Diese Unternehmerinnen zeigen, wie es geht

Von

Laura Angelstorf (Text und Bilder).

Erstmals hat Biovision in Ruanda eine Auszeichnung für agrarökologische Unternehmerinnen und Unternehmer verliehen. Die Siegerin aus Tansania hat das Potenzial, überall in Afrika ganze Ernten zu retten.

Die Bäuerinnen und Bauern in Tansania kennen das Problem nur zu gut: Schädlinge wie der Mais-Stängelbohrer und die Tomatenminiermotte Tuta absoluta fressen ihnen die Ernte weg und bedrohen ihre Existenz. Dr. Never Mwambela, Geschäftsleiterin von Plant Biodefenders, entwickelte gemeinsam mit Bäuerinnen und Bauern das natürliche Schädlingsbekämpfungsmittel Vuruga. Dieses basiert auf einem Pilz, der einen Beitrag zur Bodengesundheit leistet und gleich gegen mehrere Schädlinge wirksam ist. Zudem ist Vuruga kostengünstig und nicht gesundheitsgefährdend. Das biologische Pflanzenschutzmittel ist bereits patentiert. Es hat das Potenzial in ganz Afrika Ernten zu sichern und so einen wichtigen Beitrag gegen Hunger zu leisten.  

«Früher habe ich mich vor allem als Wissenschaftlerin verstanden, heute bin ich auch Unternehmerin, die ihr Wissen teilt und damit versucht, den Einsatz umweltschädlicher synthetischer Pestizide zu verringern», erklärt Mwambela bei der Preisverleihung in Ruandas Hauptstadt Kigali stolz. Eine grosse Herausforderung für die Entwicklung des Produkts sei gewesen, die Bäuerinnen und Bauern davon zu überzeugen, ihre Pflanzen nicht mehr konventionell zu behandeln. «Viele mussten komplett umdenken», führt Mwambela aus: «Jetzt aber berichten uns die Bäuerinnen und Bauern, dass sie auf ihren Feldern mehr Bienen und Schmetterlinge sehen, seit sie unser biologisches Pflanzenschutzmittel anwenden.» 

08_01_IMG_6521
«Ich bin eine Unternehmerin, die ihr Wissen teilt»
Siegerin Dr. Never Mwambela, CEO Plant Biodefenders

Training mit langfristigem Effekt 

Aus über 200 Bewerbungen für den Agroecological Food Futures Prize von Biovision hatte Mwambela es in die Runde der letzten sechs geschafft und sich dort gegen die Konkurrenz aus Kenia, Ruanda, Tansania und Uganda durchgesetzt. Eines der Kriterien, die von der Jury beurteilt wurden, war eine fünfminütige Präsentation des Unternehmens auf der Bühne in Kigali.  

Als Vorbereitung für diesen Auftritt hatte Biovision für die Finalist:innen ein Trainingsprogramm organisiert. Das dabei vermittelte Wissen soll den Unternehmerinnen und Unternehmern helfen, in Zukunft auch Investorinnen und Investoren von ihrem Geschäftsmodell zu überzeugen. Den langfristigen Effekt dieses Trainings unterstreicht auch Hans von Zinkernagel, Programmverantwortlicher bei Biovision: «Für agrarökologische Unternehmen ist es entscheidend, Investorinnen und Investoren zu finden, die ihre soziale, ökologische und wirtschaftliche Wirkung schätzen.» 

Tradition und Innovation eröffnen neue Perspektiven 

Der zweite Platz des Agroecological Food Futures Prize ging an Gladwell Karangi von Agritech in Kenia. Ihr innovatives Geschäftsmodell ermöglicht Bäuerinnen und Bauern mit Testgeräten die Boden-qualität in Echtzeit zu analysieren. Gleichzeitig werden die Ergebnisse mit Satellitendaten abgeglichen und mithilfe künstlicher Intelligenz Empfehlungen formuliert, die den Bäuerinnen und dem Bauern ermöglichen, ihre Ernte zu sichern. 

Auch traditionellere Geschäftsmodelle fanden Anklang: Pauline Otila, CEO von Apiculture Ventures und ebenfalls aus Kenia, durfte sich über Rang 3 freuen. Ihr Unternehmen unterstützt Imkerinnen und Imker dabei, ihre Bienenhaltung zu modernisieren und bienenfreundliche Umgebungen zu schaffen. 1800 Imker:innen konnten bereits von den Trainings profitieren. 

Alle drei Gewinnerinnen wollen nun das Preisgeld nutzen, um das Wissen bei den Bäuerinnen und Bauern zu verbreiten und diese bei der Anwendung agrarökologischer Praktiken zu unterstützen.  

Bodenqualität in Echtzeit analysieren; Gladwell Karangi holt den 2. Platz.

Ein überzeugender Beweis  

Mit dem Agroecological Food Futures Prize will Biovision dazu beitragen, die politischen Rahmenbedingungen für Agrarökologie zu verbessern. Und nichts ist überzeugender als der Beweis, dass agrarökologische Unternehmen einen positiven Effekt auf die Umwelt und Gesellschaft haben – und gleichzeitig profitabel sind. Überzeugt vom Potenzial der agrarökologischen Unternehmen zeigt sich auch Shiru Mwangi, Jury-Mitglied und Impact-Investorin bei Gather Ventures: «Kleinbauernfamilien können sich die teuren, oft importierten Dünge- und Pflanzenschutzmittel nicht leisten. Ihre Höfe werden immer unproduktiver. Deshalb muss der Fokus darauf liegen, die Bodengesundheit auf natürliche Weise wiederherzustellen.»  

Von der grossen Medienresonanz in Ostafrika auf den ersten Agroecological Food Futures Prize profitieren die Unternehmer:innen und letztlich die ganze Bewegung der Agrarökologie. Shiru Mwangi fasst es treffend zusammen: «Diese Auszeichnung ist ein grossartiges Mittel, um Aufmerksamkeit für jene Unternehmen zu generieren, die in ihren Geschäftsmodellen das Klima, die Umwelt sowie die Bedürfnisse der Frauen, Mädchen und Schwächsten berücksichtigen. Sie leisten damit einen enormen Beitrag für ein nachhaltiges Ernährungssystem.» 

Hilft, Bienenhaltung zu modernisieren und zu verbessern; die Drittplatzierte Pauline Otila.

Weitere Beiträge

Landwirtschaft

Altes Getreide, neue Stärke 

Mehr und mehr Vielfalt in den Getreidearten verschwindet. Auch in der Schweiz. Die Getreidezüchtung Peter Kunz (gzpk) will das verhindern. Sie arbeitet in partizipativen Projekten mit Landwirtinnen und Landwirten daran, altes Wissen und moderne Forschung zu verbinden – etwa beim fast vergessenen Getreide Emmer. Ein Gespräch mit Emmerzüchter Felix Jähne über Vielfalt, bäuerliche Erfahrung und die Landwirtschaft der Zukunft.
Märkte, Politik

Die nächste Tür für Agrarökologie öffnet sich

Das African Food System Forum (AFSF) ist einer der einflussreichsten Treffpunkte für die Zukunft afrikanischer Ernährungssysteme. Lange war die Debatte vor allem von Konzernen und grossen Geldgebenden geprägt. Im 2025 war Biovision erstmals dabei und konnte erreichen, dass Agrarökologie offiziell mit einem eigenen Programmpunkt vertreten war – ein Meilenstein und ein Zeichen dafür, dass sich mit viel Geduld und Hartnäckigkeit auch die schwersten Türen öffnen lassen.
Konsum, Landwirtschaft

Landwirtschaft stärken: mit Allianzen und Analysen

Die bäuerliche Landwirtschaft steht unter Druck: In der Schweiz schliessen seit Jahrzehnten täglich Bauernhöfe. Im Kommentar erklärt Expertin Marie Brault, Projektleiterin beim Mouvement pour une agriculture paysanne et citoyenne (MAPC), weshalb neue Allianzen und fundierte Analysen nötig sind, um Wissen, Kultur und Zukunftsperspektiven zu sichern.
Landwirtschaft

«Die Lupine wäre hervorragend geeignet für den Anbau in der Schweiz»

Biovision hat die Lupine zum Superfood des Jahres 2026 gekrönt. Züchterin Miriam Kamp erklärt, warum die Pflanze so viel Potenzial hat, wo die Herausforderungen sind und wie neue Sorten den Durchbruch schaffen.