Fruchtfliegenkontrolle für eine gute Mangoernte

Von

Peter Lüthi, Reporter und Redaktor

Schlupfwespen sind die heimlichen Heldinnen der Mango­bäuerinnen und -­bauern – seit 2018 auch in Äthiopien.
Erfolgreiche Mangoernte wegen Schlupfwespen.

2018 war ein besonderes Jahr für die Fruchtfliegenexperten und -expertinnen am icipe: Nach zweieinhalb Jahren Vorbereitung hielten sie endlich die Einfuhrerlaubnis nach Äthiopien für die beiden Nützlinge, die Parasitoiden der Mangofruchtfliege, in den Händen. Die Schlupfwespen pflanzen sich seither im Labor des icipe in Äthiopien fort und ergänzen die bereits eingeführten Massnahmen zur Fruchtfliegenkontrolle wirkungsvoll.

In Äthiopien noch wenig bekannt

Während die integrierte Schädlingskontrolle, kurz IPM genannt für Integrated Pest Management, unter Mangoproduzenten in Kenia bereits eine gewisse Bekanntheit und Beliebtheit erreicht hat, ist dieser effektive und umweltfreundliche Ansatz für viele Bauernfamilien in Äthiopien noch unbekannt. Mangos sind auch hier eine wichtige Einkommensquelle. Wegen des Fruchtfliegenbefalls wuchs aber in den letzten Jahren der Frust über die grossen Verluste bei und nach der Ernte. «Die Nachfrage nach längerfristig erfolgversprechenden Anbaumethoden steigt und wir kommen kaum nach mit der Ausbildung und der Bereitstellung von IPM Starter Kits», erklärt Dr. Shifa Ballo, IPM-Experte am icipe, Äthiopien. Über die im Mai 2018 eingetroffenen Nützlinge freut er sich ungemein. Er kümmert sich zusammen mit den Laborangestellten Tag und Nacht um die Schlupfwespen. Sein Traum ist, die Schlupfwespen-Zucht dereinst dezentral in der Projektregion Arba Minch aufzubauen. Bis dann ist es aber noch ein weiter Weg, denn erst müssen sich die  Insekten (Fopius arisanus und Diachasmimorpha longicaudata) im Labor in Addis Abeba richtig etablieren und zu Hause fühlen.

Kenia und Tansania: Volle Erntekörbe dank bewährter Methode

Im kenianischen Bezirk Kitui, wo der Fokus unseres Fruchtfliegenprojekts in den vergangenen drei Jahren lag, sind die Mangobäuerinnen und -bauern bereits einen Schritt weiter. Obstgartenbesitzer Pius Mutia erklärt: «Gemeinsam mit Branchenkollegen die Herausforderungen im Mangoanbau zu diskutieren und von Expertinnen und Experten zu lernen, bringt einen tatsächlichen Fortschritt.» Dank der integrierten Schädlingskontrolle erzielt Pius Mutia eine höhere Mangoqualität. Zusätzlich setzt er auf unterschiedliche Mangosorten. Die Samen der spätreifen Sorte Kent hat er von einem Kollegen erhalten. Damit konnte er – länger als die meisten anderen – erstmals bis im April Mangos ernten und auf dem lokalen Markt markant bessere Preise erzielen. Solche Eigeninitiativen sind ganz im Sinne des Projekts. Deshalb arbeitet unsere Partnerorganisation icipe auch mit regionalen Lebensmittelämtern und Handelsorganisationen zusammen. Diese organisieren an den Schulungstagen im Feld jeweils einen Infostand zu Vermarktung und Buchhaltung.

Kaum Hilfe nötig haben diesbezüglich die tansanischen Mangoproduzentinnen und -produzenten, die seit 2018 ebenfalls an Ausbildungskursen zu IPM teilnehmen können. Deren Branchenorganisation ging aktiv auf das icipe und Biovision zu und fragte um Unterstützung in der Bekämpfung von Mangoschädlingen an. «Im April 2018 haben wir mit 200 Teilnehmenden gerechnet – erschienen sind 400», lacht Dr. Fathiya Khamis, Projektkoordinatorin des Biovision-Fruchtfliegenprojekts. Besonders erfreut ist sie über das grosse Interesse der jungen Generation und die gut etablierten Vermarktungsstrukturen in Tansanias Küstenregion.

Reif für die Insel: Multiplikation an neuen Standorten

Neuland betreten und eine ganz andere Situation antreffen wird das icipe-Projektteam demnächst in Sansibar. Auf der Insel sind bislang kaum Massnahmen gegen die invasive Fruchtfliege bekannt. Im Herbst fanden mit Landwirtschaftsverantwortlichen vor Ort bereits Abklärungen für den Projektstart statt. Dr. Fathiya Khamis und ihr Team schauen diesem Abenteuer gespannt entgegen. Die erste Begegnun- gen mit Mangoproduzentinnen auf der Insel haben ihren Eindruck gestärkt, dass ein grosser Wissensdurst und Hoffnung auf eine längerfristige Verbesserung der Lebensumstände auf sie warten.

Entsprechend gross das Potential, die bewährte IPM-Methode auch hier zu etablieren und die Erfolge aus den bisherigen Projektregionen ab 2019 zu replizieren.

Projekthintergrund

In der Obstproduktion, die in ostafrikanischen Ländern entscheidend zum landwirtschaftlichen Ertrag beiträgt, haben Kleinbäuerinnen und -bauern mit einer ganz spezifischen Herausforderung zu kämpfen: Aus Asien eingeschleppte Fruchtfliegenarten führen regelmässig zu grossen Ernteeinbussen. Das Weibchen der Fruchtfliege legt seine Eier in die Mango, aus welcher kurze Zeit später Maden schlüpfen und die Frucht von innen verfaulen lassen. Der durch die Fruchtfliegen verursachte Schaden gefährdet das Einkommen von Bauernfamilien und Mangohändlerinnen massiv, was sich negativ auf die Nahrungssicherheit und die Lebenssituation der lokalen Bevölkerung auswirkt.

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