Die Schweizer Ernährungszukunft ist agrarökologisch

Von

Sabine Lerch, Biovision.

Das Schweizer Ernährungssystem ist Treiberin und Leidtragende verschiedener Krisen und Probleme, wie Klimawandel, Biodiversitätsverlust und soziale Ungleichheiten. Deshalb fördert Biovision die Agrarökologie – für eine nachhaltigere Ernährungszukunft.

Dieser Anlass war wegweisend: Anfang 2023 zeigte der erste Schweizer Ernährungssystemgipfel in Bern auf, wie wir Bewegung in die Agrar- und Ernährungspolitik bringen. Dies ist dringend nötig, angesichts der zunehmenden Polarisierung, die sich in den vergangenen Jahren in mehreren erfolglosen Volksabstimmungen zeigte, und eines Parlaments, das sich zunehmend als Bremsklotz für eine nachhaltigere Ernährungspolitik erweist. Die 260 Teilnehmenden aus Produktion über Handel bis Konsum, aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Politik und Verwaltung tauschten sich darüber aus, wie die Schweizer Ernährungspolitik nachhaltig gestaltet werden kann. Prominentester Gast war der für Land- und Ernährungswirtschaft zuständige Bundesrat Guy Parmelin.

Im Zentrum standen die Empfehlungen des Bürger:innenrats für Ernährungspolitik sowie der wissenschaftliche Leitfaden zu den grössten Hebeln und politischen Pfaden für ein nachhaltiges Ernährungssystem. Für den Leitfaden analysierte ein 42-köpfiges Expert:innengremium, wo der grösste Handlungsbedarf besteht und wie die Hebel angesetzt werden müssen, um gesellschaftliche Ziele zu erreichen. Die Empfehlungen des Bürger:innenrates ihrerseits zeigen auf, welche Reformen hin zu einem nachhaltigen Ernährungssystem in der Bevölkerung mehrheitsfähig sein könnten. Ermöglicht wurden die beiden Inputs und die Veranstaltung selbst durch «Ernährungszukunft Schweiz», ein gemeinsames Projekt von Biovision, dem Netzwerk für Nachhaltigkeitslösungen SDSN Schweiz und dem Verein Landwirtschaft mit Zukunft.

Transformation ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe; Ein Künstler visualisiert am Ernährungsgipfel live das Gesagte.

Win-Win ist möglich

Der Gipfel hat gezeigt, welche Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Transformation des Ernährungssystems besonders wichtig sind: Erstens, dass sich Produktion und Konsum nur in Richtung mehr Nachhaltigkeit bewegen, wenn auch auf Ebene der Grossverteiler griffige Massnahmen umgesetzt werden. Die Transformation ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, bei der alle Akteur:innen in die Pflicht genommen werden müssen. Zweitens muss der Wandel angesichts der oft geringen Einkommen in der Land- und Ernährungswirtschaft sozial gerecht gestaltet werden.

Und was tut die Politik, um die notwendigen Rahmenbedingungen dafür zu schaffen? In seiner Rede betonte Bundesrat Guy Parmelin zwar, dass sich die Empfehlungen des Bürger:innenrats und des Expertenpanels mit der zukünftigen Ausrichtung der Agrarpolitik der Regierung decken. Allerdings setzt der Bundesrat einen Zielhorizont bis 2050, und die mittelfristigen Massnahmen sind eher kosmetischer Natur.
Das Fazit des Gipfels stimmt dennoch zuversichtlich: Eine Win-Win-Transformation des Ernährungssystems, die der Umwelt, den Produzierenden und der Bevölkerung gleichermassen dient, ist möglich. Um die Ziele der Agenda 2030 der Vereinten Nationen zu erreichen und eine nachhaltige Ernährungszukunft zu schaffen, ist jedoch eine deutliche Erhöhung des Tempos notwendig.

«Leuchttürme» für eine bessere Ernährungszukunft

Seit letztem Jahr zeigen wir mit unseren «Leuchttürmen der Agrarökologie», wie vielfältig die Ideen und Formen eines nachhaltigen Ernährungssystems in der Schweiz heute schon sind: Vom Bauernhof über die Verarbeitung bis zur Kooperation zwischen Landwirt:innen und Konsument:innen stellen wir Projekte ins Rampenlicht, die Impulse für eine bessere Ernährungszukunft geben. Die vorgestellten Betriebe und Unternehmen stammen aus allen Regionen der Schweiz und entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Sie zeigen Lösungsansätze für aktuelle Herausforderungen auf und berücksichtigen dabei die Prinzipien der Agrarökologie auf besonders ganzheitliche und innovative Weise.
Die Bewertung erfolgte mit dem von uns entwickelten «B-Act». Mit diesem Tool kann für einen Betrieb analysiert werden, wie sehr er jedes der 13 Prinzipien der Agrarökologie berücksichtigt und letztlich wie nachhaltig er wirtschaftet. Damit schaffen wir die Grundlage für einen faktenbasierten Diskurs über den Beitrag der Agrarökologie zu nachhaltigen Ernährungssystemen. Mit den Leuchttürmen will Biovision sowohl politische Entscheidungstragende, Akteur:innen des Ernährungssystems und auch Konsumentinnen und Konsumenten inspirieren.

Der Mehrwert von Agrarökologie

Aufbauend auf der erfolgreichen Arbeit der letzten Jahre setzen wir uns mit dem neuen Programm bis 2027 noch konsequenter dafür ein, dass agrarökologische Prinzipien in der Schweizer Agrar- und Ernährungspolitik berücksichtigt werden. Wir zeigen der Politik den Weg, indem wir in den nächsten Jahren anhand von bestehenden Initiativen neue, innovative Ansätze entwickeln. Wir werden dafür gemeinsam mit Akteur:innen entlang der Wertschöpfungskette – von der Landwirtschaft über Verarbeitung, Handel und Gastronomie bis hin zu lokalen Verwaltungen und Konsument:innen – bis 2027 konkrete Lösungen für regionale, agrarökologische Ernährungssysteme erarbeiten. So zeigen wir auf, dass agrarökologische Ansätze funktionieren und einen Mehrwert für Mensch und Umwelt bringen.

Zeigen, wie vielfältig die Ideen eines nachhaltigen Ernährungssystems heute sind; Mitglieder des Leuchtturm-Projekts «Filière in Meyrin».

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