Ein freudiges Raunen ging durch den grossen Saal mit den 500 Gästen im Zürcher Volkshaus, als Hans R. Herren per Video-Call aus den USA zugeschaltet wurde. Der Gründer von Biovision und Stiftungsratspräsident hätte liebend gerne selbst vor Ort teilgenommen. Jedoch war eine Ausreise aus den USA in der aktuellen politischen Situation zu heikel.
Begrüsst wurde er von Anders Gautschi, Geschäftsleiter von Biovision, der durch die Veranstaltung «Vom Feld ins Quartier» führte. Herren berichtete von seinen Erfahrungen als Bio-Bauer in Kalifornien: «Früher waren hier alles Mandelbäume. Die haben wir weggenommen und einen Biobetrieb aufgebaut mit Früchten, Gemüse und – Enten! Jetzt habe ich selbst erlebt, wie teuer und zeitaufwändig es ist, einen Betrieb zu zertifizieren. Und trotzdem habe ich die Preise meiner Produkte, die ich auf dem Markt frisch verkaufe, nicht erhöht.» Herren betonte auch, wie wichtig es sei, den Kontakt zwischen Bäuerinnen und Bauern sowie Konsumierenden aufzubauen und zu verstärken: «Das Vertrauen, dass die Produkte auf gesunde Weise hergestellt sind, benötigt Zeit, um wachsen zu können.» Er forderte, statt die Bioprodukte durch die Zertifizierung zu verteuern, sollten die Preise von konventionellen Produkten auch die Kosten für Umwelt und Gesundheit berücksichtigen.















«Gemüse und viele Früchte im Überfluss»
Beispielsweise in Kenia, wo Benedetta Kyengo, Gründerin der Biovision-Partnerorganisation «Feedback to the Future» sich für agrarökologische Anbaumethoden engagiert. In Nairobis Armenviertel Viwandani aufgewachsen, erinnert sie sich noch heute an den Hof ihrer Grossmutter in der Region Makueni: «In ihrem blühenden Waldgarten gediehen Gemüse und Früchte im Überfluss. Doch die sogenannte Grüne Revolution hat alles geändert: Aus dem Waldgarten wurde eine Monokultur für Mais und Bohnen. Das hat meinen Kindheitstraum zerstört. Meiner Grossmutter habe ich gesagt, dass ich ihren Waldgarten wieder zurückbringen werde.» Heute motiviert Kyengo Bäuerinnen und Bauern in Makueni, ihre Felder in synthropische Agroforste zu verwandeln.
Wie diese Lebensmittel von Makueni dank dem Biovision Projekt «Urban Nutrition» in Nairobis Armenviertel Viwandani Abnehmer:innen finden, zeigte Hannah Kigamba vom «Diabetes Awareness Trust». Die grösste Herausforderung sei zu Beginn das fehlende Wissen gewesen: «In Viwandani nehmen ernährungsbedingte Krankheiten zu. Denn die Menschen haben kaum Kenntnisse über den Zusammenhang zwischen Ernährung und ihrer Gesundheit.» Billiger Junk-Food sei weit verbreitet, während gesundes Essen als zu teuer beurteilt wird und bislang schlicht nicht zugänglich war. Ihrer Organisation gelingt es, die Zusammenhänge aufzuzeigen und die Menschen für gesunde Ernährung zu sensibilisieren. Heute erfreuen sich die Lebensmittel aus Makueni im Armenviertel grosser Beliebtheit. «Alle möchten gesund sein», erklärt Kigamba.
Gemeinsam den Anbauplan erstellen
Aber auch in der Schweiz gibt es gute Beispiele, bei denen Ernährung das Land und die Stadt verbindet. Beispielsweise im Kanton Graubünden, wo das Kantonsspital in Chur eine Partnerschaft mit dem Biohof Tadi in Bonaduz eingegangen ist. Auch da gab es laut Marcel Coray, Bereichsleiter für Hotellerie und Service, einige Herausforderungen: «Wir müssen flexibel bleiben, auch wenn wir unsere Menu-Planung über Wochen im Voraus machen. Das Wichtigste ist: Das Küchen-Team muss mitmachen. Ansonsten bin ich wie ein Trainer, der einsam auf dem Platz steht.» Bauer Peter Brasser betonte die partnerschaftliche Zusammenarbeit: «Die Anbauplanung machen wir gemeinsam. Dabei schauen wir, welche Produkte haben im letzten Jahr die Anforderungen erfüllt, welche nicht. Und dann blicken wir nach vorne: Was will die Küche überhaupt und in welcher Menge ungefähr.» Von dieser Zusammenarbeit unseres Leuchtturms Sustineri profitieren letztlich beide Seiten: Sie ermöglicht faire Bedingungen für den Bauern und gesunde, regionale Lebensmittel für die Spitalküche.
Zum Schluss appellierte Maya Graf, Stiftungsrätin von Biovision, Ständerätin und Biobäuerin in ihrer Rede an das Publikum: «Wir müssen unbedingt gemeinsam dranbleiben und die Anliegen für eine nachhaltige zukunftsfähige Land- und Ernährungswirtschaft, die auf agrarökologischen Prinzipien beruht, in die Agrarpolitik 2030+ einbringen.»
Fazit:
Nur eine umweltverträgliche Landwirtschaft kann dauerhaft gesunde Lebensmittel hervorbringen. Biovision hat am Symposium geeignete Lösungsansätze gezeigt. «Ein wohltuend erfrischender Anlass», meinte ein Besucher noch beim Hinausgehen am Ende der Veranstaltung.