Irrsinnig, wie das tönt!

Von

Peter Lüthi, Reporter und Redaktor

Susanne Cetkovic, langjährige Hobby-Biogärtnerin aus Wil ZH, hat in ihren Boden gelauscht – und war beeindruckt.
Susanne mit Sounding Soil
Susanne Cetkovic hat im Rahmen des Biovision-Projekts «Citizen Science» den Boden an verschiedenen Standorten in ihrem Garten abgehört – auch den Kompost.

Die Ton-Safari begann im Gemüsebeet. Dort schaltete Susanne Cetkovic das Aufnahmegerät ein, schob den Tonsensor behutsam in die lockere Erde und drehte die Lautstärke auf. «Da hörte ich dieses Schaben und Knarren », erzählt sie, «einfach irrsinnig, wie das tönte!» Und das war bloss der Anfang. Im Kompost war die Geräuschvielfalt noch viel grösser. «Ich stellte mir vor, was da knabbert, kriecht oder wühlt», berichtet sie. Der Höhepunkt war der Boden unter dem Zwetschgenbaum. «Diese Erde hatte ich während Jahren in Ruhe gelassen und nie etwas verändert», sagt Susanne Cetkovic. Hier machte sie auch ihre 24-Stunden-Tonmessung.

Dem Boden mehr Sorge tragen

Eine Tagesaufnahme machten auch weitere rund 80 Personen, die vergangenen Sommer an der Aktion «Citizen Science», der wissenschaftlichen Bürgerbeteiligung des Projekts «Sounding Soil» von Biovision, teilnahmen. Ihre Ergebnisse stehen nun der weiteren Erforschung des Themas zur Verfügung.

«Mit diesem Projekt wollen wir die Öffentlichkeit auf die Wichtigkeit des Bodens als Lebensgrundlage, als Wasser- und CO2- Speicher sowie als Basis unserer Ernährung aufmerksam machen», erklärt Sabine Lerch, die bei Biovision für das Projekt verantwortlich ist. «Wir möchten erreichen, dass unsere Gesellschaft dem Boden viel mehr Sorge trägt», sagt sie, «und zwar vom Gärtnern über das Einkaufsverhalten bis hin zur Stimmabgabe an der Urne.»

Susanne Cetkovic ist das alles längst klar. «Mir ist der Boden heute wichtiger als der Salat, der daraus wächst», betont sie. Ihr sei der Groschen bereits vor 46 Jahren gefallen, als sie den Läusen im Salatbeet mit einem Insektizid zu Leibe rückte. Sie erschrak, als sie auf der Packung las, dass der direkte Hautkontakt mit dem Mittel zu vermeiden sei und dass der damit behandelte Salat erst nach drei Wochen gegessen werden dürfe. Die Freizeitgärtnerin besuchte Kurse in biologischem Anbau und stellte radikal um. «Die Töne, die ich jetzt aus meinem Boden höre, sind der lebendige Beweis dafür, dass sich all die Jahre ohne Gift, aber voller Handarbeit, Kompost und Mulch gelohnt haben», sagt sie.

Wollen auch Sie hören, wie Ihr Boden tönt? Melden Sie sich jetzt an unter: www.soundingsoil.ch/mitmachen.

Auf www.soundingsoil.ch/zuhoeren können Sie Aufnahmen von verschiedenen Böden in der ganzen Schweiz hören.

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