«Viele nennen mich einen Spinner»

Von

Peter Lüthi, Biovision

«Ich hatte immer wieder Förderer in meinem Leben», sagt Roland von Ballmoos. So habe er etwa von seiner Mutter wahnsinnig viel gelernt. «Sie war das Hirn in unserer Familie und die Buchhalterin im Familienbetrieb». Sein Vater hingegen sei ein Visionär gewesen. «Von ihm habe ich das Herz, die Abenteuerlust und die Affinität für schnelle Autos», lächelt er.

Seine Eltern stellten Filme für den Offsetdruck her. Ihr guter Ruf reichte bis nach Deutschland. Dort setzte man für die Produktion von Hochglanzprospekten und Büchern voll auf ihre Spitzenqualität und den exklusiven Schnell-Service. Als Student brachte Roland die Litho-Filme jeweils nachts mit dem Auto seines Vaters über die Grenze in die Druckereien. Am nächsten Morgen sass er dann pünktlich zur ersten Vorlesung wieder im ETH Hörsaal.

Bereits 1969 war er als Jugendlicher dem Gymnasium in Baden entflohen und genoss während einem Jahre die USA und den anschaulichen Unterricht an einer High School in Cleveland. 1981 schloss er an der ETH als Doktor der Chemie ab. Darauf nahm der US-Konzern «Mobil Oil» den jungen Katalyse-Spezialisten mit Handkuss ins Forscherteam in Princeton (New Jersey) auf. Roland von Ballmoos arbeitete hart, zuverlässig und hartnäckig, und er stieg schnell auf. Später wechselte er zu Engelhard Corp. (jetzt BASF) ins Management.

1993 erkrankte Rolands Partnerin sehr schwer und verstarb zwei Jahre später. Ihr Tod erschütterte ihn in seinen Grundfesten. Er stellte sein Leben kompromisslos auf den Kopf und zog zurück in die Schweiz. Zu Beginn des neuen Jahrtausends fand er seine wahre Berufung als Mitbegründer von EMP Consulting AG, die er als Präsident führt. Er entwickelt gemeinsam mit KMU Visionen, Umsetzungsstrategien, Business Pläne, und hilft bei deren Verwirklichung. Dabei wagt er sich auch an Projekte, die gemeinhin als nicht realisierbar gelten. «Viele nennen mich einen Spinner», schmunzelt er. Doch er hat Erfolg. So entwickelten er und sein Team mit der Firma Lantal Textiles AG spezielle Sitzkissen für Grossflugzeuge. Diese kommen ohne Schaumstoff aus, denn sie funktionieren mit Luft.

«Biovision hat eine grosse Vision, und setzt sie um»

Der Clou besteht in einer kleinen Luftpumpe und dazugehöriger Software. Die Passagiere können die Härte ihres Polsters variieren und sogar einen Massage-Modus einschalten. Wer heute mit SWISS, Lufthansa, Etihad, Air Canada und anderen in der BusinessClass fliegt, kennt diese Polster. Auch die Solar- und Flugpioniere Bertrand Piccard und André Borschberg setzten im «Solar Impuls» auf eines dieser Luftkissen.

Der unerschütterliche Wille, scheinbar Unmögliches zu verwirklichen, verbindet von Ballmoos mit dem Biovision-Gründer Hans Rudolf Herren. Roland hat sich entschlossen, Biovision mit einem Legat zu bedenken. «Ihr habt eine grosse Vision, und ihr setzt sie um», meint er anerkennend. «Wir Menschen haben zu viel kaputtgemacht auf dieser Erde». In der Arbeit von Biovision sieht er einen überzeugenden Weg, das zu ändern. «Dieser Ansatz der Hilfe zur Selbsthilfe lässt sich in angepasster Form überall auf der Welt anwenden. Darum helfe ich gerne, Biovision grösser zu machen», sagt er.

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