Mit Ende 30 setzt sich Ursula Popp in Zürich allein in den Zug und fährt los.
Es geht zuerst nach Griechenland, dann weiter nach Israel. Ägypten und Subsahara-Afrika folgen. Indien, Nepal, Thailand, Australien, Nord- und Südamerika. Immer weiter. «Am Ende war ich über drei Jahre unterwegs. Ich wollte die Welt kennen- lernen, die Unterschiede in der Sprache, der Landscha¡, den Religionen und die Herausforderungen und Nöte der Menschen ausserhalb der reichen Schweiz erfahren.»
Enorme Verantwortung
Die Reise ist ein Schlüsselmoment in Ursulas Leben. «Ich habe wochenlang mit indigenen Völkern zusammengelebt und dabei bestätigt gesehen, was für mich so wichtig ist: dass wir Menschen eine enorme Verantwortung gegenüber der gesamten Natur haben. Dass wir nicht getrennt von ihr existieren können. Dass wir aber auch eine Verantwortung gegenüber den Generationen haben, die nach uns kommen. Und dass unser Reichtum in Europa oder Nordamerika allzu häufig aus der Ausbeutung anderer Länder, der Natur und der Tiere stammt.»
Die ausgebildete Ärztin für chinesische Medizin sowie Berufs- und Laufbahnberaterin setzt sich Zeit ihres Lebens dafür ein, dass sich mehr Menschen dessen bewusst werden. «Die nächsten Generationen, die auf uns folgen, wollen auch gut leben. Sie haben die gleichen Bedürfnisse wie wir. Deshalb müssen wir stets unser Tun prüfen: Welche Konsequenzen hat es?» Es ist eine Frage, die Ursula Popp sehr ernst nimmt. «Über meinen Tod hinaus möchte ich zum Wohl der Welt beitragen: Der grössere Teil meines Nachlasses wird an wohltätige Zwecke gehen.»
Nach ihrer Reise lebt Ursula Popp über 20 Jahre lang im US-amerikanischen Seattle. Danach kehrt sie in die Schweiz zurück. «Ich wollte Schweizer NGOs unterstützen, die sich speziell für zwei Dinge einsetzen, die mir am Herzen liegen: den globalen Süden zu unterstützen und für die Ermächtigung von Frauen weltweit zu sorgen. In meinen Recherchen stiess ich sehr bald auf Biovision. Seitdem bin ich Gönnerin der Stiftung.» Ganz besonders überzeugt sie die Zusammenarbeit mit den Partnerorganisationen im globalen Süden auf Augenhöhe, an der Seite von Biovision möchte sie nachhaltige Lösungen vorantreiben.
Die Hoffnung bleibt
«Meine Generation hinterlässt der nächsten eine Welt massiver Probleme. Die Ungleichheit wächst, Frauen werden weiterhin weltweit unterdrückt, der Natur, dem Klima, den Tieren geht es schlecht. Das stimmt mich enorm traurig.»
Gibt es Entwicklungen, die ihr dennoch Hoffnung geben?
«Ja, sicher. Es sind Menschen und Organisationen, die von der gleichen Verantwortung, den gleichen Werten sprechen wie ich. Organisationen wie Biovision, aber auch viele andere, die sich für eine bessere, gerechtere Welt einsetzen. Das gibt mir Hoffnung.»
Besonders in der Weihnachtszeit spielt die Frage der sozialen Verantwortung auch für Ursula Popp eine wichtige Rolle. «Oft denkt man bei Geschenken ja vor allem an die Familie, die Freunde. Alle anderen werden vergessen. Ich lade alle Menschen dazu ein, gerade zu Weihnachten auch an diejenigen zu denken, die weniger haben als wir hier in der Schweiz.»