Hitzesommer: Landwirtschaft braucht mehr als Sofortmassnahmen 

Von

Barbara Wegmann (Text) und Patricio Frei (Bild)

Der Hitzesommer 2026 zeigt deutlich, wie verletzlich die Schweizer Landwirtschaft gegenüber der Klimakrise ist. Für Biovision ist klar: Kurzfristige Anpassungen reichen nicht aus. Mit der Agrarpolitik 2030+ muss der Bund jetzt die Weichen für ein klimaresilientes und zukunftsfähiges Ernährungssystem stellen.

Bäuerinnen und Bauern kämpfen in diesem Sommer mit einer Situation, die immer häufiger auftreten wird: Trockenheit, Hitze und Wetterextreme. Davon betroffen sind fast alle Betriebszweige – vom Ackerbau über die Gemüseproduktion bis hin zur Tierhaltung. Das Ausmass und die Tragweite von Ernteausfällen, reduzierter Milchproduktion und Notschlachtungen können noch nicht abschliessend beziffert werden. Aber klar ist: diese Trockenperiode ist ein Weckruf!  

Mehr pflanzliche statt tierischer Nahrungsmittel 

Nebst den angekündigten kurzfristigen Anpassungsmassnahmen durch das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) braucht es eine grundsätzliche Veränderung des Ernährungssystems. Nur so kann dieses auch unter künftigen Klimabedingungen eine sichere Versorgung der Schweizer Bevölkerung mit Nahrungsmitteln gewährleisten.  

Dies hält auch die Klimastrategie Landwirtschaft und Ernährung des Bundes fest. Diese betont, dass Anpassungsmassnahmen nur zusammen mit einer Reduktion der Treibhausgasemissionen wirksam sind. Ohne wirksame Begrenzung des Klimawandels, stossen Anpassungen an ihre Grenzen. Als zentralen Hebel für die Reduktion des Treibhausgasemissionen nennt die Klimastrategie die Verschiebung von Produktion und Konsum hin zu mehr pflanzlichen und weniger tierischen Nahrungsmitteln. Dies bestätigt auch die kürzlich publizierte Studie von Agroscope, welche untersucht hat, wie die Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft im Jahr 2050 aussehen müsste, damit die Nachhaltigkeitsziele des Bundes erreicht werden. 

Der Bund hatte ursprünglich vorgesehen, einen wesentlichen Teil der Massnahmen, die er in der Klimastrategie Landwirtschaft und Ernährung vorsieht, mit der Agrarpolitik 2030+ umzusetzen. Doch die vom Bundesrat in der Vernehmlassung vorgeschlagenen Massnahmen reichen bei weitem nicht aus, um die notwendige Transformation einzuleiten und die Schweizer Landwirtschaft für die immensen Herausforderungen der Klimakrise fit zu machen.  

«Heute die Weichen für morgen stellen» 

Deshalb fordert Biovision bei der Agrarpolitik 2030+ deutlich mehr Ambitionen: «Wir stellen heute die Weichen für morgen», betont Anders Gautschi, Geschäftsleiter von Biovision: «Für ein zukunftsfähiges Ernährungssystem muss der Bund klimaresiliente, pflanzliche Nahrungsmittel gezielt fördern – vom Feld bis zum Teller – und mehr Ackerflächen für die direkte Ernährung von Menschen verfügbar machen.»  

Biovision erwartet vom Bundesrat, die Agrarpolitik 2030+, wie im Zukunftsbild 2050 angekündigt, auf das gesamte Ernährungssystem auszurichten. Dazu soll er die gesamte Wertschöpfungskette zukunftsfähig gestalten und neben der Landwirtschaft auch Handel und Konsum in die Verantwortung nehmen. 

Konkret fordert Biovision:  

  • Förderung pflanzlicher Proteine für die direkte menschliche Ernährung: Es braucht höhere Einzelkulturbeiträge und einen stärkeren Grenzschutz für pflanzliche Proteine zur direkten menschlichen Ernährung. 
  • Reduktion der Konkurrenz zwischen Futter- und Lebensmittelproduktion: Es bedarf einer gezielten Ausrichtung der Direktzahlungen und Marktzulagen, um die Konkurrenz zwischen dem Anbau von tierischem Futter und Nahrungsmitteln für den Menschen zu verringern.  
  • Absatzförderung an Ernährungsempfehlungen ausrichten: Die Steuergelder, die für die Absatzförderung eingesetzt werden, sollen die vom Bund empfohlenen nachhaltigen und gesundheitsfördernden Ernährungsweisen unterstützen. 
  • Verbindliche Ziele statt freiwillige Absichtserklärungen: Vereinbarungen mit dem Detailhandel brauchen klare, messbare Zielwerte, müssen sich an den Ernährungsempfehlungen orientieren und die agrarökologische Produktion in der Schweiz stärken. Auch mit der Gemeinschaftsgastronomie gilt es solche Ziele zu vereinbaren. 
  • Anreizsysteme: Durch Lenkungsabgaben auf Produktions- und Konsumseite sollen externe Umwelt- und Gesundheitskosten internalisiert und Anreize für den notwendigen Wandel geschaffen werden. 
  • Agroforstsysteme stärken: Agroforste bieten grosses Potenzial für Klimaschutz und -anpassung. Sie sollen gezielt gefördert werden. 

Weitere Beiträge

Landwirtschaft, Wissen

Fruchtbare Böden ganz ohne Mist und Gülle 

Die Ferme du Château in Payerne VD zeigt, wie sich in der Landwirtschaft Bodenfruchtbarkeit konsequent über pflanzliche Kreisläufe aufbauen lässt. Dabei setzt der Hof auf Gründung und Fruchtfolge mit vielfältigen Kulturen. Sogar die Auslieferung erfolgt klimafreundlich.
Landwirtschaft, Wissen

Der Hofladen in der Stadt 

Er ist mehr als ein Bio-Laden mit einem Bistro: Bio26 in Freiburg bringt Bäuerinnen, Bauern und Konsumierende zusammen und ermöglicht so Verbindungen zwischen Stadt und Land. Mit Transparenz, fairen Preisen und Raum für Begegnungen zeigt das Projekt, wie ein nachhaltiges Ernährungssystem im urbanen Alltag funktionieren kann.
Landwirtschaft, Wissen

Wo Getreide, Handwerk und Gemeinschaft zusammenfinden 

In der historischen Müli Geuensee verarbeitet eine junge Familie regionales Bio-Getreide zu Mehl, Flocken und Brot – getragen von einem Verein und einer Stiftung. Damit zeigt der Betrieb, wie agrarökologische Wertschöpfung lokal verankert, gemeinschaftlich getragen und langfristig gesichert werden kann.
Landwirtschaft, Märkte

Emmanuel gegen die Saatgutriesen

Mit seinem Startup verfolgt Emmanuel Luwemba ein klares Ziel: Er will lokales Saatgut wieder zurück auf Ugandas Felder bringen. Doch der Markt gehört anderen.