Die UNO-Nachhaltigkeitsziele:
Ist die Schweiz auf Kurs?

Von

Andreas Obrecht, ehemaliger Bereichsleiter SDSN Switzerland

Die Schweiz hat durch ihre Importe und Investitionen einen überproportionalen Einfluss auf die weltweite Zielerreichung der UNO-Nachhaltigkeitsziele.

Die Mitgliedsstaaten der UNO sind aufgefordert, alle paar Jahre auf freiwilliger Basis über die nationalen Fortschritte zu den globalen Nachhaltigkeitszielen (SDGs) Bericht zu erstatten (Voluntary National Reviews). Zuletzt tat dies die Schweiz mit ihrem ersten Länderbericht am High-Level Political Forum (HLPF) 2018 der UNO.

Warum die Messung der Fortschritte schwierig ist

Um die Fortschritte im Erreichen der SDGs zu messen, wird auf UNO-Ebene ein System entwickelt, jedoch ist dieses nur schwer auf Länderebene anwendbar. Viele der Daten, die in das Messsystem einfliessen, werden lediglich global erhoben. Jedes Land steht deshalb in der Pflicht ein eigenes System aufzubauen. Die Schweiz wendet ihr eigenes Monitoringsystem für nachhaltige Entwicklung an, das MONET 2030. Monet ist etabliert und aussagekräftig, jedoch wird es dem systemischen und globalen Ansatz der SDGs nur eingeschränkt gerecht. Es ist deshalb gut, wenn Schweizer Länderberichte durch weitere quantitative und qualitative Informationen ergänzt werden.

Parallel zu den offiziellen Evaluationen und den Länderberichten wird die Erreichung der SDGs durch unabhängig erstellte internationale Berichte wie dem Sustainable Development Report von SDSN Global evaluiert. Solche Berichte sind bezüglich ihrer Aussagekraft und Stringenz umstritten, geben aber wichtige Impulse. So steht zum Beispiel die Schweiz bezüglich der Zielerreichung im Bericht von SDSN Global sehr weit oben (Rang 15), hat aber einen überproportional negativen Einfluss auf die Zielerreichung anderer Länder. In dieser Hinsicht landet die Schweiz auf dem viertschlechtesten Rang. Nur Singapur, Guyana und Luxemburg stehen noch schlechter da.

Evaluationen müssen in die Politik einfliessen

Berichte über den Stand der Umsetzung der SDGs sollten in die politische Diskussion und Entscheidungsfindung einfliessen. Die Schweiz wird in ihrer neuen «Strategie Nachhaltige Entwicklung 2030» jene Schritte festhalten, die zum Erreichen der Nachhaltigkeitsziele nötig sind. Sie ist derzeit in Erarbeitung und fokussiert sich thematisch auf «Konsum und Produktion», «Energie, Klima und Biodiversität» und «Chancengleichheit». Im Herbst 2020 soll eine breite Vernehmlassung durchgeführt werden. SDSN Switzerland wird sich daran beteiligen und ein besonderes Augenmerk auf die Aspekte Politikkohärenz, Einbezug der Zivilgesellschaft, Fragen der notwendigen Ressourcen für die Umsetzung der Agenda 2030 und Stärkung der Umweltdimension legen. In diesen Bereichen hat die Schweiz den grössten Nachholbedarf, vor allem hinsichtlich ihrer hohen globalen Umweltbelastung.

Messbar zu machen, ob ein Ziel erreicht ist, braucht verlässliche Daten

Datenbasierte Aussagen darüber wo wir im Erreichen der SDGs stehen sind eine wichtige Entscheidungsgrundlage für Zivilgesellschaft, Unternehmen, Staat und Forschung. Sie dienen der Kommunikation mit einer breiten Öffentlichkeit und der Gestaltung von Massnahmen. Deshalb organisiert SDSN Switzerland zusammen mit dem Bundesamt für Statistik am 27. August 2020 einen öffentlichen Anlass zur Fortschrittsmessung der SDGs in Genf. Der Anlass ist eine Station der «Road to Bern», eine Veranstaltungsserie zur Vorbereitung des United Nations World Data Forum 2021 welches von Sonntag, 3. bis Mittwoch, 6. Oktober 2021 in Bern stattfindet und von der Schweizerische Eidgenossenschaft in Zusammenarbeit mit der UNO organisiert wird.

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