Wichtige Schritte für eine verbesserte Tiergesundheit

Von

Peter Lüthi, Biovision Projektreporter

Wenn Ziegen, Schafe, Rinder oder Kamele krank sind, leiden auch deren Besitzer. Im ländlichen Afrika sind Viehhalter in dieser Situation meist komplett auf sich alleine gestellt. Das soll im Projekt „Kamele für Dürregebiete“ in Kenia verbessert werden.

Immer wenn die Hirten aus den endlosen Weiten bei Kula Mawe im Isiolo County mit ihren Herden zur Tränke kommen, ist Ali Hakano schon da. Der Fünfunddreissigjährige hat viel Erfahrung und Wissen über das Vieh. Mit geübtem Blick beobachtet er die einzelnen Tiere und spricht mit den Hirten. Wenn er Krankheitssymptome oder Verletzungen ausmacht, erkundigt er sich genau, untersucht die betreffenden Tiere und behandelt sie, wenn immer möglich. Dann zieht er sein Smartphone aus der Tasche, macht Bilder und tippt Antworten in einen virtuellen Fragebogen auf dem Handy. All das sendet er umgehend an einen Tierarzt beim County Veterinärdienst. Anhand dieser Informationen und der Bilder kann der Veterinär in Isiolo eine Ferndiagnose machen und Ali wenn nötig für die sachgerechte Krankheitsbehandlung anleiten.

Reporter über Tierkrankheiten

Ali Hakano ist einer von 18 „Community Disease Reporter“ (CDR) im Isiolo County im Nordosten Kenias. Diese ehrenamtlichen Reporter für Tierkrankheiten wurden im Rahmen des Gemeinschaftsprojektes „Kamele für Dürregebiete“ von Biovision und Vétérinaire sans Frontières Suisse (VSF) ausgebildet. Ziel der Aktion ist einerseits, dass die Veterinärbehörden ihren Überblick über das Vorkommen von Tierkrankheiten verbessern können. Anderseits soll fundiertes Wissen über Tierkrankheiten und moderne Behandlungsmöglichkeiten zu den Viehhaltern in die abgelegenen Gebiete des Isiolo Countys getragen werden.

Tradition mit neuem Wissen ergänzen

Zwar verfügen die Tierhalter und insbesondere Zugehörige von Hirtenvölkern in Ostafrika über viel Erfahrung und traditionelles Wissen. Dennoch existieren Lücken bezüglich der Krankheitsursachen des Viehs und moderner Behandlungsmöglichkeiten. Insbesondere die Gefahren von Krankheitsübertragungen von Tieren auf Menschen, sogenannte Zoonosen, sind oft zu wenig bekannt. Dieses Wissen – zusammen mit wirksamen Heilmitteln und Medikamenten ist jedoch entscheidend für die Gesundheitsbetreuung und das Wohl des Viehs und der Menschen. Mit einer schnellen und richtigen Krankheitsdiagnose und korrekter Behandlung könnte das Leiden für die Tiere, der wirtschaftliche Schaden für die Kleinbauern und Zoonosen vermindert werden.

Win-win für alle Beteiligten

Mit dem Projekt wird seit anfangs 2017 von den beteiligten Gemeinden, den Veterinärbehörden des Isiolo County, Biovision und VSF ein System zur Überwachung, Meldung und Kontrolle von Tierkrankheiten aufgebaut. Dank der Berichte der CDR aus den Dörfern erlangt der County-Veterinärdienst in Isiolo Kenntnis über das Vorkommen von Tierkrankheiten in den beteiligten Dörfern. Insbesondere beim Auftreten von Tierseuchen erhalten die Behörden die Chance, schnell zu handeln und die Ausbreitung frühzeitig zu stoppen. Zugleich profitieren die Tierhalter und Hirten in den teils sehr abgelegenen Gemeinden von der Unterstützung der CDR. Dank der Ausbildung der Reporter gelangt zeitgemässes Wissen über Tierkrankheiten und Tierpflege in die ländlichen Gebiete.

Herausforderungen angehen

Muktar Kadubata, CDR und Tierhalter aus Boji ist jedenfalls sehr zufrieden mit seiner Ausbildung. „Früher konnte ich etliche Krankheiten nicht wirklich erkennen“, sagt er. Im Kurs habe ich gelernt, die verschiedenen Symptome zu unterscheiden, die Krankheit zu bestimmen und die richtigen Massnahmen zu ergreifen. Allerdings sieht er auch Herausforderungen für das Projekt. „Mein Einsatz ist ehrenamtlich“, bemerkt er. Da er aber eine eine Familie zu ernähren habe, könne er sich für die Aufgabe als CDR nicht immer die nötige Zeit nehmen. Auch bei den Veterinärbehörden besteht noch Handlungsbedarf, etwa bei Überwindung von Lieferengpässen für Medikamente. Auch wünschen sich die Tierhalter vermehrte Präsenz von Tierärzten in den abgelegenen Dörfern. Mit dem Projekt wurde ein wichtiger Anfang gemacht. Der Ball liegt nun bei den Verantwortlichen vor Ort.

Mehr zum Kamelprojekt in unserem aktuellen Newsletter Nr. 46.

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