Das ABC und D der nachhaltigen Landwirtschaft

Von

Lothar J. Lechner Bazzanella, Biovision (Text) und Alex Maina, CIFOR-ICRAF (Bilder)

Im Westen Kenias erforscht Biovision, wie bäuerliche Gemeinschaften mit einem massgeschneiderten Ansatz gefördert werden können und vereint dabei typische Elemente unserer Arbeit: Konkrete Umsetzung von nachhaltigen Praktiken auf dem Feld gepaart mit einem wissenschaftlichen Ansatz.

«Anstatt einer Standardlösung für eine ganze Region anzubieten, blicken wir mit diesem Projekt auf die Ressourcen, welche die Menschen schon mitbringen. Und entwickeln darauf basierend Lösungen», erklärt Adrian Bolliger, zuständiger Programmverantwortlicher von Biovision.

Das Projekt heisst Asset-Based Community Development, kurz ABCD. Das «A» und «B» im Projektnamen stehen für «asset-based», was eben so viel wie «ressourcenbasiert» bedeutet. Dieser Ansatz zielt darauf ab, die Stärken, das Wissen und die Fähigkeiten innerhalb einer Gemeinschaft – «C» für Communities – zu identifizieren und zu mobilisieren. So lassen sich besonders erfolgsversprechende und effiziente Methoden gemeinsam mit den Bäuerinnen und Bauern erarbeiten. Das steigert die Eigeninitiative der Teilnehmenden und dadurch den Erfolg.

«Natürlich ist ein solche Herangehensweise aufwändig», weiss Adrian Bolliger: «Die massgeschneiderte Lösung ist für Biovision jedoch enorm wichtig. Anstatt standardisierter Methoden flächendeckend anzuwenden, haben wir wissenschaftlich untersucht, welche Ressourcen schon vorhanden sind und effizient genutzt werden können.».

"Perspektiven der Bäuerinnen und Bauern mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen zusammenbringen"; Installation einer Photovoltaikanlage auf einem Dach.

Unkonventioneller Ansatz

Hauptziel dieses Projekts war es herauszufinden, wie ein ressourcenbasierter Ansatz dazu beiträgt, dass die Teilnehmenden effektiver, aber auch selbstbestimmter mit ebenjenen vorhandenen Ressourcen umgehen.

Vor Ort in Kenia ist Dr. Lisa Fuchs für die wissenschaftliche Begleitung des Projekts verantwortlich. Sie führt aus: «Der ABCD-Ansatz hilft den Teilnehmenden besser zu verstehen, über welche Ressourcen sie bereits verfügen und baut darauf auf: was kann auf meinem Land alles wachsen, wie stehe ich finanziell da, welche Techniken beherrsche ich? Das steht im Kontrast zu vielen konventionellen Ansätzen, die vor allem Bedürfnisse und Defizite bei Bäuerinnen und Bauern registrieren – und damit deren Selbstwahrnehmung massgeblich beeinflussen.»

Teil eines grösseren Ganzen

Das ABCD-Projekt ist Teil der grösseren Initiative «Regreening Africa». Mit dieser wollen dutzende Organisationen weltweit für nachhaltigere Landwirtschaft sorgen, Bodenerosion bekämpfen, Wasserversorgung fördern und die Biodiversität stärken. Innerhalb dieser Vielzahl von Massnahmen leistet Biovision mit dem ABCD-Projekt einen Beitrag. Damit wollen wir aufzeigen, wie ABCD die Aufnahme von agrarökologischen Praktiken und Systemen im Vergleich zu konventionellen Ansätzen beeinflusst.

Die Ergebnisse der Studie zeigen: ABCD hat signifikant zu den angestrebten Plänen von Regreening Africa beigetragen. Die involvierten Bäuerinnen und Bauern haben eine stärkere Wertschätzung für sich, ihre Fähigkeiten und Ressourcen erfahren. Dadurch stieg ihr Selbstbewusstsein, Massnahmen wurden konsequenter umgesetzt und der Austausch innerhalb der Gemeinschaften stieg

Das Selbstbewusstsein der Bäuerinnen und Bauern ist gestiegen; ein künstlicher Teich zur Bewässerung der Felder in der Projektregion.

Wo schon Hans R. Herren forschte

In der ersten Projektphase von 2021 bis 2023 arbeiteten wir für das ABCD-Projekt mit World Agroforestry Centre (ICRAF) zusammen. In der nächsten Phase bis 2025 nimmt einer unserer Hauptpartner, das Internationale Insektenforschungsinstitut Icipe, mit unserer Unterstützung diesen Ansatz auf. Hierfür arbeiten wir in den kenianischen Regionen Homa Bay und Migori, wo Icipe einen eigenen Campus leitet – und wo schon Biovision-Gründer Hans R. Herren einst Forschung betrieb.
Dabei bauen wir auf die guten Erfahrungen aus der ersten Phase und die Eigeninitiative der Bäuerinnen und Bauern auf. Gleichzeitig wollen wir die wissenschaftlichen Daten zu Push-Pull-Techniken weiteren Gemeinschaften zugänglich machen. «So bringen wir die Perspektiven, die Interessen und das Wissen der Bäuerinnen und Bauern mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen zusammen, um die passendsten Lösungen für die spezifische Region gemeinsam zu entwickeln. Co-Design ist hier ein wichtiges Schlagwort», fasst Lisa Fuchs zusammen.
So gelingt es uns, nachhaltige Ernährungssysteme effektiv und langfristig zu fördern. Zum Wohl der Bauernfamilien und der Umwelt.

Mehr Infos über das ABCD-Projekt finden Sie im Video.

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