Mehr «Lichtungen» für Agrarökologie

Von

Jean-Marc Tendon (Text) und Goran Basic (Bilder)

Der Unternehmer und Experte für nachhaltige Ernährungssysteme Jean-Marc Tendon erklärt im Kommentar, warum agrarökologische Unternehmen Raum brauchen, um Wurzeln zu schlagen und sich zu entwickeln.

Um agrarökologische Unternehmen zu unterstützen, reicht es nicht aus, den Fokus auf schnelles Wachstum und Skalierung zu legen. Viele von ihnen sind stark mit ihrem Umfeld verwurzelt, arbeiten mit lokalen Ressourcen, mit Produzentinnen und Produzenten vor Ort sowie mit Wissen und Gespür für ihre Region. Ihr Wert liegt auch darin, wirtschaftliche, soziale und ökologische Beziehungen lokal zu stärken. 

Wurzeln finden und Fehler machen

Die Herausforderung ist deshalb auch, echte «Lichtungen» zu schaffen, die Agrarökologie nähren: Räume, in denen diese Unternehmen arbeiten, ausprobieren und lernen können. In denen sie Wurzeln bilden, Fehler machen können und Zugang zu echten Märkten erhalten, ohne sofort dem Druck von hohen Mengen, niedrigen Preisen und standardisierten Produkten ausgesetzt zu sein. Diese Lichtungen brauchen Infrastruktur, Kapital, erste Aufträge aus der öffentlichen oder privaten Hand, fachliche Begleitung sowie verlässliche Rahmenbedingungen. Und sie brauchen die Anerkennung dafür, dass sie einen Mehrwert für Umwelt und Gesellschaft schaffen.

«Ihren Platz in der Region finden»

Es braucht Räume, in denen agrarökologische Unternehmen ihre Modelle anpassen und ihren Platz in einer Region finden können. Ihre Rolle ist es nicht nur, Innovation voranzubringen, sondern auch lokale Kreisläufe zu stärken: zwischen Böden, den Menschen, die dort leben, und den Ressourcen, die vor Ort vorhanden sind.

Jean-Marc Tendon ist Experte für nachhaltige Ernährungssysteme, Gründer von Cogiterre und Innovationsprojektleiter am Landwirtschaftlichen Institut des Kantons Freiburg

Weitere Beiträge

Landwirtschaft, Wissen

Fruchtbare Böden ganz ohne Mist und Gülle 

Die Ferme du Château in Payerne VD zeigt, wie sich in der Landwirtschaft Bodenfruchtbarkeit konsequent über pflanzliche Kreisläufe aufbauen lässt. Dabei setzt der Hof auf Gründung und Fruchtfolge mit vielfältigen Kulturen. Sogar die Auslieferung erfolgt klimafreundlich.
Landwirtschaft, Wissen

Der Hofladen in der Stadt 

Er ist mehr als ein Bio-Laden mit einem Bistro: Bio26 in Freiburg bringt Bäuerinnen, Bauern und Konsumierende zusammen und ermöglicht so Verbindungen zwischen Stadt und Land. Mit Transparenz, fairen Preisen und Raum für Begegnungen zeigt das Projekt, wie ein nachhaltiges Ernährungssystem im urbanen Alltag funktionieren kann.
Landwirtschaft, Wissen

Wo Getreide, Handwerk und Gemeinschaft zusammenfinden 

In der historischen Müli Geuensee verarbeitet eine junge Familie regionales Bio-Getreide zu Mehl, Flocken und Brot – getragen von einem Verein und einer Stiftung. Damit zeigt der Betrieb, wie agrarökologische Wertschöpfung lokal verankert, gemeinschaftlich getragen und langfristig gesichert werden kann.
Landwirtschaft, Märkte

Emmanuel gegen die Saatgutriesen

Mit seinem Startup verfolgt Emmanuel Luwemba ein klares Ziel: Er will lokales Saatgut wieder zurück auf Ugandas Felder bringen. Doch der Markt gehört anderen.