Mikrobetriebe in der Romandie: Utopie oder Agrarmodell mit Zukunft?

Von

Alessandra Roversi, Biovision

In der Westschweiz entwickeln sich Mikrobetriebe, die allmählich besser untersucht werden. Diese innovativen Betriebe verstehen es, agroökologische Methoden und Kurzschlüsse zu nutzen.

Am Feldrand liegen Fahrräder, junge Frauen und Männer arbeiten in der Sonne. Am Horizont verschmelzen Stadt und Land – von der Autobahn bis zur spektakulären Alpenkulisse. Guillaume Sommer, 27, der zusammen mit Arthur Turin « A la Belle Courgette » in Bussigny (VD) gegründet hat, gibt Mitgliedern dieses Vereins für regionale Vertragslandwirtschaft (RVL) Anweisungen zum Jäten der Gemüsebeete.

«Heute ist die schweizerische Landwirtschaft auf grosse Familienbetriebe ausgerichtet», erklärt Guillaume. «Wir schlagen ein umgekehrtes Modell vor: Mikrobetriebe ohne Familiennachfolge.» Die biologisch bewirtschaftete Gemüseanbaufläche von 4500 m² gründet auf einem Konzept, das zu Beginn der 2000er Jahre in Québec seinen Anfang nahm, sich in Frankreich gut entwickelt hat und in der Westschweiz am Wachsen ist.

Hier wird dichter gepflanzt als in der konventionellen Landwirtschaft, um die Erträge nach den Grundsätzen von Permakultur und Agrarökologie zu steigern, sprich: Anbausystem ohne Traktor, Kulturrotation zur Vermeidung der Ausbreitung von Schädlingen und zum Schutz des Bodens, keine synthetischen Chemikalien. Die Ernte wird wöchentlich verteilt an 60 Familien in Lausanne, die ein Jahresabonnement besitzen und jeweils mehrere halbtägige Arbeitseinsätze leisten.

A la Belle Courgette: ein neues ABC der landwirtschaftlichen Berufe

Guillaume erklärt: «Die Arbeit auf dem Feld ist eine körperliche Tätigkeit – oft geht aber vergessen, dass es auch eine grosse mentale Herausforderung ist und viele Kenntnisse braucht.» Mit weiteren Mikrobetrieben in der Romandie und der Unterstützung von FiBL und Agridea trägt Guillaume zu einem Projekt bei, das zum Ziel hat, Ausbildungen anzubieten und ausführliche Literatur zu verfassen. «Wir können über noch so viele wissenschaftliche Ausbildungen verfügen», sagt Guillaume, der im Besitz eines Masters in Agronomie der HAFL in Zollikofen (BE) ist, Arthur hat einen Master in Wald- und Landschaftsmanagement der ETH Zürich vorzuweisen. «Uns fehlt einfach die Zeit, um unsere Tests auszuwerten und funktionelle Modelle zu reproduzieren, um damit den Austausch unter Gemüseanbauenden zu vereinfachen.»

Der Begriff Nachhaltigkeit trifft ins Schwarze, denn diese Strukturen sollen machbar und erlebbar sein, und zwar aus ökologischer, aber auch aus gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Sicht. Guillaume möchte künftig seine Zeit ausgewogen aufteilen, um einerseits einen Kurs zu diesem formellen Austausch zu entwickeln und andererseits seinen Freizeitbeschäftigungen als glücklicher Städter nachzugehen. Während solche Jungunternehmer als «Neo-Rurale» bezeichnet werden, sind sie ebenso «Neo-Urbane», die es uns ermöglichen, unsere Beziehungen bezüglich Produktion und Lebensmittelkonsum in der Stadt und auf dem Land zu überdenken.

Der lokale Gemüsekorb steht für engagiertes Handeln

Die regionale Vertragslandwirtschaft (RVL) umfasst Initiativen zum vertraglichen Vertrieb von Gemüsekörben zugunsten einer Landwirtschaft, die lokal, ökologisch, sozial, solidarisch und von Menschlichkeit geprägt ist und zur Sicherung der Ernährungssouveränität beiträgt.

Die RVL in der Westschweiz ist sehr heterogen – mit Betriebsflächen von 1 bis 50 ha und einem Absatz von 30 bis 600 Körben pro Woche. Organisiert ist sie in Vereinen, Kooperativen oder Privatunternehmen. Seit 2008 sind diese Initiativen in der Romandie in einem Netzwerk zusammengefasst: www.fracp.ch (Fédération Romande de l’Agriculture Contractuelle de Proximité)

So klingt der Boden von «A la Belle Courgette»

Das Projekt Sounding Soil bietet die Gelegenheit, das Leben im Boden zu entdecken. Hören Sie hier in den Boden von «A la Belle Courgette» in Bussigny.

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