«Sounding Soil macht neugierig!»

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Interview: Laura Angelstorf, Online Kommunikation & Multimedia

Regula Gutierrez, Klavierlehrerin an der Kantonsschule Uster ZH, und ihr Partner Branko Previsic, pensionierter Bio-Bauer, haben das Biovision-Projekt Sounding Soil ausprobiert – und zum ersten Mal in ihrem Leben gehört, wie der Boden ihres Gartens tönt.

Frau Gutierrez, wie kamen Sie dazu, in Ihren Boden zu hören?

Regula Gutierrez: Ich konnte vor gut zehn Jahren in Schottikon ZH ein Grundstück kaufen mit grosser Magerwiese. Mein Lebenspartner Branko hat Beete angelegt und ich begann, Heilpflanzen zu züchten. Als ich dann einen Zeitungsbericht über das Projekt «Sounding Soil» las, wurde ich sofort neugierig. Ich nahm Kontakt zu Biovision auf, und wenig später konnten wir in unseren Boden hören.

Wie war das für Sie?

Regula Gutierrez: Es war faszinierend, derart viele unterschiedliche Geräusche zu hören. Je nach Standort waren sie mehr oder weniger intensiv, manchmal war es sogar komplett still. Im Kompost und unter der Wiese, die wir so wenig wie möglich mähen, waren die Geräusche sehr intensiv. Im Gemüsebeet hingegen, wo die Erde natürlich häufig bearbeitet wird, war quasi nichts zu hören. Die Geräusche sind für mich eine Bestätigung dafür, dass es sich lohnt, im Garten ohne Chemie zu arbeiten – sonst wäre wohl gar nichts mehr zu hören.

Herr Previsic, welche Bedeutung hat der Boden für Sie?

Branko Previsic: Die meisten Menschen wissen nur wenig über den Boden. Würde man auf der Strasse wahllos Menschen nach der Bedeutung von Humus fragen, würden wohl viele an das leckere Kichererbsenmus denken und nicht über Bodenqualität sprechen. Dabei ist der Aufbau von Humus das Wichtigste, um einen Garten nachhaltig zu bewirtschaften und gesund zu erhalten.

Was tun Sie dazu in Ihrem Garten?

Branko Previsic: Ich nutze Mikroorganismen und Pflanzenkohle, um Humus aufzubauen, und das schon seit 30 Jahren. Statt gegen Schädlinge Insektizide einzusetzen, schaffe ich Räume für Nützlinge. Mein besonderer Stolz sind die Blindschleichen und Feuersalamander. Seitdem ich ihnen Rückzugsorte schaffe mit Gehölz oder Dachziegeln, habe ich keine Probleme mehr mit Schnecken.

Was überzeugt sie am Sensibilisierungsprojekt Sounding Soil?

Regula Gutierrez: Es macht die Leute neugierig! Sounding Soil ist endlich einmal ein Zugang zur Materie, der nicht oberlehrerhaft ist, sondern einfach spannend und faszinierend! Es ist eine positive Art, die unterschiedlichsten Menschen anzusprechen. Ich als Lehrerin fände es auch wichtig, das Thema in den Schulen bekannt zu machen. Viele Jugendliche waren noch nie wirklich auf einem Bauernhof. In der Schule ist vieles sehr kopflastig. Das Erleben in der Natur ist aber mindestens so wichtig, wie über Büchern zu sitzen und zu studieren. Sounding Soil bietet die Möglichkeit, eine neue Beziehungsebene zum Boden zu erschliessen.

Programm Schweiz

2019 setzte sich das Programm Schweiz von Biovision gemeinsam mit der jungen Bewegung «Landwirtschaft mit Zukunft» verstärkt für eine ökologische, regenerative und klimagerechte Landwirtschaft in der Schweiz ein. Im Frühling 2019 führte das Sustainable Development Solutions Network (SDSN) Switzerland sechs Learning Journeys für Universitäten, Forschungszentren, Organisationen und Unternehmen durch. Die Teilnehmenden erhielten unter anderem einen vertieften Einblick in die Herausforderungen einer gesunden und nachhaltigen Ernährung. Gemeinsam wurde im Anschluss nach innovativen Lösungen gesucht. Mit unserer interaktiven Ausstellung CLEVER sensibilisierten wir Schülerinnen und Schüler, Studierende und Erwachsene in Zürich, Wädenswil ZH, Wattwil SG und Muttenz BL für nachhaltigen Konsum. Mit dem Projekt Sounding Soil gaben wir dem Boden eine Stimme – indem wir interessierte Personen mit einem Mikrofon ausstatteten und ihnen damit ermöglichten, den Boden unter ihren Füssen zu belauschen.

Eine Kuh weidet unter ein paar Bäumen auf einer satten Wiese.

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