«Am liebsten wäre ich in allen drei Regionen dabei, weil ich die Prozesse sehr spannend finde», Johanna Herrigel wird diesen Frühling mit besonderer Aufmerksamkeit die Treffen im Baselbiet, im Zürcher Säuliamt und in der Waadt verfolgen, wo Menschen aus Landwirtschaft, Handel, Gastronomie, Politik und Verwaltung zusammenkommen: «Gemeinsam wollen sie konkrete Lösungen entwickeln, um ihr Ernährungssystem nachhaltiger zu machen», erklärt Herrigel.
«Umsetzung lernt man erst im Konkreten»
Beim Projekt Region zu Tisch arbeiten drei Organisationen zusammen, finanziert wird es von mehreren Stiftungen. Das bedeutet einen enormen Informations‑ und Koordinationsaufwand für die 40‑jährige Projektverantwortliche: «Es ist eine Rolle, die mir sehr zusagt: Menschen zusammenbringen, gemeinsam Lösungen erarbeiten und sich gegenseitig ergänzen.»
Dass sie diesen Überblick hat, liegt an ihrem ungewöhnlich breiten Engagement. Herrigel lebt Agrarökologie auf allen Ebenen: national begleitet sie mit Biovision die anstehende Vernehmlassung der Agrarpolitik 2030, welche die Landwirtschaft der kommenden Jahre bestimmen wird, regional im Projekt, lokal in ihrer eigenen Nachbarschaft. Sie ist Mitglied in einer Genossenschaft, wo sie Gemüse anbaut, und setzt sich vielfältig für mehr Nähe zwischen Produzierenden und Konsumierenden ein. Diese praktische Erfahrung bereichert wiederum ihre Arbeit bei Biovision. «Natürlich kann man Ernährungsstrategien beschliessen, aber was es für die Umsetzung braucht, lernt man erst im Konkreten», sagt sie.
Wenn Johanna Herrigel über Ernährung spricht, tut sie das mit leuchtenden Augen. Sie hat Politikwissenschaften und internationale Beziehungen studiert, sich danach auf globale Agrarmärkte konzentriert und in Wirtschaftsgeografie promoviert. Zu Biovision ist sie vor bald drei Jahren gestossen: «An Biovision hat mich begeistert, dass sich die ganze Organisation der agrarökologischen Transformation widmet: in der Schweiz, auf internationaler Ebene und in Partnerschaften mit Organisationen in Ostafrika.»
Die Energie für ihr berufliches Engagement holt sie sich draussen: «Ich bin sehr gerne in der Natur, egal ob am Spazieren, Joggen, Wandern, Velofahren und im Winter Schnee‑ schuhwandern oder Skifahren. Das gibt mir Energie. Wenn ich mehrere Tage nicht mehr draussen war, werde ich kribbelig.»
Partizipativer Ansatz entscheidend
Dass Region zu Tisch partizipativ durchgeführt wird, ist kein Zufall: «Es funktioniert nicht, wenn wir von aussen kommen und den Beteiligten sagen, was sie tun sollen. Diese Menschen arbeiten täglich für das Ernährungssystem und wissen am besten, was in ihrer Region gut funktioniert, wo die Hürden sind und was als erstes angegangen werden muss, um auf einen Wandel hinzuwirken.»
Sie freut sich, wenn Regionen mutig vorangehen. «Auf nationaler Ebene ist die Agrarpolitik blockiert. Aber wenn Menschen lokal gemeinsam Lösungen entwickeln, kann daraus ein Wandel entstehen.» Und Johanna Herrigel trägt dazu bei, dass aus einer Vision Schritt für Schritt Wirklichkeit werden kann.
Mehr zum Projekt «Für eine agrarökologische Schweizer Ernährungspolitik».