Bienen und ihr Wert für unseren Planeten

Von

Silvana Sachs

Das Bienensterben ist in aller Munde. Nicht nur der fehlende Geschmack des Honigs auf der Zunge bereitet Sorgen: Bereits Einstein prophezeite, dass der Mensch ohne Bienen nur noch vier Jahre auf der Erde zu leben hätte. Auch wenn dies wohl eine überspitzte Aussage war, stellt sich die Frage, welche schwerwiegenden Folgen ein Leben ohne direkt bestäubende Insekten wie Bienen oder Hummeln mit sich brächte. Ausser Frage befindet sich die Tatsache, dass nicht zuletzt anthropogene Einflüsse zum dramatischen Tod vieler Bienenvölker führen. Was können wir tun?

Bienen erhalten die Biodiversität

Bestäuber nehmen bekanntlich eine Schlüsselrolle für die Erhaltung der Biodiversität ein. So sind 78 % aller Blütenpflanzenarten wie beispielsweise Apfel, Erdbeere, Mandel, Tomaten oder Melone in den gemässigten Breiten auf Insekten angewiesen. Der entsprechende wirtschaftliche Wert der Bestäuberleistung in der Landwirtschaft beträgt dabei global jährlich schätzungsweise 153 Milliarden Euro. Unter den erwähnten Insekten bilden Bienen die wichtigste Bestäubergruppe, wobei die Vielfalt der Bienenarten und nicht etwa eine bestimmte Unterart entscheidend ist. Dabei nehmen Wildbienen dank ihrer grossen Vielfalt an Arten eine wichtige Rolle ein: So fliegen viele Wildbienenarten z.B. auch während längerer Schlechtwetterperioden und sind effizientere Bestäuber als andere Bienenarten. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass ein Rückgang der Bestäuber nicht nur zu einer Abnahme von biologischer Vielfalt, sondern ebenfalls zu bedeutenden Ertragsverlusten in der Landwirtschaft führt (FiBL, 2014).

Menschen verursachen Bienentod

Der Rückgang der Wildbienen ist alarmierend. Die Gefährdung aller Wildbienenarten in Mitteleuropa beträgt zwischen 25 % und 68 %. Hauptverursacher dafür ist der Mensch: Neben natürlichen Faktoren wie etwa die Verpilzung der Nahrungsvorräte, Parasiten oder Schlechtwetterperioden führt das Tun des Menschen beispielsweise zur Zerstörung und Beeinträchtigung wichtiger Lebensräume. Zeichen dafür sind der Rückgang der Blütenvielfalt und -menge, der Verlust besonnter Kleinstrukturen oder die Verinselung blüten- und strukturreicher Habitate. Ursache dafür ist insbesondere die Nutzungsintensivierung des Grünlands durch den Einsatz von Mineraldüngern und chemisch-synthetischen Pestiziden. Insektizide wie Neonicotinoide und Pyrethroide führen zum Tod oder zur Gesundheitsschädigung der Bestäuber: Die Giftstoffe werden via Nektar und Pollen der Kulturpflanzen unkontrolliert an viele blütenbesuchende Insekten weitergegeben. Zudem kann es sein, dass das Verhalten, die Fortpflanzung sowie die Gehirnentwicklung von Bienen negativ beeinflusst werden (FiBL, 2014).

Der oben beschriebene giftige Pestizidcocktail konnte durch eine Untersuchung von Pollen, welche Bienen in Europa sammeln, nachgewiesen werden. Dabei stellte sich heraus, dass mehr als zwei Drittel des Pollens mit bis zu 17 unterschiedlichen toxischen Pestiziden kontaminiert sind. Die entsprechenden Chemikalien, welche aus Insektiziden, Akariziden, Fungiziden und Herbiziden bestehen, stammen allesamt von grossen Chemiekonzernen wie beispielsweise Syngenta, Bayer und BASF (Greenpeace Schweiz, 2014).

Ein Bienenstock hat sich in einem Astauge ausgebreitet.
Ein Bienenstock hat sich in einem Astauge ausgebreitet.

Pflanzenschutz vs. Bienenschutz

Der Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden sowie Mineraldüngern bringt auf den ersten Blick viele Vorteile mit sich. So kann der Befall von Schädlingen verhindert und der kurzfristige Ertrag durch schnelleres Wachstum der Pflanzen gesteigert werden. Aber wird denn auch über den Tellerrand hinausgeblickt? Wird daran gedacht, dass von 100 Nutzpflanzenarten, welche global 90 % der Nahrung liefern, 71 Arten von Bienen bestäubt werden und daraus über 4000 Gemüsesorten resultieren? Die langfristige Auswirkung des Bienensterbens sollte also ebenfalls im Auge behalten werden: Sind Wild- und Honigbienen doch für die Erhöhung der Ernteerträge unverzichtbar und tragen dadurch massgeblich zur Aufrechterhaltung der weltweiten Ernährungssicherheit bei (Greenpeace Deutschland, 2014).

Die Häufigkeit des Einsatzes der genannten Wirkstoffe in der Schweiz ist unklar, da diese nicht erfasst werden. Das Bundesamt für Landwirtschaft kontrolliert diesen Einsatz jedoch: Jede:r Landwirt:in, welche:r Direktzahlungen erhält, ist dazu angehalten, die Verwendung von Pestiziden zu protokollieren. So wird die Lagerung und der Einsatz der Wirkstoffe von den Prüferinnen und Prüfern zwar begutachtet, Daten werden aber keine gesammelt (Die Südostschweiz, 2013).

Was können wir tun?

Der Mensch als Hauptverursacher des Bienensterbens trägt auch einen positiven Aspekt mit sich: Wenn unser Handeln dafür verantwortlich ist, kann eben dieses auch zu einer Verbesserung beitragen. So liegt es in unserer Hand, Förder- und Schutzmassnahmen wie beispielsweise die Erhaltung blüten- und kleinstrukturreicher Lebensräume zu ergreifen. So fördert zum Beispiel die biologische Landwirtschaft die Wildbienenvielfalt durch ein höheres Blütenangebot dank dem Verzicht auf chemisch-synthetische Pestizide sowie Kunstdünger, dem vermehrten Anbau von Kleegras und extensiver Graslandnutzung (FiBL, 2014).

Des Weiteren können naturnahe Lebensräume aus bisher konventionellen Landwirtschaftsflächen wiederhergestellt werden. So stellen krautige Ackerrandstreifen, brachliegende Flächen, naturnahe Grünlandflächen, Hecken und Waldbestände nachweislich wichtige Nahrungsquellen, Nistplätze sowie Winterquartiere für Wild- und Honigbienen dar. Traditionell bewirtschaftete Heuwiesen, welche erst zu einem späteren Zeitpunkt im Jahr gemäht werden, erhöhen ebenfalls die Blütenvielfalt – kleinere Flächen können ungemäht bleiben und von den Bienen als Rückzugsort benutzt werden (Greenpeace Deutschland, 2014).

Zusätzlich fordert Greenpeace von der Schweizer Regierung eine Erweiterung der bereits bestehenden Teilverbote der bienenschädlichsten Pestizide (Clothianidin, Imidacloprid, Thiamethoxam) zu einem vollständigen Verbot. Ebenfalls soll ein klar definierter Reduktionsplan für den Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden formuliert und in die Forschung für chemiefreie Alternativen investiert werden (Greenpeace Schweiz, 2014).

Die oben genannten Aspekte führen zur Abwendung vom derzeitigen chemieintensiven Agrarmodell und demzufolge zur Einführung ökologischer Agrarmodelle. Dies kann nur mithilfe einer stärkeren öffentlichen und privaten Finanzierung der Erforschung und Entwicklung ökologischer Anbaupraktiken geschehen. Eine ökologische Landwirtschaft verleiht Gemeinschaften die Fähigkeit, sich aus eigener Kraft zu ernähren, schützt die Böden vor Erosion sowie Zerstörung, schützt ebenfalls das Wasser und schafft somit natürliche Lebensräume. Zusätzlich werden Treibhausgas-Emissionen gesenkt. Die ökologische Landwirtschaft ist auf die Natur angewiesen und schützt sie gleichzeitig, indem sie ökologische Güter in agrarökologische Systeme integriert, welche heute und künftig die Ernährungssicherheit für den Menschen ermöglichen (Greenpeace Deutschland, 2014).

Kann Honig BIO sein?

Wer vor einem BIO-Honig im Einkaufsregal steht, stellt sich vermutlich die Frage, ob es denn möglich ist, Honig gänzlich in BIO-Qualität zu produzieren. Diese Überlegung ist nicht unberechtigt, kann doch nur schwer kontrolliert werden, welche Blüten sich denn genau im Einzugsgebiet der Bienen befinden.

Die Pflege der Bienenvölker sowie die nachhaltige Produktionsweise des biologischen Honigs machen den Unterschied. Dabei befolgen BIO-Imker strenge Vorschriften: Neben Bienenkästen aus natürlichen Materialien setzen sie gezielt an den Standort angepasste und somit robuste Bienenvölker ein. Sie arbeiten mit natürlichen Zucht- und Vermehrungsverfahren und verzichten auf chemisch-synthetische Tierarzneimittel. Ebenfalls bekämpfen sie die für die Biene tödliche Varroamilbe ausschliesslich mit organischen Säuren sowie füttern sie ihre Bienen nur mit BIO-Zucker oder BIO-Futtersirup und unterstützen somit die biologische Landwirtschaft (Infoflyer Bio Suisse).

Im Vergleich zu anderen Nahrungsmitteln kann Honig zu Recht als reines Naturprodukt bezeichnet werden, da er keine belastenden Stoffe aus Umweltgiften enthält. So interessieren sich die Bienen zum einen nicht prioritär für landwirtschaftliche Kulturpflanzen, welche mit chemischen Pestiziden bespritzt werden. Zum anderen zeigen Bienen sehr empfindliche Reaktionen auf verschiedene Pestizide und werden dadurch so beeinträchtigt, dass sie ihr Zuhause im Bienenstock gar nicht mehr erreichen können (Infoflyer Bio Suisse).

Mit dem Griff zum BIO-Honig im Einkaufsregal können wir als Konsumierende also ebenfalls einen nicht unerheblichen Beitrag zu einem gesunden Ökosystem leisten.

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