Leuchttürme der Hoffnung

Von

Matthias Geck, Biovision

Hilft Agrarökologie gegen den Klimawandel? Gibt es Beispiele aus der Praxis, die den Weg in eine ökologische und nachhaltige Zukunft weisen? Biovision hat Antworten gesucht – und gefunden.
Forschen für die agrarökologische Zukunft: Edward Karanja von der Organisation KALRO in Kenia sammelt mit einer Feld­arbeiterin Bodenproben.
Forschen für die agrarökologische Zukunft: Edward Karanja von der Organisation KALRO in Kenia sammelt mit einer Feld­arbeiterin Bodenproben.

Unser über Jahre aufgebautes Wissen über die Transformation der Ernährungssysteme ist zunehmend gefragt. Regierungen und internationale Organisationen stützen sich bei der Erarbeitung von Programmen und Massnahmen zur Erreichung der UNO-Agenda 2030 oder im Kampf gegen die Klimakrise darauf ab. Das kommt auch in den zahlreichen erfolgreichen Partnerschaften von Biovision zum Ausdruck: mit der UNO-Welternährungsorganisation FAO, dem schweizerischen Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), dem International Panel of Experts on Sustainable Food Systems (IPES-FOOD) sowie der Global Alliance for the Future of Food (GAFF) – der Allianz führender Stiftungen, die sich eine Transformation des Ernährungssystems hin zu mehr Nachhaltigkeit zum Ziel gesetzt haben.

Ehemaliger Sonderberater des UNO-Generalsekretärs für nachhaltige Entwicklung und Klimawandel, Träger des Welternährungspreises 2018
«Der Beitrag von Biovision zur Entwicklung des UNO-Nachhaltigkeitsziels 2 'Kein Hunger' ist von unschätzbarem Wert.»
Ehemaliger Sonderberater des UNO-Generalsekretärs für nachhaltige Entwicklung und Klimawandel, Träger des Welternährungspreises 2018.

Mit Agrarökologie gegen den Klimawandel

Zwei neue Studien von Biovision stiessen 2019 international auf grosses Interesse. Die erste befasst sich mit den Geldströmen in der Agrarforschung. Der Einladung zur Vorstellung der Studie in Zürich folgten wichtige Geldgeber, Forscherinnen und politische Entscheidungsträger aus Afrika, Europa und Amerika. Die Studie zeigt auf, dass weiterhin der grösste Teil der Forschungsgelder in die industrielle Landwirtschaft fliesst. Ziel von Biovision ist es, mehr Mittel in die Forschung zur Agrarökologie zu lenken. Die zweite Studie ging der Frage nach, wie die Agrarökologie die Resilienz landwirtschaftlicher Betriebe gegenüber dem Klimawandel stärken kann. Sie konnte anhand einer Metastudie und von Feldstudien in Kenia und Senegal wissenschaftlich erhärten, dass Agrarökologie die Resilienz von landwirtschaftlichen Betrieben erhöht. Die Präsentation der Studie stiess an der Weltklimakonferenz COP25 in Madrid auf grosses Interesse.Unter dem Titel «Beacons of Hope», Leuchttürme der Hoffnung, publizierte Biovision einen Bericht und ein Toolkit zur Transformation von Ernährungssystemen. Der Bericht stellt 21 ausgewählte Vorzeigeprojekte vor, die vor Augen führen: Der Kurswechsel ist möglich.

Tool zur Analyse agrarökologischer Projekte

Die Ende 2018 von Biovision erstellte Website «Agroecology Info Pool» verzeichnete stetig wachsende Besucherzahlen. Die Infosite verbindet bestehendes Wissen mit beispielhaften Methoden und Projekten der Agrarökologie. Die Website ist ein erfolgversprechendes Werkzeug, um den Wandel hin zu einem sozial, ökologisch und ökonomisch nachhaltigen Ernährungssystem voranzu treiben.

Geldgeber oder Entwicklungsorganisationen, die agrarökologische Praktiken und Konzepte systematisch in ihre Projekte und Portfolios integrieren möchten, sind dafür auf ein verlässliches Instrument angewiesen, das ihnen eine genaue und umfassende Analyse liefert. Dafür entwickelten wir das Analysetool ACT (Agroecology Criteria Tool). Von Biovision selbst wurde ACT genutzt, um über 500 Forschungsprojekte zu analysieren. Überzeugt von den Resultaten des Tools, setzen es nun bereits belgische und französische NGOs sowie britische Forschungsinstitute ein, um Tausende Entwicklungsprojekte zu analysieren.

Politikdialog & Anwaltschaft (P&A)

Für nachhaltige globale Ernährungssicherheit braucht es dort Veränderungen, wo die Weichen gestellt werden  in der Politik. Hier setzen wir mit dem Team «Politikdialog & Anwaltschaft» (P&A) den Hebel an. Es bringt die Themen nachhaltige Landwirtschaft und Veränderung der Ernährungssysteme national und international zu den Entscheidungsträgerinnen und -trägern.

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