Schweizer Bürger:innenrat für Ernährungspolitik ist erfolgreich gestartet

Von

Martin Grossenbacher, Biovision

Der Schweizer Bürger:innenrat für Ernährungspolitik hat am Wochenende vom 11./12. Juni mit der Arbeit begonnen: Zum ersten Mal diskutieren Bürger:innen aus allen Teilen des Landes, wie aus ihrer Sicht ein nachhaltiges Ernährungssystem für die Schweiz aussehen könnte.

Daniel Seifert, Projektleiter des Bürger:innenrats, freut sich über den gelungenen Start des Bürger:innenrats in Olten: «Wir haben in der Schweiz ein grundsätzliches Interesse daran, herauszufinden, wie die Transformation unserer Ernährungssysteme hin zu mehr Nachhaltigkeit gelingen kann. Über den Bürger:innenrat wollen wir von der Bevölkerung wissen, was es für ein nachhaltigeres Ernährungssystem braucht. Wir sind sehr gespannt auf das Resultat!». Der Schweizer Bürger:innenrat für Ernährungspolitik ist am Wochenende vom 11./12. Juni in Olten zum ersten Mal zusammengekommen.

Teilnehmende des Bürger:innenrats sitzen an einem runden Tisch.
Foto: Ernährungszukunft Schweiz, Caroline Krajcir, Zürich

Akteur:innen des Ernährungssystem mit dem Bürger:innenrat an einem Tisch

Am Auftaktwochenende nahmen Vertreter:innen aus der Wissenschaft, der Landwirtschaft und des Umweltschutzes teil und stellten dem Bürger:innenrat ihre Sicht auf das heutige Schweizer Ernährungssystem vor. Das Interesse und die Motivation der Mitglieder des ersten Schweizer Bürger:innenrats für Ernährungspolitik, sich auszutauschen und einzubringen ist gross: «Ich bin gespannt und freue mich sehr am ersten Bürger:innenrat der Schweiz teilzunehmen, die anderen 84 Personen und ihre verschiedenen Ansichten über die Zukunft unseres Ernährungssystem kennenzulernen», sagt beispielsweise Ruth Zurbrügg (55), Hausfrau und zweifache Mutter aus Sumiswald (BE).

Digitale Sitzungen, physische Treffen und Lernausflüge

Dem Auftaktwochenende in Olten folgen acht digitale Sitzungen. In Kleingruppen werden konkrete Herausforderungen unseres Ernährungssystems beleuchtet. Dazu werden fünf Themen behandelt: Umwelt, Soziales, Gesundheit, Wirtschaft und Produktion. Die Mitglieder des Bürger:innenrats haben im Sommer zudem die Möglichkeit spannende Praxisbeispiele in Form von Lernausflügen zu besuchen.

Bei den Lernausflügen erhalten die Teilnehmenden an Beispielen konkretes praktisches Wissen zu nachhaltigen Ernährungssystemen von Produktion über Verarbeitung bis Verkauf. Dabei wird Wert auf Ausgewogenheit gelegt: Unterschiedliche Anbausysteme, von konventionell bis biologisch, werden genauso berücksichtigt wie verschiedene Regionen, beispielsweise Berg oder Tal. Ihre Erfahrungen und Erkenntnisse bringen die Bürger:innen dann in die Diskussionen im Rat ein.

Das zweite physische Treffen des Bürger:innenrats findet am 1. Oktober 2022 in Lausanne statt, bevor er sich zum Abschlusswochenende am 5./6. November in Zürich trifft. Dort werden die Empfehlungen finalisiert und im Plenum wird darüber abgestimmt. Als Ergebnis präsentiert der Schweizer Bürger:innenrat für Ernährungspolitik einen Empfehlungskatalog für konkrete Massnahmen, wie unser Ernährungssystem nachhaltiger gestaltet werden soll. Die Empfehlungen werden am nationalen Ernährungssystemgipfel vom 2. Februar 2023 in Bern an Politik, Verwaltung und Praxis übergeben sowie der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

Wer ist der Bürger:innenrat für Ernährungspolitik?

Die nach repräsentativen Kriterien ausgewählten Mitglieder des Bürger:innenrats kommen aus allen Landesteilen und sind zwischen 20 und 79 Jahre alt. Von Sympathisant:innen der SVP bis zu den Grünen nahestehenden Personen hin zu politisch Nichtinteressierten sind alle vertreten. Die Interessent:innen wurden vom Sozial- und Marktforschungsinstitut DemoSCOPE nach einem Zufallsverfahren gesucht und die 85 Teilnehmenden schliesslich per Los ausgewählt. «Wir konnten Bürger:innen von überall aus dem Land gewinnen, die nun zusammen eine möglichst repräsentative Abbildung der Schweizer Wohnbevölkerung darstellen. Damit bietet sich jetzt die Chance neue Impulse für eine Schweizer Ernährungspolitik zu entwickeln», erklärt Daniel Seifert zuversichtlich.

Der Bürger:innenrat für Ernährungspolitik wird im Rahmen von «Ernährungszukunft Schweiz» um durchgeführt, dem jüngsten Schweizer Biovision-Engagement für eine nachhaltige Transformation unseres Ernährungssystems.

Es wird vom Sustainable Development Solution Network Switzerland (SDSN), Landwirtschaft mit Zukunft und Biovision getragen. Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW), das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), das Bundesamt für Umwelt (BAFU) sowie die Stiftungen Mercator, SNL, Drittes Millenium und Minerva unterstützen das Projekt finanziell.

Weitere Beiträge

Landwirtschaft

Superfood aus dem Thurgau

Die Lupine wurde von Biovision zum Superfood des Jahres gekürt. Zu den wenigen Mühlen in der Schweiz, die Lupinen verarbeiten, gehört die Tiefenmühle in Herdern TG. Wo jahrzehntelang Stille herrschte, setzt Marc Nyffenegger heute auf Fingerspitzengefühl, Qualität und Erfahrung.
Landwirtschaft

Das lernende System im Zürcher Weinland

Der Grüthof in Wildensbuch ZH zeichnet sich durch seine Vielfalt aus. Dabei zeigt sich die Freude von Beatrice Peter und Jorge Vásquez am Experimentieren.
Landwirtschaft, Märkte

Das Wir gewinnt

Intensiver Tabakanbau war im Norden Malawis lange eine der wenigen Möglichkeiten, um zu Geld zu kommen. Monica Ngoma geht gemeinsam mit ihrem Mann und anderen jungen Bäuerinnen und Bauern einen neuen Weg: Zusammenarbeit, agrarökologische Methoden und lokale Wertschöpfung statt Abhängigkeit von Chemie, Tabak und der Willkür des Weltmarkts.
Politik

Wenn Energiekrisen das Ernährungssystem treffen

Die aktuellen Spannungen im Nahen Osten rücken Öl- und Energiemärkte in den Fokus. Doch auch das globale Ernährungssystem kann dadurch unter Druck geraten. Charlotte Pavageau von Biovision ordnet ein, warum das ausgerechnet die ärmsten Haushalte besonders hart treffen würde.