Bäuerinnen und Bauern kämpfen in diesem Sommer mit einer Situation, die immer häufiger auftreten wird: Trockenheit, Hitze und Wetterextreme. Davon betroffen sind fast alle Betriebszweige – vom Ackerbau über die Gemüseproduktion bis hin zur Tierhaltung. Das Ausmass und die Tragweite von Ernteausfällen, reduzierter Milchproduktion und Notschlachtungen können noch nicht abschliessend beziffert werden. Aber klar ist: diese Trockenperiode ist ein Weckruf!
Mehr pflanzliche statt tierischer Nahrungsmittel
Nebst den angekündigten kurzfristigen Anpassungsmassnahmen durch das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) braucht es eine grundsätzliche Veränderung des Ernährungssystems. Nur so kann dieses auch unter künftigen Klimabedingungen eine sichere Versorgung der Schweizer Bevölkerung mit Nahrungsmitteln gewährleisten.
Dies hält auch die Klimastrategie Landwirtschaft und Ernährung des Bundes fest. Diese betont, dass Anpassungsmassnahmen nur zusammen mit einer Reduktion der Treibhausgasemissionen wirksam sind. Ohne wirksame Begrenzung des Klimawandels, stossen Anpassungen an ihre Grenzen. Als zentralen Hebel für die Reduktion des Treibhausgasemissionen nennt die Klimastrategie die Verschiebung von Produktion und Konsum hin zu mehr pflanzlichen und weniger tierischen Nahrungsmitteln. Dies bestätigt auch die kürzlich publizierte Studie von Agroscope, welche untersucht hat, wie die Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft im Jahr 2050 aussehen müsste, damit die Nachhaltigkeitsziele des Bundes erreicht werden.
Der Bund hatte ursprünglich vorgesehen, einen wesentlichen Teil der Massnahmen, die er in der Klimastrategie Landwirtschaft und Ernährung vorsieht, mit der Agrarpolitik 2030+ umzusetzen. Doch die vom Bundesrat in der Vernehmlassung vorgeschlagenen Massnahmen reichen bei weitem nicht aus, um die notwendige Transformation einzuleiten und die Schweizer Landwirtschaft für die immensen Herausforderungen der Klimakrise fit zu machen.
«Heute die Weichen für morgen stellen»
Deshalb fordert Biovision bei der Agrarpolitik 2030+ deutlich mehr Ambitionen: «Wir stellen heute die Weichen für morgen», betont Anders Gautschi, Geschäftsleiter von Biovision: «Für ein zukunftsfähiges Ernährungssystem muss der Bund klimaresiliente, pflanzliche Nahrungsmittel gezielt fördern – vom Feld bis zum Teller – und mehr Ackerflächen für die direkte Ernährung von Menschen verfügbar machen.»
Biovision erwartet vom Bundesrat, die Agrarpolitik 2030+, wie im Zukunftsbild 2050 angekündigt, auf das gesamte Ernährungssystem auszurichten. Dazu soll er die gesamte Wertschöpfungskette zukunftsfähig gestalten und neben der Landwirtschaft auch Handel und Konsum in die Verantwortung nehmen.
Konkret fordert Biovision:
- Förderung pflanzlicher Proteine für die direkte menschliche Ernährung: Es braucht höhere Einzelkulturbeiträge und einen stärkeren Grenzschutz für pflanzliche Proteine zur direkten menschlichen Ernährung.
- Reduktion der Konkurrenz zwischen Futter- und Lebensmittelproduktion: Es bedarf einer gezielten Ausrichtung der Direktzahlungen und Marktzulagen, um die Konkurrenz zwischen dem Anbau von tierischem Futter und Nahrungsmitteln für den Menschen zu verringern.
- Absatzförderung an Ernährungsempfehlungen ausrichten: Die Steuergelder, die für die Absatzförderung eingesetzt werden, sollen die vom Bund empfohlenen nachhaltigen und gesundheitsfördernden Ernährungsweisen unterstützen.
- Verbindliche Ziele statt freiwillige Absichtserklärungen: Vereinbarungen mit dem Detailhandel brauchen klare, messbare Zielwerte, müssen sich an den Ernährungsempfehlungen orientieren und die agrarökologische Produktion in der Schweiz stärken. Auch mit der Gemeinschaftsgastronomie gilt es solche Ziele zu vereinbaren.
- Anreizsysteme: Durch Lenkungsabgaben auf Produktions- und Konsumseite sollen externe Umwelt- und Gesundheitskosten internalisiert und Anreize für den notwendigen Wandel geschaffen werden.
- Agroforstsysteme stärken: Agroforste bieten grosses Potenzial für Klimaschutz und -anpassung. Sie sollen gezielt gefördert werden.