Gemeinschaftsprojekt ermöglicht Corona-Tests in Äthiopien

Von

Peter Lüthi, Reporter und Redaktor

In einem Gemeinschaftsprojekt von Swiss TPH, der Jigjiga University, Armauer Hansen Research Instititute (AHRI) und Biovision konnte kurzfristig ein Labor für die Erkennung des Coronavirus eingerichtet werden. Für Äthiopien mit seinen bescheidenen Testkapazitäten ist das wichtig im Kampf gegen die Corona-Pandemie.

Die Anfrage der Regierung der Somali Region in Äthiopien für Diagnosen des Coronavirus SARS-CoV-2 kam am 24. März. Bereits drei Wochen später wurden die ersten Gewebeproben getestet – zum Glück alle negativ. Das hat sich unterdessen leider geändert. Zur Zeit des Redaktionsschlusses (Ende April) wurde die vom Coronavirus verursachte Krankheit Covid-19 bereits in 130 Fällen nachgewiesen mit 3 Todesfällen (die aktuellen Zahlen der Coronafälle finden Sie hier). Umso wichtiger sind die zusätzlichen Testkapazitäten, die mit der Aufrüstung des Labors geschaffen wurden. «Die Maschine kann täglich problemlos 100 Tests bewältigen», sagt Prof. Dr. Jakob Zinsstag vom Schweizerischen Tropen- und Public Health Institut (Swiss TPH), welches das von Biovision und DEZA unterstützte Projekt gemeinsam mit der Jigjiga Universität und AHRI umsetzt. «Der Beitrag von Biovision ist wertvoll», erklärt Zinsstag. «Wir konnten damit lokale Experten schulen und Reagenzien für die Erkennung des Coronavirus beschaffen».

Kontrolle über Krankheiten und Weideflächen

Das neue Labor ist Bestandteil des Projekts «Informationssystem zu Krankheiten und Dürre». Es wurde zur Früherkennung von Krankheiten bei Tieren und Menschen errichtet. Von speziellem Interesse sind dabei Infektionen, die von Tieren auf Menschen übertragen werden, sogenannte Zoonosen. Rift Valley Fever, Q-Fieber, Brucellose oder Anthrax (Milzbrand) sind bei den Hirtenvölkern in der Somali Region sehr verbreitet. Grund dafür ist einerseits das enge Zusammenleben von Menschen und Tieren, anderseits die fehlende Kenntnis der Krankheitsursachen. Deshalb haben im Projekt die Wissensverbreitung in der Bevölkerung und Praxisänderungen in der Tierhaltung einen hohen Stellenwert.

Die gemeinsame Überwachung von Tier- und Menschenkrankheiten soll die Behörden befähigen, Ausbrüche früher zu erkennen und Massnahmen zu ergreifen. Zudem wird ein Informationssystem für Weideland integriert. Bei Trockenheit sollen die Hirten mit ihren Herden so gelenkt werden, dass die limitierten Weidegründe möglichst effizient und konfliktfrei genutzt werden können.

Ganzheitlicher Ansatz soll Krankheitsübertragung von Tier auf Mensch eindämmen

In der äthiopischen Somali Region sind die Hirtenvölker und ihre Tiere bedroht vom Klimawandel und gefährlichen Infektionskrankheiten. Mangelernährung und Armut sind die Folgen. Das Projekt ist Teil einer grösseren «One Health Initiative». „One Health“ – zu deutsch Eine Gesundheit – steht für einen ganzheitlichen Ansatz zur Förderung der Gesundheit von Mensch und Tier. In Hirtenvölkern kommt es oft zu gegenseitigen Ansteckungen mit Infektionskrankheiten. Auch das momentan grassierende Coronavirus SARS-CoV-2 wurde in China zunächst von Tieren auf den Menschen übertragen. Um die Gesundheit der Menschen zu verbessern, muss auch die Gesundheit der Tiere und der Umwelt gefördert werden.

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