Stephanie Hess: «Nichts zu tun, wäre fatal!»

Als Konsumentin fühlte sich Stephanie Hess früher immer wieder hilflos, wenn sie im Laden stand und umweltbewusst einkaufen wollte. Doch das hat sich geändert: Ihr Wissen über ökologische Zusammenhänge, gibt sie nun im praktischen Ratgeber «ÖKOlogisch» weiter. Im Video-Interview erzählt sie uns mehr über Bio-Landbau, persönliche Konsumkonflikte im Alltag sowie ihren Standpunkt zu den Pestizid-Initiativen.

 

 


von Maggie Haab, Biovision

Was hat Sie dazu bewegt, dieses Buch zu schreiben?

Stephanie Hess (SH): Ich fühlte mich als Konsumentin oft hilflos, wenn ich im Supermarkt stand. Ich wollte umweltbewusst einkaufen und wusste einfach nicht, welche Produkte jetzt eigentlich nachhaltig sind und welche nicht. Ich habe zwar viel darüber gelesen, aber aus all diesen Informationen hat sich kein klarer Handlungsrahmen für mich abgeleitet. Ich wollte einfach Antworten finden und ich merkte, dass es vielen anderen Menschen auch so geht!

Wie steht es mit Ihren Lebensmitteln, die Sie für sich und die Familie einkaufen – alles bio? 

SH: Ja, bei Fleisch und tierischen Produkten wirklich fast immer, ausser ich muss am Wochenende zur Tankstelle, weil wir keine Milch mehr haben. Ich versuche, auch alle anderen Produkte in der Bio-Version zu kaufen, muss aber ehrlich sagen, dass wenn ich mit meiner eineinhalb-jährigen Tochter einkaufen gehe und sie dann grad dabei ist, die Grusskartenabteilung auszuräumen oder unbedingt ein Weggli will und schreit, nicht immer viel Zeit  bleibt, um den Bio-Sellerie zu finden in dieser riesigen Abteilung von Gemüse und Früchten. Dann nehme ich halt einfach den Sellerie, der grad da ist. Ich finde, man soll sich immer bemühen, aber man muss auch eine gewisse Grosszügigkeit mit sich selber haben – sonst verzweifelt man schnell.  

 

 

Am 13. Juni stimmt die Schweiz über die zwei Pestizid-Initiativen ab. Haben Sie sich Ihre Meinung schon gebildet? 

SH: Ich gehe immer abstimmen und habe mich auch schon bisschen damit auseinandergesetzt, allerdings noch nicht im Detail. Ich befürworte beide Initiativen ganz grundsätzlich und glaube, sie haben das Potenzial, im Parlament endlich einen Druck zu erzeugen, damit verbindliche ökologische, nachhaltige Massnahmen für die Landwirtschaft festgelegt werden. Darum hat man sich lange foutiert. Ich glaube, dass diese Abstimmung im Juni – wir stimmen ja auch noch über das CO2-Gesetz ab – ein sehr grosses und wichtiges Signal für mehr Nachhaltigkeit, für eine nachhaltigere Schweiz, senden kann. Es gibt bei den Initiativen einen Punkt, den ich auch ein bisschen kritisch finde, und zwar den Fokus auf die Landwirtschaft – auf die Bauern. Es sind ja nicht nur sie, die hinter den Produkten stecken; der Blick muss auf das ganze System gerichtet werden. Es ist zu einfach, sich nur auf die Bauern zu fokussieren.  

Bio ist ein Wachstumsmarkt; was sind Ihre Prognosen und Hoffnungen diesbezüglich? 

SH: Ich bin jetzt mal positiv: Ich glaube, wenn wir das eine grosse Problem der höheren Bio-Preise vermindern können – es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass die Margen auf Bioprodukte viel höher sind – dass sich dann der Marktanteil in den nächsten fünf Jahren von heute 10 auf 30 Prozent erhöhen wird.