Simpel, aber effektiv gegen Malaria

Von

Simon Gottwald, Biovision

Im Rahmen des Projekts «Stopp Malaria» hat Biovision mit ihrer Partnerorganisation icipe eine neue Methode zur Malaria-Prävention getestet. Eine wissenschaftliche Auswertung zeigt: Die einfache Methode ist äusserst erfolgreich.

Die Bekämpfung der Malaria hat in den letzten Jahren grosse Fortschritte gemacht. Weltweit ging die Todesrate seit der Jahrtausendwende um 60 Prozent zurück. Aber noch immer ist die Krankheit, die durch Anopheles-Mücken übertragen wird, eine der tödlichsten Infektionskrankheiten. Mit der zunehmenden Resistenz der Mücken stossen die bisherigen Massnahmen an ihre Grenzen – für das weitere Zurückdrängen der Malaria braucht es neue Methoden.

Den Mücken den Zutritt verwehren

Eine solche Methode ist das «House Eave Screening». Dabei wird an den Häusern der bis zu 10 cm breite Spalt zwischen Wand und Dach, die so genannte Traufe, mit Netzen abgedichtet. Die Moskitos, welche bevorzugt nachts in den Häusern zuschlagen, werden so am Eintritt gehindert, die Bewohner vor dem gefährlichen Stich geschützt. Die Massnahme wurde von den Mitgliedern des lokalen Vereins MOCON (Mosquito Control Nyabondo) im kenianischen Nyabondo umgesetzt und von Wissenschaftlerinnen des Internationalen Insektenforschungsinstituts icipe in Kenia begleitet (siehe den Beitrag im Newsletter 51, August 2018, S.6) Die Datenauswertung des icipe zeigt: die Malaria-Rate ging in den abgedichteten Häusern deutlich zurück. Verglichen mit Kontroll-Häusern, die keine Netze an den Traufen hatten, reduzierte sich das Risiko um fast 80%. Die Studie wurde kürzlich im Malaria Journal veröffentlicht.

Menschen dichten ein Haus ab gegen Malariamücken
Die Spalte zwischen dem Dach und der Hauswand wird mit Netzen abgedichtet, um die Anopheles-Mücken abzuhalten. (Bild: Peter Lüthi / Biovision)

Eine Methode – viele Vorteile

Auch die Rückmeldung der Bewohner war durchweg positiv. Zwar ist das Eave-Screening verglichen mit anderen Malaria-Präventionsmassnahmen wie Bettnetzen etwas teurer. Die meisten Bewohner zeigten sich aber bereit, für die Verbesserung ihrer eigenen vier Wände etwas mehr Geld auszugeben. Dies auch weil sie gleichzeitig vor den Stichen anderer Plagegeister geschützt werden. Die Methode des Abdichtens hat den Vorteil, dass sie ohne synthetische Insektizide auskommt. Und sie hat dazu das Potential, lokale Wertschöpfung zu generieren. Projektleiter Prof. Clifford Mutero vom icipe berichtet, dass die Moskito-Scouts von MOCON planen, das handwerkliche Abdichten der Häuser den anderen Dorfbewohnern als bezahlten Service anzubieten.

Mitarbeiter vom Gesundheitsamt in Malindi zeigt syntethische Pestizide von Syngenta gegen Malariamücken
Achmed Abdalla vom lokalen Gesundheitamt in Malindi, Kenia, hat die vom Staat erhaltenen synthetischen Pestizide im Schrank weggesperrt.

Insektizide verschwinden im Giftschrank

Ein weiterer Vorteil gegenüber den weit verbreiteten Bettnetzen: Alle Bewohner eines Haushalts werden geschützt, und nicht nur jene, die unter den begrenzt verfügbaren Netzen schlafen. Prof. Mutero warnt aber: «Keinesfalls soll das Eave-Screening die sehr wirksamen Bettnetze ersetzen. Wir sagen den Leuten ganz klar, dass trotzdem alle im Haus unter Netzen schlafen sollen». Das Eave Screening ist eine zusätzliche Barriere, eine weitere Massnahme im Werkzeugkasten des Integrierten Vektor-Managements (IVM). Die Idee dabei ist, Malaria mit einer Kombination von lokal angepassten Methoden unter Kontrolle zu bekommen.

Auch um der Resistenzproblematik Herr zu werden setzt sich Biovision dafür ein, dass die Malaria-Bekämpfung mit synthetischen Insektiziden mit alternativen Methoden ergänzt wird. In Malindi, Kenia, zum Beispiel stiessen wir damit auf offene Ohren. Achmed Abdalla vom lokalen Gesundheitamt zeigte unserem Projektreporter Peter Lüthi bei dessen Besuch, wo für ihn das synthetische Insektizid, das er vom Staat erhalten hat, hingehört: weggesperrt in den Giftschrank – dorthin hatte er es versorgt, um zu verhindern, dass es in Haushalten versprüht wird.

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