Rund 5000 Teilnehmende aus Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Wissenschaft trafen sich dieses Jahr in Dakar, Sénégal, zum AFSF 2025. Hier am Forum geht es um nichts weniger als die Frage, wie die afrikanische Landwirtschaft in Zukunft gestaltet werden soll – und um Hunderte Millionen, die dafür investiert werden. Partnerschaften werden geschmiedet, Verträge unterzeichnet und Strategien beschlossen, die Einfluss auf das Leben von Millionen von Menschen haben. Lange Zeit war das Forum ein Ort, an dem vor allem Grosskonzerne und treibende Kräfte der Grünen Revolution den Ton angaben.
Es tut sich was
Umso bedeutender ist es, dass Biovision in diesem Jahr erstmals nicht nur vor Ort war, sondern gleich mehrfach in Erscheinung treten konnte: Mitarbeitende unseres Teams Policy & Advocacy (P&A) leiteten Workshops und gestalteten einen Teil des offiziellen Programms mit. «Dass Agrarökologie zum ersten Mal im offiziellen Programm des Forums stand, ist ein wichtiger Schritt. Und auch ein Verdienst von Biovision. Wir konnten das Thema platzieren, und genau dafür müssen wir präsent sein: dort, wo über die Entwicklung afrikanischer Ernährungssysteme entschieden wird», sagt Moritz Fegert, Mitglied des Teams P&A bei Biovision.
Das eigene Panel zu Agrarökologie und jungen Unternehmerinnen und Unternehmern war gut besucht und stiess auf grosses Interesse. Für Biovision ist dies ein klares Signal: Themen wie Vielfalt, bäuerliches Wissen und nachhaltige Unternehmen sind nicht mehr eine Nische, sondern finden langsam Eingang in die Debatten. Hans von Zinkernagel, auch im Team P&A tätig, ordnet es so ein: «Noch vor wenigen Jahren wäre so etwas undenkbar gewesen. Jetzt erleben wir, dass unsere Anliegen sichtbarer werden. Das stimmt uns vorsichtig optimistisch.» Auch andere Beobachterinnen und Beobachter teilten diesen Eindruck. «Es gibt zunehmende Dynamik für Agrarökologie und es ist grossartig, dass sie beim diesjährigen Forum sichtbarer und geschätzter ist», sagte etwa Oliver Oliveros, Geschäftsführer der Agroecology Coalition.
Biovision als Brückenbauerin
Auch ausserhalb des offiziellen Programms setzte Biovision Akzente. In Workshops im Vorfeld der Konferenz kamen über 80 Teilnehmende aus 13 afrikanischen Ländern zusammen – von Regierungsstellen über Geldgebende bis hin zu zivilgesellschaftlichen Organisationen. Sie diskutierten, wie nationale Agrarökologiestrategien konkret umgesetzt werden können, welche Finanzierungsmöglichkeiten nötig sind und welche Rolle agrarökologische Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette spielen. Dabei flossen auch Erkenntnisse aus unserer mehrjährigen Datenerhebung zu bereits heute funktionierenden Geschäftsmodellen ein – etwa zu ihrer Rentabilität und ihrem Wirkungspotenzial. «Das Besondere war, dass Menschen miteinander ins Gespräch kamen, die sonst kaum je in direktem Austausch stehen», so Fegert. «Diese Verbindungen sind entscheidend, wenn es darum geht, aus Strategien auch wirkliche Taten werden zu lassen.»
Die Resonanz auf unsere Beiträge hat gezeigt: Agrarökologie ist am Forum nicht mehr unsichtbar. Auf den Hauptbühnen erhielten industrielle Lösungsansätze zwar weiterhin viel Raum, doch zugleich waren agrarökologische Unternehmen stärker präsent als in früheren Jahren. Genau hier zeigt sich die Spannung: Einerseits wächst die Offenheit für alternative Wege, andererseits bleibt die industrielle Logik prägend. «Unsere Aufgabe ist es, deutlich zu machen, dass Agrarökologie eine bessere Perspektive für die Zukunft der Ernährungssysteme bietet», sagt Hans von Zinkernagel.
Was noch fehlt
Damit diese Öffnung mehr als bloss ein Signal ist, braucht es nun konkrete Schritte. Politische Strategien müssen konsequent umgesetzt, Kooperationen institutionalisiert und Finanzierungsinstrumente geschaffen werden, die auch kleineren Betrieben zugutekommen. Denn agrarökologische Unternehmen leisten viel, kämpfen in ihren Startphasen aber häufig mit hohen Betriebskosten und fehlendem Zugang zu Kapital. «Ein entscheidender Baustein fehlt weiterhin viel zu oft: die Finanzierung für jene, die den Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit tragen», fasst Moritz Fegert zusammen.
Für Biovision ist die Teilnahme am Forum ein wichtiger Schritt, um genau diese Themen dort einzubringen, wo über die Zukunft afrikanischer Landwirtschafts- und Ernährungssysteme gerungen wird. «Es ist nicht selbstverständlich, dass Agrarökologie auf einer solchen Bühne Platz findet. Umso entscheidender ist es, dranzubleiben und Allianzen zu schmieden», betont Fegert.
Unser Fazit: Das African Food System Forum bleibt ein herausfordernder Ort für agrarökologische Ansätze, aber es bietet definitiv Chancen. Die ganz schweren Türen stehen erstmals mehr als nur einen Spalt breit offen. Jetzt gilt es, die Gelegenheit zu nutzen, Beharrlichkeit zu zeigen und das Momentum für eine gerechtere und nachhaltigere Zukunft zu verstärken.
Die «Grüne Revolution»
Unter «Grüner Revolution» versteht man die Verbreitung neuer Hochertragssorten von Getreide sowie den massiven Einsatz von Kunstdünger und synthetischen Pestiziden seit den 1960er-Jahren, vor allem in den Ländern des globalen Südens. Sie führte vielerorts kurzfristig zu höheren Erträgen, hatte aber auch enorme negative Folgen: ausgelaugte Böden, Verlust von Biodiversität, Abhängigkeiten von externen Inputs und den Verlust traditionellen Wissens.