«Heute haben wir genug zu essen»

Von

Peter Lüthi, Biovision

Janet Dzimiri, Kleinbäuerin aus Simbabwe, konnte nach dem Tod ihres Mannes die Familie nicht mehr ernähren. Die Wende kam, als ihr Jona Mutasa, ebenfalls Kleinbauer in Simbabwe, von einer neuen Maisanbaumethode erzählte.
JAnez Dzimiri, Bäuerin
Janet Dzimiri, Bäuerin in Masvingo, Simbabwe

Janet Dzimiris Lachen ist herzlich und unwiderstehlich. Doch es verschwindet jäh, wenn sie von früher erzählt. «Unser Leben war sehr hart», flüstert die 49-jährige Bäuerin und vierfache Mutter. «Wir litten oft Hunger. Zu essen gab es nur abends.» Als vor 19 Jahren ihr Mann verstarb, war der Tiefpunkt erreicht. Der Betrieb gab zu wenig her zum Leben, die Familie musste bei anderen Bauern arbeiten und Geld verdienen, um über die Runden zu kommen. Nur dank der Unterstützung von Hilfswerken konnte Janet Dzimiri ihre Kinder in die Schule schicken. Drei von ihnen sind heute ausgeflogen und leben in Südafrika. Eine Tochter ist geblieben und hilft ihr, vier Nichten und drei Neffen aufzuziehen. Deren Eltern, sagt Janet Dzimiri, seien krank gewesen, immer schwächer geworden und schliesslich gestorben.

«Kompost ist eine gute Sache»

Mit Jona Mutasa kam die Wende. Janet Dzimiri lernte den Kleinbauern aus ihrer Region in einem Kompostierungskurs kennen. «Kompost ist eine gute Sache», erklärt sie, «aber er nützte leider nicht gegen das Unkraut Striga und die Stängelbohrermotte, die meinem Mais stark zusetzten.» 2007 wurde sie eingeladen, bei Jona Mutasa und seiner Frau die Push-Pull-Methode gegen diese Schädlinge kennenzulernen. Gemeinsam mit einer Bauerngruppe – mehrheitlich Frauen – absolvierte Janet Dzimiri die Ausbildung. Am Ende erhielt sie Desmodiumund Elefantengrassamen und stellte ihren Anbau um auf die Push-Pull-Methode. «Seither sind meine Ernten sehr viel besser», sagt sie. «Heute haben wir genug zu essen. Wenn es genügend regnet, kann ich so viel Mais ernten, dass ich sogar noch davon verkaufen kann.»

Es geht endlich aufwärts

Aus den Nutzpflanzen Desmodium und Elefantengras produziert Janet Dzimiri nahrhaftes Heu. Damit bringt sie zwei Ochsen, eine Kuh und ein Kalb durch die Trockenzeiten. Und auf ihrem Hof tummelt sich eine bunte Schar Federvieh. So schafft sie es heute aus eigener Kraft, allen Pflegekindern den Schulbesuch zu ermöglichen. Nach den schwierigen Jahren geht es endlich aufwärts im Leben der Familie Dzimiri. Damit ist sie kein Einzelfall: Insbesondere Bäuerinnen profitieren in Simbabwe von den Vorzügen der Push-Pull-Methode – 75 Prozent der Ausgebildeten sind Frauen, sehr viele von ihnen Witwen. Sie alle hegen Hochachtung und Dankbarkeit für Jona Mutasa und Rosewiter Chikupe, die sich die Unterstützung der Kleinbauern in Simbabwe zur Lebensaufgabe gemacht haben. Auch Janet Dzimiri sagt: «Ich weiss gar nicht, wie ich den beiden meine Dankbarkeit ausdrücken soll.»

Einen grossen Wunsch aber hegt die tapfere Frau stets in ihrem Herzen: «Es wäre schön, wenn meine eigenen Kinder aus Südafrika zurückkämen und hier neu beginnen würden.» Eine leise Hoffnung, dass dieser Wunsch in Erfüllung gehen wird, besteht: Mit Push-Pull kann sie ihnen eine Perspektive bieten, als Bäuerinnen und Bauern erfolgreich zu sein.

Mehr zu Jona Mutasa und Roswiter: Kleinbauern auf der Überholspur

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