Der übermässige Kleiderkonsum und die Fast Fashion bereiten Grund zur Sorge. Häufig werden die günstigen Kleidungsstücke unter menschenunwürdigen Bedingungen genäht und die Produktion der Stoffe hinterlässt irreversible Spuren an unserer Umwelt. Dafür verantwortlich ist die gesamte Produktions-, Vertriebs- und Entsorgungskette. Jüngste Recherchen von Public Eye über den chinesischen Modegiganten Shein zeigen auf, dass nicht nur in den chinesischen Produktionsstätten, sondern auch beim Logistikvertrieb in Belgien prekäre Arbeitsbedingungen herrschen.
Grosse Modeketten wie H&M und Zara versuchen ihr Image aufzupolieren, indem sie vermeintlich fair produzierte Mode anbieten. Dieses Greenwashing beruhigt das Gewissen der Verbraucher:innen, doch die angepriesenen Nachhaltigkeitsstrategien leisten oft nicht das was sie versprechen. Eine Studie der Changing Markets Foundation belegt etwas, dass Kleidung aus recycelten Flaschen in Wirklichkeit mehr Plastikmüll verursacht.
Aber wie genau wird Mode nachhaltiger und was kann man dafür tun?
Umweltfreundliche Kleidung muss nicht teuer sein. Secondhand-Läden oder Brockis bieten preisgünstige und gut erhaltene Kleidung an. In Vintage-Läden kann man oft Markenkleider zu erschwinglichen Preisen kaufen.



Kleider tauschen statt kaufen
Seit einigen Jahren gibt es Kleidertausch-Gelegenheiten. Dabei bietet man Kleidungsstücke an, die man selbst nicht mehr trägt. Im Gegenzug darf man aus der gesammelten Kleidung neue Teile wählen. Diese Events haben zum Ziel, die Lebensdauer von Kleidungsstücken zu verlängern. Außerdem geben sie die Möglichkeit, nachhaltig und kostenlos neue Kleidung für die eigene Garderobe zu finden. Auch gemeinnützige Organisationen wie Walk-in Closet in Zürich und Sipy in Genf haben das Konzept des Tauschhandels aufgegriffen. Dazu bieten sie Veranstaltungen, einen Online-Shop und eine Online-Plattform an. Warum nicht mal eine Kleidertausch-Party organisieren oder das eine oder andere Teil verleihen?
Upcycling – neues Leben für alte Kleidung
Was tun, wenn die Kleidung aus zweiter Hand zu weit, zu lang oder mit altmodischen Schulterpolstern versehen ist? Projekte wie nacré in Neuchâtel oder Rework in Zürich verfolgen den Ansatz, ausgewählte Kleidungsstücke aus zweiter Hand aufzuwerten, um deren Lebenszyklus zu verlängern. Durch Reparieren und Umnähen wird alter Kleidung neues Leben eingehaucht. Dazu muss manchmal nur die Bluse gekürzt, neue Knöpfe angenäht oder der Kragen entfernt werden.
„Das ökologisch Nachhaltigste sind Kleidungsstücke, die du bereits im Schrank hast.“ ist das Motto von Walk-in Closet. Wenn wir unsere Kleidungsstücke pflegen, reparieren oder verändern, können wir einen neuen und bewussteren Blick auf sie werfen. Kleider aus hochwertigen, natürlichen Materialien statt aus synthetischen Stoffen, halten häufig länger und schonen zudem die Umwelt. Denn ein Problem bei Kleidung aus Kunststofffasern: Winzige Fasern lösen sich beim Waschen und gelangen als Mikroplastik ins Abwasser. Die Kläranlagen können die winzigen Partikel, die sich nicht biologisch abbauen, nicht herausfiltern und gelangen so in die Umwelt .
Wenn man doch mal im Laden zum Kleiderbügel greift, kann man sich immer fragen: Brauche ich dieses zusätzliche Kleidungsstück wirklich? Wer sich diese Frage stellt, geht beim Kleidungskauf klüger vor, meidet Impulskäufe und überfüllte Kleiderschränke.
5 Tipps für nachhaltiges Einkaufen
- Kleider tragen, reparieren, tauschen, leihen
- Secondhand shoppen
- Bewusster einkaufen
- Nachhaltige Textilien wählen aus Biobaumwolle, Lyocell oder Hanf
- Fair-Trade oder nachhaltige Labels unterstützen
