Agrarökologie hilft gegen den Klimawandel

Eine neue Studie von Biovision und FAO kommt zum Schluss: Agrarökologie erhöht die Widerstandsfähigkeit von Bauernbetrieben gegen die Folgen der Erderwärmung.

Florian Blumer, Redaktor

Der Klimawandel stellt insbesondere Bäuerinnen und Bauern in Subsahara-Afrika zunehmend vor Probleme: Unregelmässige Regenzeiten, Dürren, Stürme und Überschwemmungen zerstören die Ernten und damit ihre Lebensgrundlage. Biovision hat eine Studie initiiert, um eine evidenzbasierte Antwort zu erhalten, ob und inwiefern Agrarökologie im Kampf gegen den Klimawandel hilft. 
Die Studie wurde zusammen mit der UNO-Welternährungsorganisation FAO herausgegeben und besteht aus drei Teilen: Einer Fallstudie in zwei afrikanischen Ländern, einer Analyse der wissenschaftlichen Studien zum Thema, durchgeführt vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL und einer Untersuchung des politischen Potenzials der Agrarökologie.

 

Traditionelles Wissen als Schlüssel

Die Fallstudien in Kenia und Senegal zeigen auf, dass die bäuerlichen Betriebe, die an agrarökologischen Projekten teilgenommen haben, widerstandsfähiger gegenüber Folgen des Klimawandels sind als Betriebe aus der Kontrollstichprobe. Sie sind besser in der Lage, Krisenzeiten zu bewältigen und für die Ernährungssicherheit der Familien zu sorgen. 
Neben einer Förderung der Diversität zeigten sich der Einbezug und die gezielte Förderung traditionellen Wissens als Schlüsselfaktoren. Als Herausforderungen für die Umsetzung agrarökologischer Praktiken haben sich der eingeschränkte Zugang zu wirksamen ökologischen Produkten für Schädlings- und Unkrautbekämpfung sowie zu Finanzdienstleistungen und Versicherungen herausgestellt. 

     

Metaanalyse bestätigt die Erkenntnisse

Die Ergebnisse der Fallstudien werden von einer Metaanalyse publizierter Peer-Review-Studien bestätigt. Diese kam unter anderem zu folgenden Schlüssen:

  • Agrarökologie baut auf Schlüsselmerkmalen auf, die eine starke positive Korrelation mit der Klima-Resilienz aufweisen. 
  • Agrarökologie erhöht die Anpassungsfähigkeit und verringert die Verletzlichkeit von Agrarökosystemen, vor allem durch verbesserte Bodengesundheit, Biodiversität und hohe Diversifizierung innerhalb landwirtschaftlicher Produktionssysteme. 
  • Hauptsächlich durch eine Erhöhung der organischen Bodensubstanz (Kohlenstoffbindung) und einen verringerten Einsatz synthetischer Düngemittel trägt Agrarökologie auch zu einer Reduktion der Treibhausgasemissionen bei.
  • Institutionelle Aspekte wie die gemeinsame Schaffung und Verbreitung von Wissen durch Beratungsdienste und den Austausch von Bäuerin zu Bauer spielen eine Schlüsselrolle, um die Entwicklung, Stärkung und Akzeptanz der Agrarökologie zu unterstützen.
  • Um Agrarökologie und Klimaresilienz zu fördern, ist es entscheidend, kontextspezifisches Wissen und partizipatorische Innovationssysteme aufzubauen und zu stärken.

In einem dritten Teil der Studie wurde untersucht, welche Rolle die Agrarökologie heute im politischen Kontext spielt. Die erfreuliche Erkenntnis: Das ganzheitliche Konzept einer nachhaltigen Landwirtschaft ist international im Aufschwung, so spielt es beim Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaveränderungen (UNFCCC) eine zentrale Rolle. 

Immer mehr Länder und Interessenvertreterinnen und -vertreter mit unterschiedlichen Hintergrund sehen die Agrarökologie und verwandte Ansätze wie Effizienz, Recycling, Diversität und gemeinsames Erarbeiten von Wissen als vielversprechende Mittel, um Anpassungs- und Mitigationsziele bezüglich des Klimawandels zu erreichen sowie einen Transformationsprozess in der Landwirtschaft in Richtung Nachhaltigkeit einzuleiten.

 

Drei Empfehlungen für eine nachhaltige Zukunft

Aus den Erkenntnissen der Studie leiten die Autorinnen und Autoren folgende Empfehlungen ab:

  • Obwohl es weitere vergleichende Forschung zu den vielfältigen Auswirkungen der Agrarökologie braucht, steht eine Förderung der Agrarökologie als Anpassungsstrategie an den Klimawandel auf einer soliden wissenschaftlichen Basis.
  • Es reicht nicht, sich auf einzelne Anbaupraktiken zu beschränken – wie dies in der Praxis meist der Fall ist. Denn es sind die ganzheitlichen und systemischen Ansätze der Agrarökologie, welche ein besonders grosses Potenzial zur Stärkung der Klima-Resilienz enthalten.
  • Agrarökologie ist komplex und erfordert viel Wissen – für eine Verbreitung des Ansatzes müssen deshalb Forschung und Schulung gefördert werden.