«Honig ist eine sichere Einkommensquelle»

Von

Peter Lüthi, Projektreporter

Reportage aus dem Leben von Imker-Familie Lopus aus Lomut, Kenia.

Wie die Bienenzucht mein Leben verändert.

Zwei kleine, spartanisch eingerichtete Rundhäuser und ein Gehege mit 33 Ziegen: so sah das Heim von Chemunung und Peter Lopus im Dezember 2006 aus, als ich sie das letzte Mal besuchte. Ihr Leben im abgelegenen Kerio-Valley in Westpokot war nicht einfach. Dennoch schwelgten die beiden im Glück. Chemunung hatte drei Tage zuvor einen gesunden Knaben zur Welt gebracht.

12 Jahre später, im vergangenen Juli, besuchte ich die Familie erneut. Sie wohnt jetzt noch weiter weg vom Dorf. Als ich den riesigen Hof mit drei geräumigen Häusern und einem Speicher betrete, kommt mir das Ehepaar strahlend entgegen. «Erinnerst du dich?» lächelt Chemunung und zeigt auf einen Knaben in grünem T-Shirt. «Das ist Kibet. Bei dem letzten Besuch war er drei Tage alt, und ich badete ihn draussen vor dem Haus».

Die beiden besitzen heute eine Kuh, vier Rinder, einen Stier, 119 Stück Kleinvieh und eine stattliche Hühnerschar. Sie konnten sich ein Motorrad kaufen, mit welchem Peter die Honigernten zur Sammelstelle in Lomut fährt. Er beteiligte sich ab 2004 am «Cabesi»- Projekt von Biovision und erlernte die Produktion von reinem Honig. Lopus begann mit fünf Bienenkästen, heute sind es 35. In einer guten Saison erntet er mehr als eine halbe Tonne Qualitätshonig. Diesen verkauft er zu einem stabilen Preis an den Cabesi Marketplace und bekommt dafür gut 90 000 Kenia Shilling (ca. 800 Franken). «Honig ist eine sichere Einkommensquelle », sagt er. «Wenn das Vieh stirbt, sammeln die Bienen weiter Honig». Peter weiss, wovon er spricht. Er hat während der letzten Dürre sieben Rinder und 37 Stück Kleinvieh verloren. Zum Glück erholt sich sein Tierbestand wieder.

Trotz ihres Erfolges halten Frau und Herr Lopus am einfachen Leben im Busch und an ihrer sorgfältigen Arbeitsweise fest. Die Gewinne aus dem lukrativen Honiggeschäft investieren sie mit Bedacht. Sie ermöglichen allen Kindern eine komplette Schulbildung, auch den Mädchen. In Westpokot ist das keine Selbstverständlichkeit. Und sie expandieren weiter. Peter hat bereits zehn neue Bienenkästen gebaut. Dadurch werden sich ihre Existenz und die Ernährungssicherheit weiter verbessern. Wenn die Ernten im semiariden Kerio Valley mangels Regen einbrechen, können sie Nahrungsmittel zukaufen.

Zum Abschied drückt mir Chemunung ein lebendiges Huhn in die Hand. Ich habe keine Wahl und nehme das Geschenk gerührt an. Mein Gewissen beruhige ich mit dem Bewusstsein, dass die beiden es geschafft haben und ihr Leben meistern.

 

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