Anders an der Spitze

Von

Patricio Frei (Text) und Laura Angelstorf (Bild)

Nach seinem letzten Job ging er für eine Woche zum Holzhacken in den Wald. Anfang Januar hat Anders Gautschi als Geschäftsleiter bei Biovision die Verantwortung übernommen.

Kaum hatte er den Laptop abgegeben, stand er mit der Axt im Wald:
um 5 Uhr früh bei −5 Grad Celsius startete sein Holzfällerkurs im Emmental, gemeinsam mit Bauern und Gärtnern. «Mit meinen Bürofingern habe ich wirklich gelitten. Aber es hat sehr gutgetan.»

Er brauchte diesen Schnitt – er erleichterte die Abnabelung vom alten Job. Es war der Beginn eines einjährigen Sabbaticals, welches Gautschi mit zwei Volksrennen für Langläufer anging: Marcialonga in Italien und Birkebeiner in Norwegen. Er lernte Vibraphon spielen, ging im Mittelmeer tauchen und war lange in Schweden. Er nutzte die Zeit aber auch, um seine digitale Fitness zu verbessern, Projektmanagement-Tools auszuprobieren und sich in Literatur für Management zu vertiefen. Gautschi bringt mit seinen 54 Jahren eine breite Erfahrung aus Politik, Landwirtschaft und Nonprofit mit: Er hat bei der Stiftung Step Fairtrade-Kriterien weiterentwickelt, im Bundesamt für Landwirtschaft erste Erfahrungen auf der internationalen Bühne gesammelt, in der Toskana ein Weingut geführt, engagierte sich für die Arbeitsgemeinschaft der Berggebiete SAB, war Chef der Sektion Konsum beim Bundesamt für Umwelt und leitete zuletzt den Verkehrsclub der Schweiz VCS mit seinen 75 Mitarbeitenden: «Den VCS habe ich verlassen, weil ich noch etwas anderes machen wollte.» Der richtige Zeitpunkt kam für ihn Ende 2023. Danach ging es mit der Axt in den Wald.

Das Licht der Welt hat Gautschi in San Diego in den USA erblickt, als Sohn einer Schwedin und eines Schweizers. Der studierte Agrarwissenschaftler ist verheiratet, Vater zweier erwachsener Kinder und in der Stadt Bern zu Hause.

«Zurück zu den Wurzeln»

Einen ersten Schnitt hatte seine Karriere im 2003 erfahren: Nach dem Tod des Schwiegervaters zog er mit seiner Familie in die Toskana, um dort nach dessen 65 Hektaren grossen Gut mit Reben und Oliven zu schauen. Was für ein Jahr geplant war, endete erst nach sieben vinifizierten Jahrgängen. Gautschi hatte seinen Traumjob gefunden, aus familiären Gründen zog es ihn aber wieder zurück in die Schweiz.

Zu Biovision ist er gekommen, weil er «wieder zurück zu den Wurzeln wollte». Schon von klein auf spürt Gautschi in sich drin ein Feuer für die Landwirtschaft. Was ihn an Biovision fasziniert? «Wir haben das gesamte Ernährungssystem vor Augen, arbeiten mit konkreten Projekten auf unser Ziel hin und zeigen so auf, was möglich ist. Dieser Ansatz ist innovativ und erfolgversprechend.»

Sport, Kultur und Markt

Gautschi ist ruhig, besonnen und vielseitig. Als Ausgleich betreibt er leidenschaftlich gerne Sport, sei es im Sommer auf dem Rennvelo oder im Winter auf Langlaufskiern. Er ist viel in der Natur, aber auch mit seiner Band im Übungskeller anzutreffen. Und als Partner einer Kultursekretärin kommt er regelmässig in den Genuss von Konzerten und Theaterstücken.

Bezüglich Konsum geht Gautschi mit gutem Beispiel voran. Wenn immer möglich kauft er auf dem Markt ein und kocht mit frischen Zutaten: «Natürlich möglichst mit Bioprodukten. Und gelegentlich auch ein Stück Fleisch. Da ist mir wichtig, zu wissen, wo es herkommt.»

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