Bund und Politik, nur so kann mit den zur Verfügung stehenden Mitteln der grösste Effekt erzielt werden. In diesem Sinne hat SDSN Schweiz im vergangenen Jahr bereits die Gründung der überparteilichen parlamentarischen Gruppe Nachhaltigkeitsziele 2030 unterstützt.

Starke negative Auswirkungen auf andere Länder

Wichtig ist auch, dass das Augenmerk vermehrt auf die Auswirkungen ausserhalb der Landesgrenzen gelegt wird. Dabei darf die globale Rolle der Schweiz nicht unterschätzt werden. Im Sustainable Development Report steht die Schweiz zwar mit dem achten Platz im SDG Index auf den ersten Blick gut da. Doch bezüglich der Spillover-Effekte (negative Auswirkungen auf die nachhaltige Entwicklung anderer Länder) ergibt sich ein anderes Bild: Die Schweiz belegt Rang 157 von 163, sie ist also in dieser Hinsicht das siebtschlechteste der beurteilten Länder.

«Oft heisst es, die Schweiz sei zu klein, um viel zu bewegen», sagt Carole Küng, Co-Direktorin von SDSN Schweiz. «Das stimmt nicht. Aufgrund der Auswirkungen unseres Konsums aufs Ausland, aber auch als Finanz- und Handelsplatz haben wir einen grossen Einfluss. Die Schweiz kann und soll eine Führungsrolle in der globalen Verantwortung übernehmen.»

 

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Erfolgreicher Auftakt des Schweizer Bürger:innenrats für Ernährungspolitik

Der Schweizer Bürger:innenrat für Ernährungspolitik hat am Wochenende seine Arbeit aufgenommen. Zum ersten Mal diskutieren Bürger:innen aus allen Teilen des Landes, wie aus ihrer Sicht ein nachhaltiges Ernährungssystem für die Schweiz aussehen könnte. Die Empfehlungen des Bürger:innenrats liegen bis Ende Jahr vor und werden anschliessend der Politik übergeben.

Die nach repräsentativen Kriterien ausgewählten Mitglieder des Bürger:innenrats kommen aus allen Landesteilen und sind zwischen 20 und 79 Jahre alt. Von Sympathisant:innen der SVP bis zu den Grünen nahestehenden Personen hin zu politisch Nichtinteressierten sind alle vertreten. Die Interessent:innen wurden vom Sozial- und Marktforschungsinstitut DemoSCOPE nach einem Zufallsverfahren gesucht und die 85 Teilnehmenden schliesslich per Los ausgewählt. «Wir konnten Bürger:innen von überall aus dem Land gewinnen, die nun zusammen eine möglichst repräsentative Abbildung der Schweizer Wohnbevölkerung darstellen. Damit bietet sich jetzt die Chance neue Impulse für eine Schweizer Ernährungspolitik zu entwickeln», erklärt Daniel Langmeier, Projektleiter des Bürger:innenrats von der Stiftung Biovision.

Das Auftaktwochenende brachte Akteur:innen des Ernährungssystem mit dem Bürger:innenrat an einen Tisch. Die Teilnehmenden erhielten etwa von Politikwissenschaftler Dr. Lukas Fesenfeld (Universität Bern & ETH Zürich) einen Überblick aus wissenschaftlicher Sicht sowie Inputs von verschiedenen Interessensvertreter:innen, wie etwa dem Schweizerischen Bauernverband, der IG Detailhandel oder der Umweltallianz (vollständige Liste im Anhang). Das Interesse und die Motivation der Mitglieder des ersten Schweizer Bürger:innenrats für Ernährungspolitik, sich auszutauschen und einzubringen ist gross: «Ich bin gespannt und freue mich sehr am ersten Bürger:innenrat der Schweiz teilzunehmen, die anderen 84 Personen und ihre verschiedenen Ansichten über die Zukunft unseres Ernährungssystem kennenzulernen», sagt beispielsweise Ruth Zurbrügg (55), Hausfrau und zweifache Mutter aus Sumiswald (BE).

Digitale Sitzungen, physische Treffen und Lernausflüge

Dem Auftaktwochenende in Olten folgen acht digitale Sitzungen. In Kleingruppen werden konkrete Herausforderungen unseres Ernährungssystems beleuchtet. Dazu werden fünf Themen behandelt: Umwelt, Soziales, Gesundheit, Wirtschaft und Produktion. Die Mitglieder des Bürger:innenrats haben im Sommer zudem die Möglichkeit spannende Praxisbeispiele in Form von Lernausflügen zu besuchen.

Bei den Lernausflügen erhalten die Teilnehmenden an Beispielen konkretes praktisches Wissen zu nachhaltigen Ernährungssystemen von Produktion über Verarbeitung bis Verkauf. Dabei wird Wert auf Ausgewogenheit gelegt: Unterschiedliche Anbausysteme, von konventionell bis biologisch, werden genauso berücksichtigt wie verschiedene Regionen, beispielsweise Berg oder Tal. Ihre Erfahrungen und Erkenntnisse bringen die Bürger:innen dann in die Diskussionen im Rat ein.

Das zweite physische Treffen des Bürger:innenrats findet am 1. Oktober 2022 in Lausanne statt, bevor er sich zum Abschlusswochenende am 5./6. November in Zürich trifft. Dort werden die Empfehlungen finalisiert und im Plenum wird darüber abgestimmt. Als Ergebnis präsentiert der Schweizer Bürger:innenrat für Ernährungspolitik einen Empfehlungskatalog für konkrete Massnahmen, wie unser Ernährungssystem nachhaltiger gestaltet werden soll. Die Empfehlungen werden am nationalen Ernährungssystemgipfel vom 2. Februar 2023 in Bern an Politik, Verwaltung und Praxis übergeben sowie der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

Daniel Langmeier freut sich über den gelungenen Start des Bürger:innenrats in Olten: «Wir haben in der Schweiz ein grundsätzliches Interesse daran, herauszufinden, wie die Transformation unserer Ernährungssysteme hin zu mehr Nachhaltigkeit gelingen kann. Über den Bürger:innenrat wollen wir von der Bevölkerung wissen, was es für ein nachhaltigeres Ernährungssystem braucht. Wir sind sehr gespannt auf das Resultat!“.

 

Weiterführende Informationen:

  • Bürger:innenrat für Ernährungspolitik: www.buergerinnenrat.ch
  • Ernährungszukunft Schweiz: www.ernährungs-zukunft.ch

 

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Schweizer Premiere: Erster Bürger:innenrat für Ernährungspolitik

Die Schweizer Ernährungspolitik soll rasch nachhaltiger und krisenresistenter werden. Angesichts des Krieges in der Ukraine, der Klimakrise und der COVID-Pandemie wird die Frage nach dem besten Ernährungssystem für die Zukunft heiss diskutiert. Ab Mitte Juni befasst sich der erste nationale Bürger:innenrat der Schweiz mit diesem Thema und erarbeitet dazu Empfehlungen für konkrete Massnahmen. Der Bürger:innenrat ist Teil des Projekts „Ernährungszukunft Schweiz“, das am Dienstag, 17. Mai in Bern von den Trägerorganisationen an einer Medienkonferenz vorgestellt wurde.

„Mit dem Bürger:innenrat erhält die Bevölkerung erstmals eine Stimme, um Empfehlungen für konkrete Massnahmen für eine zukünftige Ernährungspolitik in die laufende Diskussion einzubringen“ erklärt Daniel Langmeier, Leiter des Projekts Ernährungszukunft Schweiz von der Stiftung Biovision. „Im Bürger:innenrat sitzen Köch:innen neben Kindergärtner:innen und Rentner:innen neben Jugendlichen“, führt Langmeier das Schweizer Pionierprojekt weiter aus. Die 100 ausgelosten, in der Schweiz wohnhaften Menschen repräsentieren die Schweiz bezüglich verschiedener Merkmale wie beispielsweise dem Geschlecht, dem Alter oder Verteilung der Stadt-Land-Bevölkerung. Der Bürger:innenrat thematisiert an elf Treffen die Frage: „Wie soll eine Ernährungspolitik für die Schweiz aussehen, die bis 2030 allen Menschen gesunde, nachhaltige, tierfreundliche und fair produzierte Lebensmittel zur Verfügung stellt?“. Am 6. November 2022 verabschieden die Teilnehmenden die von ihnen erarbeiteten Empfehlungen, welche anschliessend an die Politik und Verwaltung übergeben werden.

Der Bürger:innenrat als Dialoginstrument

Mit dem Bürger:innenrat nehmen die drei Trägerorganisationen einen Impuls des Bundesrats auf. Dieser strebt mit seiner „Strategie Nachhaltige Entwicklung 2030“ einen Wandel hin zu einem nachhaltigen Ernährungssystem in der Schweiz an. Wie schon im Vorfeld des UN-Ernährungssystemgipfel 2021 setzt der Bundesrat dabei auf Dialog. „Ein Bürger:innenrat schafft den Raum für einen solchen Dialog, und zwar sowohl zwischen Repräsentant:innen aus der Bevölkerung wie auch mit Vertreter:innen relevanter Interessengruppen im Ernährungssystem“, erklärt die für das Projekt mitverantwortliche Carole Küng, Co-Direktorin des Schweizer Netzwerks für Nachhaltigkeitslösungen (SDSN).

„Bürger:innenräte können demokratisch gewählte Instanzen ergänzen und bereichern“, stellt der renommierte Politikwissenschaftler Nenad Stojanović von der Universität Genf fest. Denn eines der Ziele sei es, die direkte Demokratie in der Schweiz damit noch demokratischer zu machen. „In der Schweiz ist das Interesse von Bürger:innen, Gemeinden und Kantonen an dieser ergänzenden Form der partizipativen Demokratie deutlich höher als in anderen demokratischen Ländern“, ergänzt Stojanović.

Auch in der Politik findet das Pionierprojekt Zustimmung. So lässt etwa die Luzerner Mitte-Nationalrätin Priska Wismer-Felder auf Anfrage verlauten: „Ein Bürger:innenrat bringt diejenigen an einen Tisch, die letztlich entscheiden, was auf den Teller kommt. Das ist ein willkommener wertvoller Beitrag in der laufenden Diskussion zur Zukunft unseres Ernährungssystems.“

Weiterführende Informationen: www.buergerinnenrat.ch

 

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UN-Nachhaltigkeitsziele und das Ernährungssystem

Die Schweiz hat sich 2015 verpflichtet, ihren Beitrag zum Erreichen der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung («Sustainable Development Goals») bis 2030 zu leisten. Viel Potenzial, um endlich wesentliche Schritte zu machen, bietet das Schweizer Ernährungssystem. Die von SDSN Switzerland ins Leben gerufene wissenschaftliche Expertengruppe «Ernährungszukunft Schweiz» erarbeitet nun für diesen Bereich konkrete Diskussionsgrundlagen und Handlungsempfehlungen.

Wenn die Schweiz bis 2030 ihren Beitrag zum Erreichen der so genannten SDGs leisten will, muss sie ihr Ernährungssystem unter die Lupe nehmen. Das Thema Ernährung kommt bei der Umweltbelastung nämlich noch vor Wohnen und Mobilität. Deshalb braucht es über die ganze Wertschöpfungskette neue Rezepte – von der Produktion bis zum Konsum. Erstmals überhaupt wird eine wissenschaftlich derart breit abgestützte Expertengruppe Lösungswege in eine nachhaltige Ernährungszukunft der Schweiz vorschlagen.

Blick über den Tellerrand hinaus – und in den eigenen Einkaufskorb

Um Entscheidungsgrundlagen für die Politik und die Diskussion in der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, tragen die Mitglieder der neuen Expertengruppe «Ernährungszukunft Schweiz» (Namensliste, siehe auch Anhang) wissenschaftliche Erkenntnisse zusammen. Und dies mit dem nötigen Gesamtblick auf das Ernährungssystem. Dazu Prof. Dr. Christine Brombach von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW: «Das Expertenpanel vereint ein breites Spektrum von Perspektiven und Disziplinen. Deshalb ist es ein schnelles, zuverlässiges und wirkungsvolles Werkzeug, um die notwendigen Veränderungen zu unterstützen.»

Die vom SDSN initiierte und moderierte Gruppe benennt konkrete Ansatzpunkte, wie die Schweiz den Zielen für nachhaltige Entwicklung näherkommen kann. Weil unsere Ernährung viel mit Traditionen und Gewohnheiten zu tun hat, braucht es neben Massnahmen auf politischer Ebene auch einen gesellschaftlichen Dialog über unser individuelles Verhalten. Für Martin Pidoux, Dozent Agrarpolitik und -märkte an der Berner Fachhochschule, ist es wichtig, dass alle Akteure in der Lage sind, ihren Teil der Aufgabe zu erfüllen: «Wir dürfen einander nicht die Schuld zuschieben, sondern sollten in unserem Handlungsfeld Verantwortung für eine nachhaltige Entwicklung übernehmen – ob in der Politik, als Produzentin oder als Konsument. Dazu muss aber jede und jeder wissen, wie die Transformation mitgestaltet und unterstützt werden kann.»

Wenn wir jetzt handeln, ist vieles möglich

Das Expertenpanel wird durch den Politikökonomen und Transformations-Forscher Dr. Lukas Fesenfeld vom Oeschger-Zentrum für Klimaforschung der Universität Bern und Dozenten an der ETH Zürich begleitet. Dr. Fesenfeld ist federführend für die Synthese und Verschriftlichung der wissenschaftlichen Inputs zuständig. Das Panel publiziert seine Empfehlungen im kommenden Herbst. Für die dringlichen Diskussionen über eine zukunftsfähige Ernährungspolitik der Schweiz können sich politische Entscheidungstragende damit auf breit abgestützte, wissenschaftlich fundierte Lösungswege beziehen. Dr. Lukas Fesenfeld: «Das Expertenpanel bietet eine wissensbasierte Gesamtsicht und zeigt wirksame und realisierbare Wege, wie wir Lebensmittel zukünftig konsumieren, produzieren und handeln.»

Carole Küng, Co-Direktorin des SDSN, freut sich, dass die Erreichung der Nachhaltigkeitsziele im Ernährungssystem mit so viel Kompetenz und vereinten Kräften angegangen wird: «Damit bleibt die Chance auf wirkungsvolle Beiträge der Schweiz zu den SDGs realistisch, auch wenn die Zeit knapp ist.» Als Sekretärin der fraktionsübergreifenden parlamentarischen Gruppe «Nachhaltigkeitsziele 2030 (SDGs)» stellt sie zudem sicher, dass die Ergebnisse auch dem Bundesparlament zur Verfügung stehen werden.

 

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Parteiübergreifend für die UN Agenda 2030

Die Schweiz hat sich 2015 zu den UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung 2030 verpflichtet. Bald ist Halbzeit und unser Land fällt bei der Zielerreichung immer weiter hinter andere Länder zurück. Mit Unterstützung von SDSN Switzerland formieren sich jetzt erstmals Parlamentarierinnen und Parlamentarier unter Einbezug aller Fraktionen zur UN-Agenda 2030. Sie wollen diese gemeinsame Plattform nutzen, um die Chancen der Schweiz für ein Voranbringen der SDGs aktiv anzugehen und Akzente für eine nachhaltigere Entwicklung zu setzen.

Seit 2015 hat die Schweiz 11 Ränge im Ranking des UN Sustainable Development Solutions Network (SDSN) verloren und rangiert hinter Ländern wie Tschechien, Kroatien oder Polen. Im Gegensatz zu all ihren Nachbarländern hat sie zudem noch keine parlamentarischen Mechanismen zur Umsetzung der UN Agenda in Kraft. Es bleiben nur noch 8 Jahre – höchste Zeit also, um die grossen Chancen der UN-Agenda für die Schweiz zu nutzen und sie im Parlament voranzutreiben.

Unterstützt vom Sustainable Development Solutions Network Switzerland (SDSN Switzerland) schliessen sich nun Parlamentsmitglieder in der parlamentarischen Gruppe Nachhaltigkeitsziele 2030 (SDGs) zusammen. Alle Fraktionen sind vertreten. Co-Präsidenten und -Präsidentinnen sind die Ständerätinnen Eva Herzog (SP) und Adèle Thorens Goumaz (Grüne), die Nationalräte Damien Cottier (FDP) und Jean-Pierre Grin (SVP) sowie die Nationalrätinnen Priska Wismer-Felder (Die Mitte) und Melanie Mettler (GLP). Damit engagieren sie sich über die Parteigrenzen hinweg im Sinn der UN-Agenda 2030 als global gemeinsam erarbeiteter Wegleitung, wie jedes Land seine Verantwortung für eine nachhaltigere Zukunft wahrnehmen kann. Ziel der parlamentarischen Gruppe ist der lösungsorientierte Austausch für eine nachhaltigere Schweiz – ein gutes Leben sowie eine florierende Wirtschaft und Gesellschaft im Rahmen der planetaren Belastbarkeitsgrenzen. SDSN Switzerland, der Schweizer Ableger des globalen Netzwerks für Nachhaltigkeitslösungen der UNO, bringt dafür wissenschaftlich fundierte Expertise ein.

Die parlamentarische Gruppe wird an drei strategisch wirksamen Hebeln für eine nachhaltige Entwicklung ansetzen: Beim Wirtschafts-, Finanz- und Handelssystem, bei der Transformation des Ernährungssystems und bei der Gouvernanz im Sinne der politischen Steuerung einer nachhaltigen Entwicklung. Diese ist nur möglich, wenn die Chancen jetzt engagiert angepackt und Zielkonflikte frühzeitig und konstruktiv angegangen werden – und zwar gemeinsam über die Fraktions- und Kommissionsgrenzen hinweg. Bisher fallen viele Zielkonflikte zwischen Stuhl und Bank, nun braucht es einen strategischeren, integrierten Blick auf die grossen Herausforderungen der Zukunft.

Zitate

Ständerätin Adèle Thorens Goumaz, Co-Präsidentin parlamentarische Gruppe SDGs: «Die SDGs sind ein unverzichtbares Instrument für eine nachhaltigere Entwicklung in der Schweiz und der ganzen Welt. Sie sind noch zu wenig bekannt, sowohl was ihren Inhalt als auch ihr Umsetzungspotenzial betrifft. Alle Bereiche unserer Gesellschaft müssen sich jedoch an ihnen orientieren: die Zivilgesellschaft, die Unternehmen, aber auch die Behörden, denen eine zentrale Rolle zukommt. Es ist daher wichtig, sie besser bekannt zu machen und von Parlamentsmitgliedern aller Parteien zu unterstützen.»

Nationalrat Damien Cottier, Co-Präsident parlamentarische Gruppe SDGs:  «Einige globale Herausforderungen können nur durch koordinierte internationale Anstrengungen bewältigt werden. Die Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs), die 2015 von allen Ländern verabschiedet wurden, bieten uns eine wichtige Orientierungshilfe. Diese Ziele müssen auf allen Ebenen der Politik, auch in den parlamentarischen Gremien, aufgegriffen und gemessen werden. Eines der Ziele der fraktionsübergreifenden Arbeitsgruppe ist es, eine umfassende Gouvernanz in diesem Bereich zu ermöglichen.»

Nationalrätin Melanie Mettler, Co-Präsidentin parlamentarische Gruppe SDGs: «Manche Probleme lassen sich auf dem eng vernetzten Planeten nur global lösen. Mit der Agenda 2030 hat sich die Staatengemeinschaft einer ambitionierten Vision verpflichtet. Die Schweiz konnte die 17 Ziele der SDGs aktiv mitgestalten. Hier sind sich die meisten aber noch nicht bewusst, welcher monumentale Schritt der internationalen Gemeinschaft gelungen ist, und welche Rolle die verschiedenen Akteure dabei einnehmen können.»

Ständerätin Eva Herzog: „Ich bin Mitglied der Parlamentarischen Gruppe Nachhaltigkeitsziele 2030 (SDGs), weil diese alles beinhalten, was mir politisch wichtig ist und wofür ich mich einsetze.“

Thomas P. Meier, CEO Ricola Group, Referent am Gründungsanlass: «Nachhaltigkeit in der Unternehmensführung ist bei Ricola seit Jahrzehnten gelebte Realität. Das bedeutet Sorge zu tragen zu der Natur, den vielen Menschen, die wir berühren und dem Unternehmen Ricola. Und dennoch gibt es auch für uns noch sehr viel zu tun. Wir wollen und werden, Schritt für Schritt, die Eintracht zwischen «Natur – Mensch – Unternehmen» weiter fördern. Dazu braucht es gute Rahmenbedingungen für uns Unternehmen. Und, es braucht hervorragend ausgebildete Menschen, welche die mannigfaltigen Herausforderungen der heutigen Zeit erfolgreich meistern können.»

Carole Küng-Weber, Co-Direktorin SDSN Switzerland und Sekretärin der parlamentarischen Gruppe: «Es ist dringend nötig, dass sich das Parlament über Kommissions- und Parteigrenzen hinweg für die globalen Ziele einsetzt. Wir sind die letzte Generation, welche eine nachhaltige Entwicklung ohne schwerwiegende Einbussen an Lebensqualität anstossen und somit unserer Verantwortung gegenüber der nächsten Generation gerecht werden kann. Gleichzeitig bietet die Umsetzung der SDGs für die Schweiz grosse Chancen für Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt.»

Jonathan Normand, CEO B Lab Schweiz, Referent am Gründungsanlass: «Die grossen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit erfordern das Engagement der Unternehmen sowie den Aufbau einer Marktinfrastruktur für Nachhaltigkeit, die neben den Unternehmen auch die Akteur*innen des Finanzsektors, der öffentlichen Hand, der Hochschulen, der Universitäten und der Politik einbezieht, um den Wandel zu beschleunigen, der die Schweiz zu einem widerstandsfähigen und agilen Land macht, das schon heute eine wünschenswerte Zukunft gestalten kann.»

Weitere Informationen: www.sdsn.ch/parlamentarische-gruppe-sdgs

 

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Konferenz zu Rohstoff- und Goldhandel: Wie können illegitime Finanzflüsse eingedämmt werden?

Auf Einladung mehrerer Forschungsinstitute fand am Freitag 29. Oktober an der Universität Bern eine Konferenz zu illegitimen Finanzflüssen im Rohstoffhandel statt. Dabei wurden die Ergebnisse aus zwei Forschungsprojekten mit Exponent*innen aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft diskutiert sowie Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt.

Entwicklungsländer sind oft reich an Rohstoffen, aber arm an finanziellen Ressourcen, die sie dringend benötigen würden. Einer der Gründe für ihre anhaltende Armut sind illegitime Finanzflüsse (IFFs), die in Verbindung mit dem Rohstoffhandel stehen. Ein multidisziplinäres Forschungsteam hat sowohl das Ausmass des Problems als auch existierende Rechtslücken untersucht – sowie die Faktoren identifiziert, die zu diesen führen. Am Freitag haben die Forschenden ihre Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft diskutiert – allgemein hinsichtlich des Rohstoffhandels sowie spezifisch mit Blick auf den Goldhandel.

Unter dem Thema «Regulierungsvorschläge zur Eindämmung illegitimer Finanzströme im Rohstoffhandel: Herausforderungen aus Sicht der Politikkohärenz» setzten sich die Teilnehmenden mit Problemen rund um unlautere Gewinnverschiebungen im Rohstoffsektor auseinander. Die Wissenschaftler*innen stellten eine Reihe von politischen Handlungsmöglichkeiten und Massnahmen vor, die rohstoffreiche Länder selbst ergreifen könnten, sowie Lösungen, die auf internationaler Ebene oder in den Sitzstaaten der Unternehmen umgesetzt werden könnten. Zur Sprache kamen dabei auch Dynamiken der politischen Ökonomie.

In einem zweiten Teil präsentierten die Forschenden anhand des Beispiels Goldhandel neue Ansätze, wie sich illegitime Finanzflüsse besser bemessen lassen. Die Teilnehmenden beschäftigten sich zudem mit den Massnahmen, welche die Schweiz in den letzten Jahren ergriffen hat, und erörterten, welche weiteren Ansätze verfolgt werden könnten.

Forschende aus der Schweiz, Ghana und Laos beteiligt

Die Erkenntnisse, die der Tagung zugrunde lagen, basieren auf zwei Forschungsprojekten: dem interdisziplinären r4d-Forschungsprojekt «Curbing Illicit Financial Flows in Commodity Trading» und dem Projekt «Monitoring of Policy Coherence for Sustainable Development in a North South Context». An den Projekten beteiligt sind das Graduate Institute of International and Development Studies (Genf), das Centre for Development and Environment CDE (Universität Bern), das Zentrum für Entwicklung und Zusammenarbeit (NADEL, ETHZ) sowie teilweise die Universität Ghana, das National Institute for Economic Research in Laos und das Sustainable Development Solutions Network (SDSN) Schweiz. Ausgewählte Ansätze sollen im kommenden Jahr in den Partnerländern Laos und Ghana getestet werden.

 

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Nachhaltig einkaufen: Ja, aber wie? Eröffnung CLEVER-Ausstellung in Basel

Ökologisch und fair essen gewinnt an Bedeutung – nicht nur bei der Klimajugend. Die richtige Produktewahl kann jedoch knifflig sein. CLEVER, eine interaktive Ausstellung in der Markthalle in Basel, bietet jetzt konkrete Entscheidungshilfen und einfache Einkaufstipps.

Was ist nachhaltiger, Bio-Tomaten aus Spanien oder konventionelle aus der Schweiz? Ist die Tafelschokolade oder die Schoggistängeli aus Fairtrade-Kakao die ökologischere und fairere Wahl? Besser Bio, aber nicht fair? Lieber ohne Chemie, aber mit grauer Energie? Immer saisonal, dafür gespritzt? Antworten auf solche Fragen gibt die interaktive Ausstellung der Stiftung Biovision, die bis am 28. Oktober in der Markthalle beim SBB Bahnhof in Basel gastiert. Beim Bummel durch den CLEVER-Supermarkt können Besucher:innen ihr Konsumverhalten mit einem spielerischen Einkauf testen. An der Kasse erhalten sie dann die Quittung für ihren Einkauf. Sie erfahren nicht, wieviel es kostet, sondern wer für problematische Produkte bezahlt: Die Umwelt, das Klima, Fabrikarbeitende oder gar Kinder? Fundierte Informationen und fünf Einkaufsregeln Kompetente CLEVER-Expert:innen für nachhaltigen Konsum beantworten vor Ort Fragen, zum Beispiel warum einzelne Produkte bezüglich Nachhaltigkeit schlechter abschneiden als andere. Sie vermitteln auch Tipps zu unproblematischen Alternativen und bringen Licht in den Label-Dschungel. «Wir wollen mit dieser Ausstellung nicht nur spielerisch Wissen vermitteln, sondern auch gleich konkrete Anwendungstipps mitgeben. So können die Besucher:innen gleich beim nächsten Einkauf profitieren und ihn nachhaltiger gestalten», sagt Anna Schöpfer, Programmverantwortliche «Nachhaltiger Konsum» bei der Stiftung Biovision, zum Ziel der Ausstellung. Und sie nennt fünf Regeln, mit denen man bereits sehr gut einspurt für einen umweltfreundlichen und fairen Einkauf:

  1. Kaufe nur, was du brauchst. Weniger ist mehr!
  2. Iss regelmässig vegetarisch.
  3. Kaufe saisonal und regional ein.
  4. Wähle Produkte mit nachhaltigem Label.
  5. Meide Produkte mit Palmöl.

 

Sonderangebot für Schulen

Für Schulklassen und Gruppen werden spezielle Führungen durch die Ausstellung CLEVER angeboten. Diese dauern 1.5h und ist für Klassen der Mittel- und Oberstufe, für Berufsschulen sowie Gymnasien geeignet. Anmeldungen unter clever@biovision.ch oder Tel. 044 512 58 58

Der Besuch der Ausstellung ist gratis und steht bis am 28. Oktober offen von Mo – Fr 12:00 – 18:00 Uhr und Sa 10:00 – 17:00 Uhr

 

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UN-Ernährungssystemgipfel: «Den Worten der Schweiz müssen jetzt Taten folgen»

Nach dem Bekenntnis für einen agrarökologischen Kurswechsel am UN-Ernährungssystemgipfel, sieht Biovision Geschäftsleiter Frank Eyhorn die Schweiz in der Pflicht.

Wie kann eine wachsende Weltbevölkerung unter den Bedingungen des Klimawandels und dem Verlust der Artenvielfalt satt  werden? Am UN-Ernährungssystemgipfel wurde neu über die Produktion und den Konsum von Nahrung nachgedacht. Die Schweiz setzte sich dabei stark für einen Kurswechsel auf der Basis agrarökologischer Grundsätze ein. In ihrer Landwirtschaftspolitik dagegen ist die offizielle Schweiz viel zögerlicher. Biovision-Geschäftsleiter Frank Eyhorn fordert deshalb, dass die Schweiz in Zukunft auch im Inland konsequent auf Agrarökologie setzt. Nach mehrmonatigen Vorbereitungen ging mit dem UN-Ernährungssystemgipfel vom 23./24. September in New York ein beeindruckender Prozess zu Ende: In 145 Ländern haben sich Zehntausende Menschen und hunderte von Organisationen aus Zivilgesellschaft, Politik, Wissenschaft und dem Privatsektor in über 1000 Dialogen darüber ausgetauscht und Lösungen gesucht, wie die Zukunft unserer Ernährung aussehen soll. Der Gipfel wurde aus der Zivilgesellschaft zum Teil scharf kritisiert. Zahlreiche Schweizer NGO haben den Anlass boykottiert. Als Brückenbauerin zwischen den Akteur:innen in den Ernährungssystemen hat sich Biovision entschieden, den Prozess mitzugestalten und war in den vergangenen 12 Monaten auf verschiedenen Feldern aktiv. In seinem Videobeitrag am Ernährungssystemgipfel im Rahmen des «People’s Plenary – Accelerating for the Future We Want», skizzierte Frank Eyhorn, Geschäftsleiter von Biovision, wie die politische Governance einen entscheidenden Beitrag dazu leisten kann und muss, nachhaltigere Ernährungssysteme aufzubauen. 

Was hat der Gipfel aus Schweizer Sicht gebracht?

Frank Eyhorn: «Die Schweiz setzte sich am UN-Ernährungssystemgipfel engagiert für einen Kurswechsel auf der Basis agrarökologischer Grundsätze ein. Bundespräsident Guy Parmelin bekannte sich in seiner Ansprache am Gipfel ausdrücklich zur Förderung der Agrarökologie in der internationalen Zusammenarbeit der Schweiz und bezeichnete sie als Basis für die Fortsetzung des Dialogs in der Schweiz für die Transformation unseres Ernährungssystems. Die Schweiz ist zudem unter den erstunterzeichnenden Staaten einer neu gegründeten Koalition von Regierungen und Organisationen, die in den kommenden Jahren agrarökologische Ansätze in Forschung, Politik und bei Investitionen stärken will. Agrarökologie erhielt dank dem Gipfel mehr Anerkennung und wurde ausdrücklich als Lösung mit hohem Potenzial («Game Changing Solution») benannt.»

Was bedeutet das jetzt für eine Schweizer Ernährungspolitik?

Frank Eyhorn: «In der Schweizer Landwirtschaftspolitik ist die offizielle Schweiz viel zögerlicher. Der von der Schweiz am UN- rnährungssystemgipfel hinterlegte nationale Transformationspfad zur Erreichung der Ziele der Agenda 2030 erwähnt Agrarökologie nur am Rande. Der Anteil besonders umweltfreundlicher Produktionsmethoden wie dem Biolandbau soll lediglich um 2-3% pro Jahr wachsen. Damit fällt die Schweiz beispielsweise weit hinter die ambitionierteren Pläne der EU zurück. Organisationen wie Biovision fordern deshalb jetzt, dass die Schweiz auch im Inland konsequent auf eine Förderung der Agrarökologie setzt.»

Wie kann Agrarökologie in der Schweiz stärker gefördert werden?

Frank Eyhorn: «Durch Vorbereitungen in der Schweiz für den UN-Ernährungssystemgipfel sind wichtige Impulse entstanden und wurde ein Dialog in Gang gesetzt. Das ist wegen der blockierten Situation in der Landwirtschaftspolitik und den verhärteten Fronten auch dringend nötig. Um die Gräben zu überwinden, müssen diese Dialoge aber weitergeführt und vertieft werden. Wir müssen uns als Gesellschaft an einen Tisch setzen und umsetzbare Massnahmen verhandeln, die nicht nur eine nachhaltige Produktion und bäuerliche Einkommen sicherstellen, sondern auch einen nachhaltigen Konsum ermöglichen. Am Gipfel hat die offizielle Schweiz erklärt, dass sie die Bevölkerung in die Transformation des Ernährungssystems einbeziehen will. So sollen repräsentative Akteur:innengruppen in Dialogformaten Empfehlungen für eine neue, ganzheitliche Ernährungspolitik entwickeln. Aber es braucht von Seiten der Politik nun klare Entscheide, damit auch in der Schweiz konsequent Anreize für nachhaltigere Produktionsmethoden und Konsumationsmuster geschaffen werden. Den Worten müssen jetzt Taten folgen.»

 

Weitere Auskünfte und Interviews:
Frank Eyhorn, Geschäftsleiter Biovision, Tel. 044 512 58 01

 

Hintergrund:

  • «Weiter wie bisher ist bei der Welternährung keine Option», 22.09.2021, Beitrag von Frank Eyhorn auf SWI swissinfo.ch, Serie UNO-Ernährungssystemgipfel
  • Agrarökologie rückt in den Fokus des UN-Gipfels für Ernährungssysteme, Interview mit Frank Eyhorn und Stefanie Pondini zu den Vorbereitungen des UN-Ernährungssystemgipfels, 5.8.2021

 

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Schweizer Projekt für ökologische Landwirtschaft in den Tropen gewinnt internationalen Forschungspreis

Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL gewinnt mit seinem «SysCom»-Projekt den «SHIFT-Preis». Der von Biovision und der Agropolis-Stiftung vergebene Preis zeichnet agrarökologische Projekte aus, die eine nachhaltige Entwicklung fördern und zu einer Transformation der Ernährungssysteme beitragen. Das FiBL-Projekt setzte sich gegen 27 Konkurrenten durch.

Die Landwirtschafts- und Ernährungssysteme stehen durch Klimawandel, Wasserknappheit, Verlust von Biodiversität und der Abnahme der Bodenfruchtbarkeit weltweit unter Druck wie nie zuvor. Einen Ausweg bietet die Agrarökologie, mit der die Widerstandsfähigkeit von Ernährungssystemen verbessert und genügend gesunde Nahrung für alle in einer gesunden Umwelt produziert werden kann.

Damit sich agrarökologische Methoden gegenüber dem vorherrschenden Modell der industriellen Landwirtschaft besser durchsetzen und politische Entscheidungsträger:innen überzeugt werden können, sind wissenschaftliche Studien von immenser Bedeutung. Aus diesem Grund verleiht Biovision in Zusammenarbeit mit der französischen Stiftung Agropolis 2021 den «SHIFT-Preis» für transformative agrarökologische Forschung im Dienste der nachhaltigen Entwicklung. Die Preisverleihung wird Mitte November im Rahmen des «Agroecology Europe Forums 2021» stattfinden. Ein unabhängiges Gremium renommierter Expert:innen hat unter den 28 Eingaben das Projekt «Landwirtschaftlicher Langzeit-Systemvergleich in den Tropen» (SysCom) des Schweizer Forschungsinstituts für biologischen Landbau FiBL zum Sieger gekürt.

«Der Preis motiviert uns sehr und kommt zum richtigen Zeitpunkt: Wir haben gerade eine interne Evaluierung mit allen Partnern abgeschlossen, bei der wir uns einig waren, dass wir uns stärker in nationale und supranationale politische Dialoge über den nachhaltigen Wandel der Ernährungssysteme einbringen wollen. Der SHIFT-Preis wird uns helfen, das Bewusstsein in der Öffentlichkeit zu wecken und uns mit entsprechenden Netzwerken zu verbinden.»

Beate Huber, Programmkoordinatorin von SysCom und Leiterin des Departements für internationale Zusammenarbeit am FiBL.

Das Siegerprojekt überzeugte die Jury insbesondere deshalb, weil SysCom untersucht, wie ökologische Landwirtschaft auch in tropischen Gebieten profitabel sein und welchen Beitrag diese zu einer nachhaltigen Entwicklung leisten kann. Dafür analysiert SysCom mit seinen Partner-Organisationen vor Ort diverse Aspekte des Ernährungssystems. Zentral ist dabei, dass das Projekt die lokalen Landwirt:innen mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung in die Forschung einbindet.

«SysCom produziert einmalige wissenschaftliche Erkenntnisse über die Wirksamkeit alternativer und nachhaltiger Produktionssysteme. Die drei SHIFT Preis Finalisten verbinden unsere Vision von transformativer agrarökologischer Forschung auf überzeugende Weise»

Matthias Geck, bei Biovision für den «SHIFT-Preis» verantwortlich.

Das Siegerprojekt setzte sich gegen diese weiteren Finalisten durch:

  • Towards Food Sustainability: Neugestaltung der Koexistenz verschiedener Lebensmittelsysteme in Südamerika und Afrika (FoodSAF): Das Projekt möchte wissenschaftliche Erkenntnisse für Innovationsstrategien und politische Optionen für die Nachhaltigkeit von Ernährungssystemen bereitstellen. Dazu wurde u.a. ein «Food Sustainability Assessment Framework» (FoodSAF-Tool) entwickelt, das es akademischen und zivilgesellschaftlichen Akteur:innen ermöglicht, Wege zu identifizieren, wie Ernährungssysteme nachhaltiger gestaltet werden können. Projektträger: Schweizerisches Kompetenzzentrum für Nachhaltige Entwicklung (CDE), Universität Bern/CH
  • Malawi Farmer-led Agroecology Initiatives: Das Projekt fördert eine von Landwirt:innen geführte gemeinnützige Organisation, die den Aufbau nachhaltiger, gesunder, gerechter und widerstandsfähiger Gemeinschaften vorantreibt. Zur Anwendung kommen sowohl agrarökologische Methoden als auch Bildungsaktivitäten zu Ernährung, Klimawandel, Biodiversität, Gender und sozialer Gerechtigkeit. Zentraler Hebel für die Wirksamkeit ist der partizipative Ansatz bei der Entwicklung innovativer Methoden und in der Wissensvermittlung. Projektträger: Soils, Food and Healthy Communities (SFHC) Organization, Malawi

 

Biovision stärkt seit über 20 Jahren die agrarökologische Forschung, insbesondere in Subsahara-Afrika. Der Schlüssel zum Erfolg liegt dabei auf einem grundsätzlichen Paradigmenwechsel in der Art wie Forschung konzipiert, umgesetzt und kommuniziert wird: Der «Money Flows» Bericht von Biovision und dem Internationalen Expertenausschuss zu Nachhaltigen Ernährungssystemen (IPES-Food) hat aufgezeigt, dass die transdisziplinäre agrarökologische Forschung immens unterfinanziert ist.

 

Für Hintergrundgespräche, Interviews und Auskünfte stehen Medienschaffenden folgend Personen gerne zur Verfügung:

  • Matthias Geck, Verantwortlich bei Biovision für den «SHIFT-Preis», +41 (0)44 512 5858, m.geck@biovision.ch
  • Beate Huber, Leitung Department für internationale Zusammenarbeit des FiBL, +41 (0)62 865 0425, beate.huber@fibl.org

 

Hintergrundmaterial:

 

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Nachhaltiges Ernährungssystem: Die Bevölkerung will, dass das Parlament handelt!

Legt der Ständerat die Zukunft der Landwirtschaft bis 2022 aufs Eis? Gespannt wartet man auf die Beratung im Stöckli in dieser Wintersession. Am «forum KURSWECHSEL» von Biovision von vergangenem Samstag waren sich die Teilnehmenden bereits einig: Weiter wie bisher ist keine Option! Die Landwirtschaft muss nachhaltiger werden und von Konsum und Politik darin unterstützt werden.

Wie wir unser Essen produzieren und konsumieren beeinflusst wie keine andere menschliche Aktivität das Gesicht der Erde. Immer mehr Natur fällt dem wachsenden Nahrungsmittelbedarf zum Opfer. Die industrielle Landwirtschaft ist massgeblich mitverantwortlich an ernährungsbedingten Gesundheitsproblemen, dem Artensterben, dem Klimawandel oder dem Verlust an fruchtbaren Böden. Was ist nötig, um unsere Ernährungssysteme in den Griff zu bekommen? Darüber diskutierten vergangenen Samstag am online Anlass «forum KURSWECHSEL» zum Thema «Nachhaltige Ernährung mit System» namhafte Gäste:

  • Christian Hofer (Direktor Bundesamt für Landwirtschaft),
  • Maya Graf (Ständerätin BL, Bio-Bäuerin und Biovision-Stiftungsrätin),
  • Dominik Waser (Mitgründer Landwirtschaft mit Zukunft und Co-Initiator des Ernährungsparlaments),
  • Rebecca Clopath (Naturköchin und Mit-Biobäuerin) sowie
  • Hans R. Herren (Träger Welternährungspreis, Präsident Biovision)

 

Die vom Biovision Geschäftsleiter Frank Eyhorn moderierte Diskussion zeigte, dass die Positionen weniger weit auseinanderliegen, als man vermuten konnte. «Wir wollen eine Landwirtschaft und ein Ernährungssystem, das innerhalb der planetaren Grenzen funktionieren kann; das heisst ökologisch tragbar und langfristig nachhaltig. Denn wenn wir so weiter machen wie bisher, sind wir bald am Ende», lautete die Forderung des jungen Klimaaktivisten Dominik Waser von «Landwirtschaft mit Zukunft». Die Transformation der Ernährungssysteme biete eine grosse Chance, um Themen wie Umwelt, Gesundheit und Nahrung miteinander zu diskutieren, pflichtete ihm Christian Hofer, Direktor des Bundesamts für Landwirtschaft, bei. Hofer wies bei seinen Ausführungen auch auf das grosse Potenzial einer diversifizierten ökologischen Produktion hin – auch für die bäuerlichen Einkommen. Er lud Dominik Waser und die ganze junge Generation ein, sich in die laufende Debatte einzubringen und betonte, dass die Landwirtschaft ein Teil der Lösung sei: «Wenn wir gemeinsam diesen Weg gehen, dann schaffen wir es wirklich, nachhaltiger zu werden.»

Für die renommierte Naturköchin und Bäuerin Rebecca Clopath braucht es für eine Verhaltensänderung zuallererst ein neues Bewusstsein beim Essen. Dafür sei mehr und eine bessere Aufklärung notwendig über die Zusammenhänge, wie unser Essen produziert wird, was damit vom Feld bis auf den Teller passiert und wie es sich auf unsere Gesundheit und Umwelt auswirkt. Mit ihrem täglichen Einkaufen und der Wahl regionaler, zertifizierter Produkte könnten die Konsumierenden manifestieren, dass es ihnen ernst sei mit dem nachhaltigen Kurswechsel in der Landwirtschaft, erklärte Bio-Bäuerin und Politikerin Maya Graf. Sie forderte zudem, dass die zu hohen Preise für Bio-Produkte im Interesse der Kostenwahrheit gesenkt werden müssten: «Die Margen der Grossverteiler bei Bio-Produkten sind sehr hoch, ohne dass Bio-Bauern mehr daran verdienen». Hans Herren, Ko-Präsident des Weltagrarberichts von 2008 und Präsident von Biovision pflichtete ihr bei: «Bio ist nicht teurer. Bio ist billiger, wenn man die volkswirtschaftlichen Kosten mit einrechnet.»

Der Welternährungspreisträger rief am Schluss für eine mutige Vision auf: Die ganze Schweiz müsse komplett auf zukunftsfähige Praktiken wie Agrarökologie umgestellt werden – als Beispiel für die ganze Welt.

 

Der ganze online Anlass von vergangenem Samstag kann auf Youtube angesehen werden.

 

Weitere Auskünfte:

  • Frank Eyhorn, Geschäftsleiter, Tel. +41 (0)76 483 60 70
  • Martin Grossenbacher, Mediensprecher, Tel. +41 (0)44 512 58 25

 

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Wie die Transformation unserer Ernährungssysteme gelingt

Ein Jahrzehnt nach dem Weltagrarbericht (IAASTD) der Vereinten Nationen und der Weltbank ziehen einige Autorinnen und Autoren eine kritische Zwischenbilanz.

Die COVID-19-Pandemie bringt grosse Ungerechtigkeiten und ein Systemversagen der heute vorherrschenden Landwirtschafts- und Ernährungssysteme schonungslos ans Licht. Sie haben sich beschleunigt im Laufe des vergangenen Jahrzehntes, das wohl als die destruktivste Periode globaler Landwirtschaft und Ernährung in die Geschichte eingehen wird. In ihrem neuen Buch «Transformation of our food systems – the making of a paradigm shift» beschreiben 40 internationale Expertinnen und Experten Entwicklungen und Meilensteine seit 2009 der „Weltagrarbericht“ (IAASTD) der Vereinten Nationen veröffentlicht wurde, der einen Paradigmenwechsel in der Wahrnehmung des globalen Ernährungssystems einleitete.

«Weiter wie bisher ist keine Option», war die provokante Botschaft von mehr als 400 Autorinnen und Autoren des 2009 im Auftrag der UNO und der Weltbank erstellten „International Assessment of Agricultural Knowledge, Science and Technology for Development“ (IAASTD). Dieser sogenannte «Weltagrarbericht» ist die bis heute umfassendste Bestandsaufnahme der globalen Landwirtschaft. Heute sind sich die meisten internationalen Vertreter*innen von Wissenschaft, Politik, Zivilgesellschaft und Privatwirtschaft der Welt einig, dass unsere Ernährungssysteme grundlegend transformiert werden müssen. Nur so können sie den enormen Herausforderungen von heute und morgen widerstehen: der Klima- und der Biodiversitätskrise, der Erschöpfung natürlicher Ressourcen sowie der zunehmenden Unter- und Fehlernährung und deren gesundheitlichen Auswirkungen. Denn das vergangene Jahrzehnt war die vielleicht destruktivste Periode der globalen Ernährungssysteme für die Ökosysteme, aber auch für das soziale und kulturelle Gefüge ländlicher
Gemeinschaften weltweit.

40 Landwirtschafts- und Ernährungsexpertinnen und -experten, die meisten von ihnen bereits am IAASTD beteiligt, beschreiben die Entwicklung der Diskussion und der Realität unserer Ernährungssysteme des letzten Jahrzehntes in ihrem gemeinsamen Buch «Transformation of our food systems – the making of a paradigm shift» (Umgestaltung unserer Ernährungssysteme – wie ein neues Paradigma entsteht). 13 internationale wissenschaftliche Folgeberichte und UNO-Abkommen werden von an diesen Prozessen Beteiligten vorgestellt und erläutert. In 15 Beiträgen samt 13 Infografiken beschreiben dazu ehemalige IAASTD-Autorinnen und Autoren die wichtigsten Entwicklungen im Laufe der vergangenen Dekade. Das Buch kam auf Initiative von Hans Herren, Träger des Welternährungspreises und ehemaliger Ko-Präsident des IAASTD und Benny Haerlin, einem NGO-Vertreter im IAASTD-Büro und langjährigen Ernährungs- und Agraraktivisten zustande. Sie wurden von einem 16-köpfigen Beirat unterstützt.

«Diese Mischung internationaler Ansichten und Perspektiven ist eine Fundgrube für Entscheidungstragende,
Aktivistinnen, Wissenschaftler und Praktikerinnen vom Feld bis zum Teller», so Benny Haerlin. «Es beschreibt die Unausweichlichkeit der Transformation, zeigt wie sie gelingen kann und wo sie bereits stattfindet.»

Das Buch richtet sich auch an das in diesem Jahr virtuell ausgerichtete hochrangige Treffen des UNO-Welternährungsausschuss (Committee on World Food Security, CFS). Erstmals steht hier Mitte Oktober die Agrarökologie im Mittelpunkt der Diskussion, in der es auch um einen «besseren Wiederaufbau» («build-back-better») nach COVID-19 geht. «Dieses Buch zeigt aus verschiedenen Perspektiven, dass der agrarökologische Ansatz das wichtigste, umfassendste und innovativste Konzept für eine nachhaltige Transformation unserer Ernährungssysteme ist», sagt dazu Hans Herren, «das ist auch unsere besorgte und kritische Botschaft an den sogenannten Food Systems-Gipfel im kommenden Jahr, der zurzeit unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen organisiert wird».

Die vollständige Version des Buchs (nur auf Englisch), die Kernbotschaften sowie Hintergrundinformationen können kostenlos heruntergeladen werden unter: www.weltagrarbericht.de/transformation

 

Online-Seminare zum Buch
Anfang Oktober findet eine Serie von Online-Präsentationen und -Diskussionen statt, an denen die Autorinnen und Autoren das Buch persönlich vorstellen und mit den Teilnehmenden gemeinsam eine vertiefte Auseinandersetzung zu einzelnen Themen durchführen werden (Informationen + Anmeldung).

 

Weitere Auskünfte auf Deutsch und Englisch*:

  • Hans Herren, Ko-Herausgeber, Präsident Stiftung Biovision, Telefon: tél. +1 530 867 45 69 / +1 530 762 11 22, Skype: greyherren (PST), h.herren@biovision.ch
  • Benedikt Haerlin, Ko-Herausgeber, Leiter Berliner Büro Zukunftsstiftung Landwirtschaft, Telefon: +49 173 999 75 55 (CET), haerlin@zs-l.de
  • Molly Anderson*, Autorin, Academic Director, Food Studies Program, Telefon: +1 781 608 9191 (EDT), mollya@middlebury.edu
  • Maria E. Fernandez*, Autorin, Participatory Research International Support Group, Telefon: +393271989692 (CET), m.fernandez@isginternational.org
  • Ivette Perfecto*, Mitglied IAASTD+10 Beratergruppe, Professor of Environment and Sustainability, University of Michigan, Telefon: +1 734-6044331 (CDT), perfecto@umich.edu

 

Unterlagen für Medien zur freien Verwendung (*nur auf Englisch)

  • Kernbotschaften der IAASTD+10 Berater*innen-Gruppe (PDF)
  • Vollständiges Buch (PDF, Englisch)
  • Inhaltsverzeichnis des Buchs (PDF, Englisch)
  • Bild der Titelseite (JPG, hohe Auflösung)

 

Zukunftsstiftung Landwirtschaft (ZSL)
Die ZSL setzt sich für die Förderung ökologischer und agrarökologischer Innovationen und Forschung ein, darunter die Züchtungsforschung zu neuen Sorten für den ökologischen Landbau. Ihr Kampagnenbüro in Berlin befasst sich mit der Agrogentechnik und Biodiversität, der nationalen, europäischen und globalen Ernährungs- und Agrarpolitik und betreibt einen pädagogischen «Weltacker» mit den 45 wichtigsten Kulturpflanzen der Erde. Seit 2009 präsentiert es auf den Webseiten www.weltagrarbericht.de und globalagriculture.org den Weltagrarbericht, seine Kernbotschaften und Folgeberichte.

Website: www.zukunftsstiftung-landwirtschaft.de

 

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Anpassung an den Klimawandel: Agrarökologie als Schlüssel für die Landwirtschaft

Der Klimawandel mit Folgen wie Trockenperioden, Unwettern und Überschwemmungen bedroht weltweit die Existenz von Bäuerinnen und Bauern und damit die Ernährungssicherheit. Die Welter­nährungsorganisation der Vereinten Nationen FAQ und Biovision haben in diesem Zusammenhang mit Beiträgen des Forschungsinstituts für biologischen Landbau FiBL eine Studie veröffentlicht, mit Fokus Afrika südlich der Sahara. Diese belegt, dass die Anwendung agrarökologischer Methoden die Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel erhöht und zum Klimaschutz beiträgt. Die Studie zeigt zu­ dem auf, in welche Richtung sich Ernährungssysteme entwickeln können, um besser gegen den Kli­mawandel gewappnet zu sein.

Die Agrarökologie inklusive Biolandbau bauen auf Schlüsselelementen auf, die mit einer grösseren Anpas­sungsfähigkeit an den Klimawandel einhergehen. Dazu gehören eine verbesserte Bodengesundheit, eine erhöhte Biodiversität und eine hohe Diversifizierung innerhalb landwirtschaftlicher Produktionssysteme. Schliesslich trägt die Agrarökologie auch zum Klimaschutz bei, hauptsächlich durch einen grösseren Anteil von organischer Bodensubstanz (Bodenkohlenstoffsequestrierung), generell geringere Düngeniveaus mit tieferen bodenbürtigen Lachgasemissionen sowie einen verringerten Einsatz synthetischer Düngemittel mit entsprechenden Produktionsemissionen. Das zeigt die im Rahmen der Studie durchgeführte Metaana­lyse zu Agrarökologie und Klimawandel.

 

Stärkung von Bäuerinnen und Bauern

Der Klimawandel stellt Bäuerinnen und Bauern in afrikanischen Ländern südlich der Sahara zunehmend vor Probleme: Unregelmässige Regenzeiten, Dürren, Stürme und Überschwemmungen zerstören ihre Ern­ten, gefährden die Ernährungssicherheit und ganz konkret die Lebensgrundlage der Bauernfamilien. Der Klimawandel erfordert einen Ausbau in Richtung Agrarökologie und die Stärkung der Bäuerinnen und Bau­ern bezüglich Klimaanpassungsfähigkeit. Die Studie zeigt, dass die bäuerlichen Betriebe, welche in Kenia und Senegal an agrarökologischen Projekten teilgenommen haben, widerstandsfähiger gegenüber den Fol­gen des Klimawandels sind. Sie sind besser in der Lage, Krisenzeiten zu bewältigen und für ihre Ernäh­rungssicherheit zu sorgen.

Adrian Müller, FiBL-Mitarbeiter und Co-Autor der Metaanalyse in der Studie, sagt dazu: «Gesunde Böden sind der Schlüssel für eine nachhaltige Landwirtschaft und für Ernährungssysteme, welche mit den Her­ausforderungen des Klimawandels umgehen und Ernährungssicherheit garantieren können. Die Umset­zung der Agrarökologie in die Praxis und der biologische Landbau haben solche gesunden Böden zur Folge und verdienen deshalb umfassende Förderung.»

 

Instrument für die internationale Klimapolitik

Analysiert wurde im Rahmen der Studie auch die Rolle der Agrarökologie in der internationalen Klimapoli­tik: Das Potenzial für eine Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel und einen Beitrag zum Klimaschutz wird zunehmend erkannt. Für die Umsetzung der Agrarökologie mit ihrem systemischen, inter­disziplinären und umfassenden Charakter greifen heutige Gesetze, Politikinstrumente und Strategien je­ doch in der Regel zu kurz. Ein Umdenken im Politikdesign und in den Institutionen ist nötig, um das Po­tenzial der Agrarökologie voll ausschöpfen zu können.

Frank Eyhorn, Geschäftsführer von Biovision, fordert deshalb jetzt konkrete Taten: «Die Fakten lassen sich nicht länger ignorieren. Die Folgen des Klimawandels aber auch der COVID-19-Pandemie zeigen, dass sich unser heutiges Ernährungssystem in einer Sackgasse befindet. Die Entscheidungsträgerinnen und -träger sind jetzt gefragt, die Weichen neu zu stellen – und zwar in Richtung Agrarökologie.»

 

Umsetzungsstrategien in Ausbildung, Beratung und Forschung

Die Studie liefert einige Schlüsselerkenntnisse. Erstens: Es ist genug Wissen vorhanden, um die Agrarökologie und deren Praktiken als Anpassungsstrategie an den Klimawandel zu fördern. Zweitens: Der interdisziplinäre und systemische Charakter der Agrarökologie ist eine Stärke, stellt jedoch besondere Herausforderungen an Politikdesign und Institutionen, um der Agrarökologie gerecht zu werden. Und drittens: Agrarökologie ist wissensintensiv und ihre Umsetzung bedarf entsprechender Strategien zu deren Förderung in Ausbildung, Beratung und Forschung.

 

Weitere Auskünfte:

  • Biovision: Fabio Leippert, Lead-Autor, Tel. +41 (0)78 621 76 74
  • FiBL: Adrian Müller, Tel. +41 (0)62 865 72 52

 

Link zur Studie:

Die vollständige Studie „Das Potenzial der Agrarökologie zur Absicherung gegen Klimawandel und zum Aufbau widerstandsfähiger und nachhaltiger Lebensgrundlagen und Ernährungssysteme“ wurde auf der Website der FAO am 10. August 2020 publiziert und kann unter dem folgenden Link heruntergeladen werden: The potential of agroecology to build climate-resilient livelihoods and food systems (fao.org)

 

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Subsahara-Afrika: Forschungsgelder fliessen grösstenteils in die industrielle Landwirtschaft

Eine neue Studie von Biovision, IPES-Food und dem Institute of Development Studies (IDS) zeigt: Einflussreiche Geldgeber wie die «Bill & Melinda Gates Foundation» sowie staatliche Entwicklungsorganisationen investieren nach wie vor überwiegend in die Forschung für die industrielle Landwirtschaft – ungeachtet der heutigen Erkenntnisse über die immensen Schäden an Menschen und Umwelt, welche diese verursacht hat und weiter verursacht.

Die neu erhobenen Daten zeigen, dass nur ein Bruchteil der Agrarforschung in Subsahara-Afrika dazu dient, Ernährungssysteme nachhaltiger zu gestalten:

  • Nur 3% der Afrika-Projekte der «Bill & Melinda Gates Foundation» – des grössten philanthropischen Investors in der Entwicklungszusammenarbeit im Agrarsektor – fördern nachhaltige, regenerative Ansätze im Sinne der Agrarökologie.
  • 85% der von der Gates Foundation finanzierten Projekte beschränken sich auf die Förderung oder die Effizienzsteigerung der industriellen Landwirtschaft.
  • Nur 13% der Projekte von kenianischen Forschungsinstituten verfolgen agrarökologische Ansätze. Weitere 13% zielen darauf ab, synthetische Inputs durch ökologische zu ersetzen.
  • 51% der von der Schweiz geförderten Projekte haben eine agrarökologische Komponente. Jedoch weist nur eine Handvoll von ihnen systemische Ansätze auf.

 

Agrarökologische Ansätze finden immer mehr Beachtung, insbesondere angesichts des Klimawandels. Auch werden weltweit landwirtschaftliche Betriebe vermehrt nach agrarökologischen Prinzipien umgestaltet. Dies spiegelt sich jedoch nicht in den Geldströmen zur Agrarforschung wider. Angesichts der grossen, von der industriellen Landwirtschaft mitverursachten Probleme, brauche es jedoch dringend einen Wandel, so die Studienautorinnen und -autoren.

Biovision-Präsident Hans R. Herren, Träger des UNO-Welternährungspreises, sagt: «Die meisten Regierungen verfolgen nach wie vor den Ansatz der «Grünen Revolution», im Irrglauben, dass nur durch industrielle Landwirtschaft genügend Nahrung für die Weltbevölkerung produziert werden könne. Dasselbe gilt für die Gates-Stiftung und deren Entwicklungsagentur AGRA. Dieser Ansatz ist aber auf der ganzen Linie gescheitert: bei den Ökosystemen, bei den Bäuerinnen und Bauern, auf dem ganzen afrikanischen Kontinent.»

Herren ergänzt: «Um den multiplen Herausforderungen von Klimawandel, dem Druck auf die Ressourcen Land und Wasser, ernährungsbasierten Gesundheitsproblemen sowie der Covid-19-Pandemie begegnen zu können, brauchen wir den Wandel jetzt! Und er beginnt damit, dass die Geldströme in die Agrarökologie umgelenkt werden.» Um diesen Wandel zu beschleunigen, fordert die Studie Geldgeber zu folgenden Schritten auf: einen Wandel hin zu langfristigen Modellen, die auf einer Zusammenarbeit verschiedener Akteure basieren; Projekte zu lancieren, die von Bäuerinnen und Bauern mitgestaltet werden; vermehrt afrikanische Organisationen zu unterstützen sowie Transparenz zu schaffen, woher die Gelder kommen, wie die Projekte begleitet werden und wie deren Wirkung gemessen wird.

Olivia Yambi, Co-Leiterin von IPES-Food, sagt: «Wir müssen Geldflüsse umlenken und asymmetrische Machtverhältnisse ausgleichen. Auf Grund von wirtschaftlichen Interessen werden in Afrika und andernorts auch weiter landwirtschaftliche Praktiken gefördert, die auf technologische Lösungen bauen. Diese laugen jedoch Böden aus und zerstören so die Lebensgrundlagen. Ausserdem stürzen sie Bäuerinnen und Bauern in die Abhängigkeit von den weltgrössten Agrar-Konzernen. Die Agrarökologie weist einen Weg auf diesem Teufelskreis.»

 

Link zur Studie: Money Flows | Agroecology Info Pool (agroecology-pool.org)

 

Das International Panel of Experts on Sustainable Food Systems (IPES-Food) ist ein unabhängiges Experten-Panel. Es setzt sich für eine Transition hin zu nachhaltigen Ernährungssystemen weltweit ein.

Das Institute of Development Studies (IDS) ist eine globale Forschungsinstitution für Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit ist eine globale Forschungsorganisation für Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit.

 

Folgende Expertinnen und Experten stehen für Interviews zur Verfügung:

 

Weitere Auskünfte (in E, D, F, Es):

  • Mathieu Carey, Communications Manager, IPES-Food
    mathieu.carey@ipes-food.org, Tel. +32 4 56 21 69 21
  • Martin Grossenbacher, Leiter Kommunikation, Biovision
    m.grossenbacher@biovision.ch, Tel. +41 44 512 58 25

 

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Frank Eyhorn wird neuer CEO bei Biovision

Biovision Mitgründer Andreas Schriber übergibt per 1. Januar 2020 die operative Verantwortung als künftigen Geschäftsführer für die Stiftung an Dr. Frank Eyhorn. Andreas Schriber wird ab diesem Zeitpunkt als Delegierter des Stiftungsrates neue strategische und beratende Aufgaben bei Biovision wahrnehmen.

Dr. Frank Eyhorn bringt ausgewiesene Kompetenzen zur Gestaltung nachhaltiger Ernährungssysteme mit, verfügt über langjährige, breite Erfahrung in der nachhaltigen Entwicklungszusammenarbeit und teilt die Werte von Biovision. Frank Eyhorn ist als promovierter Naturwissenschaftler mit seinem gut ausgebauten Netzwerk aus verschiedenen Tätigkeiten, seiner bisherigen beruflichen Laufbahn als auch menschlich hervorragend geeignet, die Geschicke von Biovision in Zukunft zu übernehmen und die Partnerschaften zu pflegen und weiter auszubauen. Dabei kann er auf unser eingespieltes Geschäftsleitungsgremium sowie auf ein hoch professionelles, kompetentes Team von rund 40 Mitarbeitenden zählen. Der Stiftungsrat ernannte Frank Eyhorn an seiner Sitzung Anfang Juli zum designierten Geschäftsführer von Biovision. In dieser Funktion wird er die aktuelle Strategie 2016-2020 mit den drei thematischen Schwerpunkten (Entwicklungsprojekte Afrika; Politikdialog & Anwalt­schaft für nachhaltige Ernährungssysteme; Verantwortung der Schweiz für die Umsetzung der Agenda 2030) weiter um­ setzen sowie die Stiftung in die nächste strategische Entwicklungsphase führen. Er tritt seine neue Aufgabe am 1.1.2020 an.

Der amtierende CEO und Mitgründer Andreas Schriber ist seit 2003 als Geschäftsführer von Biovision tätig. Seitdem entwickelte sich Biovision kontinuierlich weiter – und wurde unter seiner umsichtigen und zielstrebigen Führung zu einer innovativen, nachhaltigen Entwicklungsorganisation mit klarem Profil, beachtlichem Leistungsausweis und soli­dem Partnernetzwerk. Andreas Schriber übernimmt Anfang 2020 als Delegierter des Stiftungsrates neue strategische und beratende Aufgaben bei Biovision.

 

Weitere Auskünfte:

Martin Grossenbacher, Leiter Kommunikation, Biovision – Stiftung für ökologische Entwicklung, m.grossenbacher@biovision.ch, Tel. +41 78 740 32 50

 

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«Es braucht eine mutige Politik, die jetzt rasch Veränderungen anstösst»

Weiter wie bisher ist keine Option. Für die Erreichung der UNO-Nachhaltigkeitsziele durch die Schweiz sind neue Lösungsansätze gefragt. Über hundert «Pioniere des Wandels» rufen deshalb Entscheidungsträger in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zum Handeln auf. Mit dem Bericht «Über Silos hinweg kohärente Politik gestalten» zeigt SDSN Switzerland dem Bundesrat zudem konkrete Handlungsoptionen auf.

Unter dem Titel «Transformation zur Nachhaltigkeit – Eine Gesellschaftsaufgabe» fand heute in Bern die Jahreskonferenz von SDSN Switzerland statt. Um diesen Wandel in der Schweiz auszulösen, haben Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft im Rahmen des innovativen Formats «Learning Journey» neue Sichtweisen und versteckte Realitäten zu Themen wie Zukunft der Mobilität, soziale Nachhaltigkeit in der Quartierentwicklung, Gesunde Ernährung oder Migration im Raum Bern erkundet. In der Folge riefen die verschiedenen Gruppen einerseits zu individuellen Verhaltensänderungen auf – etwa im Migrationsbereich auch persönlich den Austausch mit MigrantInnen zu suchen. Andererseits formulierten sie Erwartungen an die politischen Instanzen, beispielsweise neue Anreize für die Textilbranche zu schaffen, damit diese vermehrt gebrauchte Kleider kreativ weiterverwertet oder Textilien möglichst lokal herstellt. Mit den Learning Journeys will SDSN zudem ein Zeichen setzen: Es braucht nicht nur konkrete Lösungen, sondern auch eine Neugestaltung der Wege dahin.

Neue Pfade sind umso wichtiger, als in den nächsten Monaten in der Schweiz wichtige politische Weichenstellungen anstehen, so zum Beispiel die Neuausrichtung der Entwicklungszusammenarbeit oder die künftige Forschungsförderung. Auf mögliche Lösungswege zur Erreichung der Agenda 2030 angesprochen, meinte Prof. Dirk Messner, Transformationsexperte und Direktor an der Universität der Vereinten Nationen in Bonn: «Wir müssen die Herausforderungen im Bereich Umwelt und Ressourcen mit attraktiven Zukunftsvorstellungen hinsichtlich unseres Wohlbefindens verbinden.» Die soziale Absicherung sei zentral für die Veränderungsbereitschaft der Menschen. Er unterstrich, es brauche eine mutige Politik, die jetzt rasch Massnahmen für eine nachhaltige Entwicklung ergreife. Daniel Dubas, Delegierter des Bundesrats für die Agenda 2030, bestätigte: «Wenn wir jetzt keine mutigen Entscheide treffen, die vielleicht auch ein bisschen weh tun, werden wir wahrscheinlich in einigen Jahren noch viel einschneidendere Entscheide treffen müssen.»

Wie kann die Politik für die Umsetzung der Agenda 2030 kohärente Strategien formulieren? Im Hinblick auf die Neuauflage der bundesrätlichen Strategie Nachhaltige Entwicklung für die Periode 2020 bis 2030 zeigt SDSN Switzerland in seinem an der Konferenz veröffentlichten Bericht auf, dass die Agenda 2030 im Falle der Schweiz bei der Umsetzung beträchtliche Synergiepotenziale bereithält. Damit diese abgeschöpft werden können, bedarf es politischen Willens und Innovationen. Konkret empfiehlt SDSN Switzerland dem Bundesrat und dem neu geschaffenen Direktionskomitee Agenda 2030, vermehrt in Wissen und Konzepte zu Wechselwirkungen zu investieren, Lösungspartnerschaften in- und ausserhalb der Verwaltung aufzubauen, und das Indikatorensystem für nachhaltige Entwicklung zu überprüfen.

 

Bericht «Über Silos hinweg kohärente Politik gestalten» herunterladen

 

Weitere Auskünfte:

  • Océane Dayer, Co-Präsidentin, +41 (0) 76 615 71 70, oceanedayer@gmail.com
  • Urs Wiesmann, Co-Präsident, +41 (0) 76 395 35 09, urs.wiesmann@cde.unibe.ch

 

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Nationalrätin Maya Graf (BL) zur neuen Stiftungsrätin gewählt

Die Baselbieter Grüne Nationalrätin und Biobäuerin Maya Graf wurde neu in den Stiftungsrat von Biovision gewählt. «Unser Leitungsgremium erhält mit Maya Graf eine äusserst qualifizierte, engagierte und gut vernetzte neue Kollegin», freut sich Biovision Präsident Dr. Hans Rudolf Herren.

Maya Graf, Nationalrätin und Biobäuerin wurde als neues Mitglied in den Stiftungsrat von Biovision gewählt. Dr. Hans Rudolf Herren, Präsident von Biovision, ist sehr glücklich über das neue Leitungsmitglied: «Maya Graf setzt sich als Agrarpolitikerin und Biobäuerin und Politikerin seit Jahren kompetent und engagiert für den dringend notwendigen Kurswechsel in der Landwirtschaft ein. Die Förderung agrarökologischer Anbausysteme brauchen wir nicht nur dringend in der Schweiz, sondern weltweit. Ohne diesen können weder der weltweite Hunger, die Armut, der Klimawandel oder der Verlust der Biodiversität verhindert werden. Durch ihre langjährige politische Arbeit ist Maya Graf bestens vernetzt und verfügt über die Erfahrung, die Weichen neu zu stellen. Wir freuen uns deshalb sehr, sie neu bei uns an Bord zu haben.»

Mit Biovision und Hans Herren steht Maya Graf in Verbindung seit ihrem Engagement für die Umsetzung des Weltagrarberichtes (IAASTD), den auch die Schweiz unterzeichnet hat. Diese bisher umfassendste Bestandesaufnahme zur globalen Situation der Nahrungssysteme wurde unter dem Ko-Präsidium von Judi Wakhungu und Hans Herren von 400 internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erarbeitet und 2009 publiziert. Mit ihrem Auftritt als Gastrednerin zum 15jährigen Bestehen von Biovision am Biovision-Symposium 2013 intensivierte sich der Austausch über gemeinsame Themen und Ideen mit Biovision. Die Wahl von Maya Graf in das neu siebenköpfige Gremium basiert somit auf einem – thematisch und persönlich – gegenseitigen Interesse. Die neue Stiftungsrätin freut sich denn auch sehr auf das neue Tätigkeitsfeld: «Wollen wir alle Menschen gesund und nachhaltig ernähren, müssen wir unbedingt in eine ökologische, gentechfreie und bäuerliche Landwirtschaft investieren. Biovision zeigt ganz konkret, vor Ort, wie Kleinbauernfamilien im Süden mit Biolandbau-Methoden mehr, bessere und vielfältigere Lebensmittel produzieren können.»

Maya Graf wurde am 28.2.1962 in Sissach (BL) geboren und wuchs dort auf dem elterlichen Bauernhof auf. Heute wirkt Maya Graf auf dem familieneigenen Bio-Bauernhof der Hofgemeinschaft mit. Sie ist verheiratet mit Niggi Bärtschi und hat zwei erwachsene Kinder. Seit 2001 ist Maya Graf Nationalrätin und Mitglied der Bundeshausfraktion der Grünen, die sie 2009- 2010 präsidierte. Im Jahre 2013 hatte Maya Graf als erste Grüne überhaupt das Amt der Nationalratspräsidentin inne. Sie war lange Jahre in der Wissenschafts-, Bildungs- und Kulturkommission WBK tätig. Nun ist sie Mitglied in der Kommission für Soziale Sicherheit und Gesundheit SGK, der Geschäftsprüfungskommission und der Geschäftsprüfungsdelegation des Nationalrates. Maya Graf engagiert sich seit vielen Jahren erfolgreich für eine gentechfreie nachhaltige Schweizer Landwirtschaft (als Präsidentin der SAG Schweizer Allianz Genteichfrei von 2001 bis 2016) und für den Tierschutz. Sie ist Co-Präsidentin von Hochstamm-Suisse und Stiftungsrätin der ProSpecieRara. Seit November 2014 ist Maya Graf auch die Co-Präsidentin von alliance F, dem Bund der Schweizer Frauenorganisationen.

 

Weitere Auskünfte:
Martin Grossenbacher, Leiter Kommunikation
Tel: +41 44 512 58 25, Mobile +41 78 740 32 50, Email: m.grossenbacher@biovision.ch

 

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Sounding Soil – Weltpremiere der Soundinstallation von Marcus Maeder

Sounding Soil macht die Vielfalt an Leben unter unseren Füssen hör- und erlebbar. Am 20. Oktober wird die Klanginstallation am Zentrum Paul Klee in Bern erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Kunstprojekt ist auch ein inter- und transdisziplinäres Forschungsprojekt zum besseren Verständnis von Bodenökosystemen. Biovision will mit dem Projekt auf die zunehmende Gefährdung unserer Lebensgrundlage, den Boden, aufmerksam machen.

«Aus reiner Neugier habe ich vor zwei Jahren unsere Sensoren, die wir zur Aufzeichnung von Geräuschen in Bäumen verwenden, einmal in den Boden gesteckt», erklärt Marcus Maeder, Klangkünstler, Forscher und Komponist an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK), die Anfänge. «Das Resultat war eindrücklich: Die Vielfalt der Klangwelt unter dem Boden ist gewaltig.» Mittlerweile ist daraus ein inter- und transdisziplinäres Forschungs- und Kunstprojekt entstanden, in dem die Akustik von Bodenökosystemen untersucht wird. Bereits wurden in der Schweiz über 20 Bodenflächen aufgenommen. Von intensiv und extensiv genutzten Landwirtschaftsflächen, über Alpweiden bis zu Waldböden. Zu hören sind u.a. Bodentiere wie Springschwänze, Hundertfüsser, Käfer, Regenwürmer, Spinnen und Heuschrecken. Die Klanginstallation macht jetzt diese Töne erstmals allen Interessierten zugänglich. Premiere von Sounding Soil ist am Samstag 20. Oktober im Zentrum Paul Klee in Bern.

Angesichts von Klimawandel und einer wachsenden Erdbevölkerung wird die Nahrungsmittelsicherheit immer wichtiger. Gesunder Boden ist als Grundlage für die Ernährung und Artenvielfalt entscheidend. Für Sounding Soil wurden deshalb spezielle Aufnahme- und Messmethoden entwickelt, mit dem Ziel, Aktivität und Biodiversität in Böden künftig einfach und schnell akustisch messen und beurteilen zu können. Daran sind beispielweise Bauern interessiert, die vom Boden leben. Eine Masterarbeit im Forschungsprojekt Sounding Soil dazu führt zurzeit Annalena Tinner, Studentin der Agrarwissenschaften an der ETH Zürich, durch: «Das Interesse der Bäuerinnen und Bauern, ihrem Boden zuzuhören ist gross», bringt sie ihre Erfahrungen auf den Punkt. «Bei den meisten Landwirt und Landwirtinnen besteht ein grosses Bedürfnis nach zusätzlichen Informationen und Instrumenten, um ihren Boden weiter nachhaltig zu verbessern.»

«Im Gegensatz zur Luftverschmutzung oder sauberem (Trink) Wasser sind die Menschen kaum darauf sensibilisiert, worauf ihr Essen wächst», sagt Sabine Lerch, Projektleiterin bei der Stiftung Biovision für ökologische Entwicklung. Tatsächlich hat die Fläche an gesunden Böden in der Schweiz in den letzten Jahrzehnten dramatisch abgenommen. Durch intensive Bewirtschaftung, den Einsatz von Mineraldüngern und chemischen Pflanzenschutzmitteln sowie durch Verdichtung verlieren Böden ihre Fruchtbarkeit. Erste Ergebnisse von Sounding Soil zeigen einen Unterschied zwischen extensiv und intensiv bewirtschafteten Böden. Während Aufnahmen aus Bioböden dank zahlreicher Bodenlebewesen einen vielfältigen Klangteppich liefern, herrscht in einem konventionellen Zuckerrübenfeld oder einem Acker für Industriekartoffeln Stille. Der Verlust an gesunden Böden wirkt sich auch negativ in Bezug auf den Klimawandel aus, da nachhaltig bewirtschaftete Böden eine höhere Widerstandskraft haben und sie für neue klimatische Bedingungen anpassungsfähiger sind und ausserdem helfen, Treibhausgase zu reduzieren. «Die Sensibilisierung der Bevölkerung für gesunden, natürlichen Boden muss deshalb jetzt verstärkt werden», formuliert Sabine Lerch das Anliegen von Biovision.

Deshalb wird im Frühling 2019 die nächste Stufe von Sounding Soil lanciert: Ein Citizen Science Projekt mit Beteiligung der Öffentlichkeit (interessierte Personen nehmen mit Leih-Geräten selber Bodengeräusche auf), durch das die Landkarte der Bodentöne der Schweiz und damit die Erkenntnisse über die akustische Beschaffenheit der Böden erweitert werden.

Sounding Soil ist ein Kooperationsprojekt der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK, der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL, der Nationalen Bodenbeobachtung NABO an der Agroscope, der ETH Zürich und der Stiftung Biovision für ökologische Entwicklung.

 

Bild, Video- und Tonmaterial zu Sounding Soil zum Download steht Ihnen hier zur Verfügung.

 

Parallel zur Installation Sounding Soil zeigt das Zentrum Paul Klee die Ausstellung Paul Klee. Tierisches (19.10.18 – 17.03.19), kuratiert von den Kuratorinnen Fabienne Eggelhöfer und Myriam Dössegger.

 

Weitere Auskünfte:

Martin Grossenbacher, Leiter Kommunikation Biovision, Stiftung für ökologische Entwicklung, m.grossenbacher@biovision.ch, T +41 78 740 32 50

Maria-Teresa Cano, Leiterin Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit Kunstmuseum Bern – Zentrum Paul Klee, press@zpk.org, T +41 31 328 09 44

 

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Nach Fair-Food-Nein: Wir bleiben gemeinsam dran!

Obwohl eine Mehrheit der Stimmbevölkerung die Fair-Food-Initiative abgelehnt hat, stösst das Ziel von umweltschonenden und regional produzierten Lebensmitteln weiterhin auf breite Zustimmung. Jetzt sind der Bundesrat und Parlament gefordert, bei fairen Handelsbeziehungen, dem ressourcenschonenden Umgang mit Lebensmitteln und der Verwirklichung eines nachhaltigen Ernährungssystems vorwärts zu machen.

Das Nein zur Fair-Food-Initiative entbindet die Schweiz – und im Besonderen die erfolgreichen Initiativgegner – nicht von ihrer Verantwortung, die Nachhaltigkeitsziele der UNO bis 2030 umzusetzen. Gerade bei den SDGs 2 „Kein Hunger & Nachhaltige Nahrungssysteme“ und 12 „Nachhaltige Produktions- und Konsummuster“ – wichtige Ziele auch für Biovision – hinkt die Schweiz hinterher. Unser ökologischer Fussabdruck, der auch im Ausland entsteht, ist zu gross. Die Fair-Food-Initiative hätte diesem Anliegen dringend notwendigen Schub verliehen. Die Angst vor höheren Lebensmittelpreisen wurde von den Initiativgegnern massiv geschürt. Fakt ist aber, dass der Konsument und Steuerzahler im Laden nur knapp die Hälfte der Kosten trägt. Jüngst hat der liberale Think Tank Avenir Suisse aufgedeckt, dass die volkswirtschaftlichen Gesamtkosten der Schweizer Landwirtschaft 20 Mrd. Franken pro Jahr betragen. Die Kosten an der Umwelt (Biodiversitätsverluste, Stickstoffüberschüsse oder Treibhausgasemissionen), welche insbesondere bei konventionell produzierten Lebensmitteln nicht eingerechnet sind, machen mit 7.3 Mrd. Franken den grössten Anteil aus – noch weit vor den Bundes-Subventionen (3.8 Mrd.) oder dem Grenzschutz (3.7 Mrd.). Unser Fazit daraus: Nachhaltig produzierte Lebensmittel werden gegenüber umweltschädlichen Produkten benachteiligt.

Bereits Ende Jahr bietet sich die Möglichkeit, die heutigen Mängel zu beseitigen und den Kurswechsel in der Landwirtschaft einzuläuten: Dann kommt nämlich die Agrarpolitik 2022-2025 in die Vernehmlassung. Im Gegensatz zur laufenden Agrarpolitik muss die AP22-25 folgende Punkte wirksam angehen: Reduktion des Pestizid-Einsatzes – die Schweiz versprüht europaweit am meisten Pflanzenschutzmittel pro Hektar; Senkung der Nährstoffzufuhr aufgrund importierter Futtermittel; Erreichung der Umweltziele Landwirtschaft, die vor 10 Jahren (!) verabschiedet wurden.

Biovision wird sich im Rahmen der Agrarallianz, aber auch im engen Austausch mit den rund 60 Organisationen, welche sich für ein Fair-Food Ja zusammengeschlossen haben, für ein nachhaltiges Ernährungssystem einsetzten, welches im Sinne der UNO-Agenda 2030 wirtschaftliche Vernunft, soziale Gerechtigkeit und ökologische Verantwortung vereint.

 

Weitere Auskünfte
Michael Bergöö, Leiter Programm Schweiz
Tel. +41 78 687 74 17 Email: m.bergoo@biovision.ch

 

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Einmalige Chance zur Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft für die Schweiz

SDSN Switzerland begrüsst die heutige Vorstellung des Schweizer Län-derberichts zur Umsetzung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung durch Bundesrätin Doris Leuthard an der UNO in New York. Bundesrat und Parlament sind jetzt aber gefordert, aufbauend auf dem Länderbericht und der ausführlichen Bestandsaufnahme die richtigen Stellschrauben für eine weitsichtige Nachhaltigkeitspolitik zu betätigen. SDSN Switzerland – das Schweizer Lösungsnetzwerk für nachhaltige Entwicklung – stellt in seinem heute veröffentlichten Bericht konkrete Handlungsempfehlungen vor.

Mit Blick auf wichtige anstehende politische Geschäfte haben Bundesrat und Parlament in den kommenden Monaten die Gelegenheit, die Weichen auf Nachhaltigkeit zu stellen und eine zukunftsfähige Schweiz mitzugestalten. Damit dies gelingt empfiehlt SDSN Switzerland u.a. folgende Massnahmen:

  • Im Rahmen der Legislaturplanung und der Strategie Nachhaltige Entwicklung 2020-2023 sind die Wechselwirkungen zwischen Sektoralpolitiken sowie zwischen Innen- und Aussenpolitik ins Zentrum zu stellen (Stichwort: Politikkohärenz). Mit der Offenlegung von Synergien und Zielkonflikten zwischen den einzelnen Politikfeldern können Umsetzungsstrategien priorisiert und abgeleitet werden, die möglichst wenige Folgekosten für künftige Generationen verursachen und mehrere SDGs gleichzeitig erreichen.

  • Im Rahmen der Botschaft zur Förderung von Bildung, Forschung und Innovation 2021-2024 ist die Forschung zu Nachhaltigkeit und Transformation als eigenständiger Bereich der Forschungsförderung zu stärken.

  • Eine weitsichtige Nachhaltigkeitspolitik muss an zentraler Stelle koordiniert und gesteuert werden. Der Bundesrat soll deshalb eine über den Bundesämtern angesiedelte Organisationseinheit schaffen und diese mit den notwendigen Ressourcen ausstatten. Zudem sollen Bundesrat und Parlament ein Begleitgremium von Expert/innen für nachhaltige Entwicklung einsetzen. So kann das Wissen für die notwendigen Transformationen gestärkt werden.

  • Mit Blick auf das Wahljahr 2019 ruft SDSN Switzerland alle politischen Parteien und deren Kandidatinnen und Kandidaten auf, die SDGs mutig ins Zentrum ihrer Strategien zu stellen und innovative Beiträge zur Umsetzung der Agenda 2030 voranzubringen.

Die griffige Umsetzung der Agenda 2030 liegt im ureigenen Interesse der Schweiz, da sie sich auf Schüsselanliegen unserer Zukunftsfähigkeit und unserer Rolle in der Welt bezieht. Dazu Michael Bergöö, Geschäftsleiter von SDSN Switzerland: «Erfolgreiche Nachhaltigkeitspolitik braucht das Engagement aller Akteure. Die Agenda 2030 ist in weiten Kreisen der Wirtschaft, Wissenschaft und bei zivilgesellschaftlichen Organisationen angekommen. Jetzt ist es an der Politik, im Sinne des Gemeinwohls zusammenzurücken. Sie ist aufgerufen, an einer nachhaltigen Schweiz zu arbeiten, die nötigen Transformationsprozesse einzuleiten und dabei die Gesellschaft als Ganzes miteinzubeziehen.» Ungleich verteilter Wohlstand und Armut, Kriege und Flucht, Klimawandel und das Überschreiten der planetaren Belastungsgrenzen – für all diese Herausforderungen bietet die Agenda 2030 einen Rahmen, um als Weltgemeinschaft gemeinsam Lösungen zu suchen.

Handlungsempfehlungen von SDSN Switzerland: Stellschrauben für die nachhaltige Zukunft der Schweiz

 

Weitere Auskünfte:

Michael Bergöö, Geschäftsleiter SDSN Switzerland,
+41 78 687 74 17, m.bergoo@biovision.ch

 

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Bundesrat erkennt Potenzial der Agenda 2030 (noch) nicht

Biovision ist über den Bericht „Die Umsetzung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung durch die Schweiz“, welcher der Bundesrat heute verabschiedet hat, enttäuscht. Der Wille der Landesregierung für eine echte Nachhaltigkeitspolitik ist weiterhin nicht erkennbar. Der Bundesrat verpasst es, sowohl die Herausforderungen der Schweiz auf dem Weg in eine nachhaltige Zukunft klar zu benennen, als auch die Chancen, welche sich aus der Agenda 2030 für Wirtschaft, Forschung und Gesellschaft ergeben, aufzuzeigen.

Der Länderbericht der Schweiz an das Hochrangige Politische Forum für Nachhaltige Entwicklung (HLPF) der UNO im Juli bietet die Gelegenheit, einerseits auf das bisher Erreichte zurückzublicken, andererseits die Konturen einer künftigen und weitsichtigen Nachhaltigkeitspolitik zu zeichnen. Der heute vom Bundesrat vorgelegte Bericht bleibt hinter diesen Erwartungen zurück.

Die genannten Herausforderungen für die Schweiz, beispielsweise im Bereich unseres Konsumverhaltens und dessen Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft, sind längstens bekannt. Überfällig ist die Nennung konkreter Massnahmen, mit denen der Bundesrat gedenkt, die Lücken der Zielerreichung bis 2030 zu schliessen. Ein schwerwiegendes Defizit ist es zudem, dass bezüglich Umsetzung der Agenda 2030 die Wechselwirkungen zwischen Sektoralpolitiken sowie Innen- und Aussenpolitiken nicht im Zentrum stehen (Stichwort: Politikkohärenz). Das Aufzeigen von Synergien und Interessenskonflikten bei der Umsetzung der Agenda 2030 ist aber unabdingbar, um daraus transformative Massnahmen abzuleiten, welche gleichzeitig zur Erreichung mehrerer SDGs beitragen.

Vorbereitend auf den Bericht hat die Bundesverwaltung im Sommer 2017 eine umfassende Bestandesaufnahme mit der Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft vorgenommen, an welcher sich auch Biovision beteiligt hat. Die Erkenntnisse daraus haben den Weg in den Bericht allerdings äusserst spärlich gefunden: Die offizielle Schweiz legt auf gerade mal 26 Seiten den Fortschritt bei der Umsetzung der Agenda 2030 dar. Damit steht dieser «Kurzbericht» im Widerspruch zur prägenden Rolle, welche die Schweiz über mehrere Jahre bei der Ausarbeitung der Agenda 2030 wahrgenommen hat.

Mit Blick auf eine beschleunigte Umsetzung der SDGs ruft Biovision den Bundesrat und Parlament auf, die Anforderungen der Agenda 2030 in kohärenter Weise in den anstehenden innen- und aussenpolitischen Geschäften abzubilden und zu einer weitsichtigen Nachhaltigkeitspolitik zu verknüpfen. Dies betrifft namentlich die Strategie Nachhaltige Entwicklung 2020-2023, welche sowohl die inländische Umsetzung wie auch das aussenorientierte Handeln aufnehmen sollte, sowie stark verflochtene Sektoralpolitiken wie die Agrarpolitik 2022+. Von besonderer Relevanz sind die kommenden Botschaften über die internationalen Zusammenarbeit 2021-2024 sowie jene zur Förderung von Bildung, Forschung und Innovation 2021-2024.

Biovision wird sich zusammen mit Partnern – insbesondere dem Sustainable Development Solutions Network (SDSN) Switzerland, der zivilgesellschaftlichen Plattform Agenda 2030 und der Agrarallianz – dafür einsetzen, dass die notwendigen Transformationsprozesse aufgegleist werden.

 

Weitere Auskünfte:
Michael Bergöö, Leiter Programm Schweiz
Tel: +41 78 687 74 17 Email: m.bergoo@biovision.ch

 

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Bundesrat provoziert aufreibenden Abstimmungskampf

Biovision bedauert den heutigen Entscheid des Bundesrats auf den Verzicht eines indirekten Gegenvorschlags zur Trinkwasser-Initiative. Damit verpasst der Bundesrat die Chance, dem starken Anliegen der Bevölkerung nach einer ökologischen und pestizidfreien Landwirtschaft Rechnung zu tragen. Mit Blick auf die zukünftige Agrarpolitik der Schweiz wird sich Biovision dafür einsetzen, dass trotz des heutigen Entscheids der Kurswechsel hin zu einer ökologischen Landwirtschaft in der Schweiz schneller vorankommt.

Biovision ist über den heutigen Entscheid des Bundesrats enttäuscht, für die Eidgenössische Volksinitiative «Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung – Keine Subventionen für den Pestizid- und den prophylaktischen Antibiotika-Einsatz» (Trinkwasser-Initiative) keinen Gegenvorschlag zu unterbreiten. Der rasche Sammelerfolg der Initianten und das anhaltend grosse Medienecho zeigen, dass die Qualität des Trinkwassers generell sowie der hohe Pestizideinsatz im Speziellen die Bevölkerung beschäftigen. Der Bundesrat ignoriert damit seine eigene Einsicht, die er im Bericht «Natürliche Lebensgrundlagen und ressourceneffiziente Produktion» (Bericht in Erfüllung des Postulats 13.4284 Bertschy vom 13. Dezember 2013) noch gezeigt hat: « Das Umweltrisiko durch Pflanzenschutzmittel muss weiter gesenkt werden. Das Ziel ist nicht erreicht.» Damit nimmt der Bundesrat einen aufreibenden Abstimmungskampf in Kauf, der anstatt zu konstruktiven Lösungen zu einer Vertiefung des Grabens zwischen der Landwirtschaft und der Bevölkerung führen kann.

Der Entscheid ist zudem bedeutungsvoll, wenn man ihn im Zusammenhang mit der Rückweisung der Gesamtschau des Bundesrats zur mittelfristigen Weiterentwicklung Agrarpolitik 2022+ durch den Nationalrat von letzter Woche betrachtet. Offensichtlich wurde zwischen Bauernverband, CVP, SVP, Teilen der Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK) und dem Bundesrat ein Deal geschlossen: Die Trinkwasser Initiative soll ohne Gegenvorschlag rasch dem Volk vorgelegt und gemeinsam auf ein Nein hingearbeitet werden. Nach einer allfälligen Ablehnung soll das Ergebnis als Carte Blanche für ein Weiter-wie-bisher in der Ökologiefrage dienen und als Druckmittel bei den Verhandlungen zur künftigen Agrarpolitik nach 2022 eingesetzt werden. Daran ändert auch die heute vorgeschlagene Massnahmen-Strategie, welche sich inhaltlich und terminlich mit den Arbeiten zur Agrarpolitik nach 2022 überschneidet, wenig.

Biovision vertritt demgegenüber die Meinung, dass weder der heutige Entscheid des Bundesrats noch die Rückweisung der Gesamtschau durch den Nationalrat einen Marschhalt hin zu einem nachhaltigen Nahrungssystem und der konsequenten Ausrichtung der Landwirtschaft auf die Ziele der UN Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung legitimieren. Ebenso wenig können sie als Vorwand vorgeschoben werden, bestehende Verfassungsaufträge (z.B. Artikel 104a „Ernährungssicherheit“), Gesetze und Reduktionsziele (beispielsweise die Umweltziele Landwirtschaft, UZL) nicht wie geplant zügig und konsequent umzusetzen.

 

Weitere Auskünfte:
Michael Bergöö, Leiter Programm Schweiz
Tel: +41 78 687 74 17 Email: m.bergoo@biovision.ch

 

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Lancierung SDSN Switzerland: «Wir müssen das riesige Potenzial für nachhaltige Lösungen sofort nutzen»

Was kostet es, die Schweiz wirklich nachhaltig zu gestalten? Und welche Verantwortung trägt unser Land international, um die Nachhaltigkeitsziele der UNO zu erreichen? 250 Teilnehmer/innen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Think Tanks und der Zivilgesellschaft diskutierten diese Fragen an der Lancierungs-Konferenz des Netzwerks Sustainable Development Solutions Network Switzerland. Bertrand Piccard unterstrich in seiner Rede: «Wir müssen bei der Umsetzung von Nachhaltigkeit nicht primär von Kosten sprechen, sondern von den versteckten Chancen, die wir derzeit nicht nutzen.»

Schweizer Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft sind gefordert: Bis Juli 2018 legt der Bundesrat einen Bericht vor, wo und wie die Schweiz ihren Beitrag leisten wird, um die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) umzusetzen. Diese sind das Kernstück der globalen Agenda 2030 der UNO. Eine wichtige Rolle kommt in diesem Prozess dem Dialog und Wissensaustausch der verschiedenen Akteure zu: Diese haben sich 2017 in einer breiten Allianz zusammengeschlossen, dem Schweizer Ableger des Sustainable Development Solutions Network (SDSN).

Anlässlich dessen Lancierung am 15. Februar 2018 in Bern unterstrichen die Co-Vorsitzenden von SDSN Switzerland, Océane Dayer von Swiss Youth for Climate und Urs Wiesmann, emeritierter Professor der Universität Bern: «Die Agenda 2030 stellt zwar eine Herausforderung dar. Sie bietet aber auch zahlreiche Chancen und Anreize für die hiesige Wirtschaft, Forschung, Politik und Zivilgesellschaft, um mit innovativen Lösungen eine tatsächlich nachhaltige Entwicklung aufzugleisen.» Diese gelte es jetzt zu nutzen. Als Beispiel nannte Dayer unter anderem das CO2-Gesetz. «Bei dessen Neuverhandlung müssen wir uns auf die Vorteile konzentrieren, die sich für alle Sektoren daraus ergeben.» Bertrand Piccard veranschaulichte dies mit dem Hinweis auf seinen Flug um die Welt ohne einen Tropfen Benzin: «Die technischen Lösungen sind grundsätzlich vorhanden: Statt dieses riesige Potenzial sofort auszuschöpfen, moderne Arbeitsplätze zu schaffen und in umweltschonende Systeme zu investieren, verstrickt man sich in der Schweiz heute zu sehr in politischen Schuldzuweisungen.»

Die Schweiz stehe aber auch weltweit mit in der Verantwortung, sagte Urs Wiesmann. «Mit Blick auf unseren Konsum und den damit verbundenen Ressourcenverbrauch im Ausland gilt es, künftig innen- und aussenpolitische Strategien klarer aufeinander abzustimmen.» Das heisse auch, dass Synergien und Interessenskonflikte zwischen verschiedenen Sektoralpolitiken berücksichtigt werden müssen, so die Forderung von SDSN Switzerland. Das Netzwerk, das derzeit 18 institutionelle Mitglieder hat, wird noch dieses Jahr entsprechende Projekte starten, darunter eines zu nachhaltigem Konsum und Produktion.»

 

Weitere Auskünfte:
Océane Dayer, +41 76 615 71 70, oceane.dayer@syfc.ch;
Urs Wiesmann, +41 76 395 35 09, urs.wiesmann@cde.unibe.c

 

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Offener Brief an Bundesrat Schneider-Ammann: Handelsabkommen mit Indonesien darf kein Palmöl enthalten

Palmöl muss aus dem Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und Indonesien ausgeschlossen werden. Dies fordern Schweizer Umwelt-, Menschenrechts-, Konsumenten- und Bauernorganisationen in einem offenen Brief an Bundesrat Johann Schneider-Ammann.

Palmöl ist der Knackpunkt im Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und Indonesien, das kurz vor dem Abschluss steht. Der grossflächige Palmölanbau in Indonesien und der Handel des günstigen Pflanzenfetts führen zu massiven Umweltschäden sowie zu Menschenrechts-, Land- und Arbeitskonflikten. Eine breite Koalition von Schweizer NGOs und bäuerlichen Organisationen fordert deshalb zusammen mit der indonesischen Menschenrechts- und Umweltorganisation WALHI in einem offenen Brief an Bundesrat Schneider-Ammann und die indonesische Regierung, Palmöl aus dem Freihandelsabkommen auszuschliessen.

Im Brief warnt die Koalition vor den Folgen, sollte Palmöl mit dem Handelsabkommen vergünstigt in die Schweiz importiert werden: Jedes Signal für eine erhöhte Nachfrage nach Palmöl führe zu weiterem Landraub, zu Vertreibungen der lokalen Bevölkerung und zu gravierenden Umweltschäden. Ein Handelsabkommen sei der falsche Ort, um die Probleme rund um Palmöl zu lösen. Die beteiligten Organisationen fordern deshalb einen offenen Dialog, um das Thema demokratisch, transparent und ganzheitlich anzugehen.

Die unterzeichnenden Organisationen stellen im Brief klar, dass schwache und auf Freiwilligkeit basierende Zertifikate wie RSPO (Roundtable on Sustainable Palmoil) als Rechtfertigung für Zollsenkungen nicht akzeptabel sind. Sie verweisen dabei auf die vor wenigen Tagen bekannt gewordene Beschwerde gegen RSPO, die indonesische Dorfbewohner beim Kontaktpunkt der OECD in der Schweiz eingereicht haben. Zudem warnen die Organisationen, ein gestiegener Palmölimport werde empfindliche Einkommenseinbussen für Schweizer Kleinbauern zur Folge haben, die vom Verkauf ihres Raps- oder Sonnenblumenöls abhängig sind.

 

Rückfragen und weitere Informationen:
Miges Baumann, Leiter Entwicklungspolitik, Brot für alle;
baumann@bfa-ppp.ch; 079 489 38 24

Andrea Koch, Leiterin Kommunikation, Schweizerischer Getreideproduzentenverband
andrea.koch@fspc.ch; 076 216 11 20

Irena Wettstein, Leiterin Kommunikation, PanEco;
irena.wettstein@paneco.ch; 052 354 32 34

 

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