«Wir brauchen die Pflanzen – sie brauchen uns nicht.»

Von

Florian Blumer, Biovision (Text) und Christophe Carisey (Bild)

Françoise Sergy ist Künstlerin und Gärtnerin, Pflanzen sind ihre Passion. Alles, was sie besitzt, ist ein Haus im jurassischen Sainte-Croix. Sie hat beschlossen, dass sie es Biovision vermachen wird.

«In meinem Berufsleben habe ich mich zweimal so richtig verliebt», sagt Françoise Sergy. Dafür, dass sie kurz vor der Pensionierung steht, versprüht sie noch viel jugendliche Energie – dazu eine grosse Portion britischen Charme. Geboren wurde die Künstlerin und Gärtnerin in der Schweiz, in Sainte-Croix im Waadtländer Jura. Dort besitzt sie ein Häuschen, das sie einst dank einer Erbschaft kaufen konnte. Bereits mit 18 ist sie von zu Hause weggezogen, nach London, zu ihrer ersten grossen Liebe: dem Tanz. Sie absolvierte die London School of Contemporary Dance. In der englischen Hauptstadt lebt sie noch heute.

Die zweite Liebe traf sie dann mit 40. «Als Tänzerin bekommst du mit dem Älterwerden immer mehr Verletzungen», sagt sie. «In diesem Alter musst du dir etwas überlegen.» Fotografie und Kunst hatte sie bereits für sich entdeckt als eine alternative Ausdrucksform zum Tanz. Doch damit konnte sie ihre Rechnungen nicht bezahlen. Sie hatte bemerkt, dass viele in ihrem Umfeld einen Garten besassen, aber keine Zeit hatten, ihn zu unterhalten. Also bot sie sich als Gärtnerin an. Sie realisierte jedoch: «Ich weiss nichts über Pflanzen.» Also begann sie eine Ausbildung in Gartenbau. Und je mehr sie lernte, desto mehr verliebte sie sich.

«An den Pflanzen liebe ich, wie verschieden sie von uns Menschen sind. Wir brauchen sie – sie brauchen uns nicht», sagt sie. «Wir reissen sie aus, schneiden sie in Stücke, essen sie – sie lassen es mit sich geschehen.» Im Garten des Hauses, in dem ihr Partner lebt, hat sie sich ein kleines Paradies erschaffen. «Ich würde nicht so weit gehen und für Pflanzen das Wort glücklich verwenden», sagt sie. «Aber ich schaue, dass ich ein diverses, gutes Umfeld schaffen kann, in welchem sie gedeihen können.» Und doch sieht sie die Lebewesen in ihnen: «Wenn ich Pflanzen porträtiere, stelle ich sie dar, wie ich Menschen darstelle: in ihrer Individualität, um ihren wahren Charakter zu zeigen.»

Die Klimakrise und ihre Folgen für Mensch und Umwelt beschäftigen Françoise Sergy stark. Eines Tages beschloss sie, die keine eigenen Nachkommen hat und auch kein Vermögen, ihr Haus in der Schweiz in Form eines Legats einer NGO zu vermachen. Im Internet stiess sie auf Biovision und fand gleich eine zentrale Gemeinsamkeit zu ihrer Arbeit: «Auch ich nähere mich Pflanzen in meiner Arbeit auf eine ganzheitliche Art.»

Sie schätze, so Sergy, dass Biovision sowohl Projekte in Subsahara-Afrika unterhält wie auch hier ansetzt, bei unserem Konsum. «Ich bin voll und ganz überzeugt vom Ansatz der Agrarökologie, wie ihn Biovision propagiert. Denn es ist offensichtlich: Wir müssen unser Ernährungsverhalten ändern.»

Über ihre Kunst wird Françoise Sergy weiter schon zu Lebzeiten ihren Teil beitragen, die Transformation der Ernährungssysteme voranzutreiben. Daneben wird sie auch nach ihrer Pensionierung einen Tag die Woche als Gärtnerin arbeiten, denn die Pension reicht nicht zum Leben. Doch, so sagt sie gut gelaunt: «Es fühlt sich ja nicht wie eine Pflicht an – eher wie Liebe.»

Mehr über Françoise Sergys Kunst: francoisesergy.uk

Weitere Beiträge

Landwirtschaft

Altes Getreide, neue Stärke 

Mehr und mehr Vielfalt in den Getreidearten verschwindet. Auch in der Schweiz. Die Getreidezüchtung Peter Kunz (gzpk) will das verhindern. Sie arbeitet in partizipativen Projekten mit Landwirtinnen und Landwirten daran, altes Wissen und moderne Forschung zu verbinden – etwa beim fast vergessenen Getreide Emmer. Ein Gespräch mit Emmerzüchter Felix Jähne über Vielfalt, bäuerliche Erfahrung und die Landwirtschaft der Zukunft.
Märkte, Politik

Die nächste Tür für Agrarökologie öffnet sich

Das African Food System Forum (AFSF) ist einer der einflussreichsten Treffpunkte für die Zukunft afrikanischer Ernährungssysteme. Lange war die Debatte vor allem von Konzernen und grossen Geldgebenden geprägt. Im 2025 war Biovision erstmals dabei und konnte erreichen, dass Agrarökologie offiziell mit einem eigenen Programmpunkt vertreten war – ein Meilenstein und ein Zeichen dafür, dass sich mit viel Geduld und Hartnäckigkeit auch die schwersten Türen öffnen lassen.
Konsum, Landwirtschaft

Landwirtschaft stärken: mit Allianzen und Analysen

Die bäuerliche Landwirtschaft steht unter Druck: In der Schweiz schliessen seit Jahrzehnten täglich Bauernhöfe. Im Kommentar erklärt Expertin Marie Brault, Projektleiterin beim Mouvement pour une agriculture paysanne et citoyenne (MAPC), weshalb neue Allianzen und fundierte Analysen nötig sind, um Wissen, Kultur und Zukunftsperspektiven zu sichern.
Landwirtschaft

«Die Lupine wäre hervorragend geeignet für den Anbau in der Schweiz»

Biovision hat die Lupine zum Superfood des Jahres 2026 gekrönt. Züchterin Miriam Kamp erklärt, warum die Pflanze so viel Potenzial hat, wo die Herausforderungen sind und wie neue Sorten den Durchbruch schaffen.