Jeden Tag schliessen in der Schweiz drei Bauernhöfe – und das seit über 30 Jahren. Mit jedem Betrieb geht nicht nur landwirtschaftliche Produktion verloren, sondern auch Wissen, handwerkliche Fertigkeiten und Kultur. Wenn wir bäuerliche Landwirtschaft erhalten wollen, braucht es neue Formen des Wirtschaftens: sozial, ökologisch und solidarisch. Eine Landwirtschaft im Dienste der Gesellschaft; eine, die es Bäuerinnen und Bauern ermöglicht, würdevoll zu leben, gesunde und zugängliche Lebensmittel zu produzieren und unsere natürlichen Ressourcen zu schützen.
Um diese Perspektive politisch sichtbar zu machen, haben sich in der Romandie mehrere Organisationen zusammengeschlossen – zum Mouvement pour une agriculture paysanne et citoyenne (MAPC).
Marie Brault
Marie Brault vom Mouvement pour une agriculture paysanne et citoyenne (MAPC).
Projektleiterin für das Diagnostic Agriculture Paysanne (DAP)
Grundlage ist das Diagnostic Agriculture Paysanne (DAP), ein Analysetool französischen Ursprungs, das auf über 20 Jahren Erfahrung beruht und 2024 für die Schweiz angepasst wurde. Es unterstützt Betriebe dabei, ihre Arbeitsweise zu reflektieren, die ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Leistungen sichtbar zu machen und Entwicklungspotenzial zu benennen: Werden Ressourcen fair verteilt? Natürliche Kreisläufe respektiert? Wird Wissen weitergegeben? Die Resultate schaffen Raum für Austausch – innerhalb der Landwirtschaft und der Gesellschaft.
Auch im Kanton Waadt wird das Instrument derzeit im Rahmen eines Projekts mit Biovision eingesetzt – mit dem Ziel, bäuerliche Stimmen zu stärken und partizipative Prozesse zu fördern. Das DAP zeigt, was es braucht, damit bäuerliche Landwirtschaft zum Rückgrat zukunftsfähiger Ernährungssysteme wird. Denn die Frage, wie wir Landwirtschaft betreiben und uns ernähren, ist letztlich auch die, wie wir künftig leben wollen – und wie die Höfe der Schweiz nicht nur eine Geschichte, sondern auch eine Zukunft haben.