Raus aus der Nische! Genossenschaften weisen den Weg

Sollen in Zukunft alleine Industrie und Handel entscheiden, was auf unseren Tellern landet? Nein, sagen die Genossenschafter:innen von La Fève aus Genf.
 

Von Daniel Langmeier, Politikberater bei Biovision 

Bei der Genossenschaft La Fève in Meyrin im Kanton Genf (siehe Box) engagieren sich über 250 Frauen und Männer und leisten Pionierarbeit: Sie nehmen sowohl als Produzent:innen als auch als Konsument:innen das Ruder selbst in die Hand und gestalten ihr eigenes nachhaltiges Ernährungssystem. Dieses Beispiel zeigt auf, dass wir weit über die Produktion von Nahrungsmitteln hinausdenken und handeln müssen, um den agrarökologischen Grundsätzen gerecht zu werden. Es geht auch um das Zusammenspiel bäuerlicher Arbeit mit unserem Konsum. Ein solidarisch organisierter Quartierladen ermöglicht zum Beispiel den Aufbau einer vertrauensvollen Verbindung zwischen Produzenten und Konsumentinnen. Und er bettet das Ernährungssystem in die lokale Wirtschaft ein. Dank einer Abnahmegarantie wird das Risiko zwischen der Bauernschaft und den Verbraucher:innen aufgeteilt. Diese Sicherheit erlaubt es den Produktionsbetrieben, neue und besonders nachhaltige Ansätze auszutesten. 

Faire Lebensmittel zu fairen Preisen

Vielerorts in der Schweiz entstehen ähnliche Projekte wie La Fève. Neben partizipativen Läden sind das vor allem Vertragslandwirtschaftsprojekte. Doch es ist wichtig, dass diese Initiativen aus der Nische kommen und Schule machen. Für eine schweizweite Transformation des Ernährungssystems müssen gesunde, nachhaltige Lebensmittel zu fairen Preisen leicht zugänglich sein für alle. Mit klaren Grundsätzen zeigt der Ansatz der Agrarökologie auf, wie solch ein nachhaltiges Ernährungssystem schrittweise verwirklicht werden kann (siehe Hintergrundseite Agrarökologie). Der Entscheid von IP-Suisse geht bereits in diese Richtung: Ihre zertifizierten Betriebe werden in den nächsten Jahren auf den pestizidfreien Getreidebau umstellen. Das ist gut, denn der Einsatz synthetischer Pestizide muss weiter reduziert werden – trotz Ablehnung der Initiativen am 13. Juni 2021. Die Biobetriebe zeigen, wie es ohne diese problematischen Substanzen auch geht. Dem positiven Beispiel müssen deshalb weitere folgen, etwa beim Früchteanbau. 

Ball liegt bei den Grossverteilern – und bei uns

Für die Produktion schöner Früchte werden synthetische Pestizide nicht zuletzt aus kosmetischen Gründen eingesetzt, etwa gegen Schorf. Und hier schliesst sich der Kreis: Um das zu ändern, braucht es die Kooperation von Produzentinnen und Konsumenten. Damit erstere auf einen pestizidfreien Anbau umstellen, sind sie angewiesen auf eine informierte Kundschaft, welche diese Früchte kauft. Diese Solidarität und das gegenseitige Verständnis müssen jetzt auch in herkömmlichen Läden und Einkaufszentren entstehen. Hier sind die Grossverteiler gefragt, aber auch Organisationen wie Biovision. Wir werden diesem Auftrag bereits seit Jahren gerecht mit fundierten Hintergrundinformationen und konkreten Tipps für Schulklassen und die breite Öffentlichkeit zum umweltfreundlichen und fairen Einkauf.