Agrarökologischer Durchbruch in Äthiopien

Ein Erfolg, der Hoffnung sät

Jahrzehntelang mussten Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in Ostafrika teures Saatgut für die Push-Pull-Methode aus dem Ausland kaufen. Es war kaum verfügbar – und wenn doch, dann unerschwinglich.

Gemeinsam mit unserer Partnerorganisation icipe ist Biovision nun ein entscheidender Durchbruch gelungen: Zum ersten Mal konnten die wichtigen Pflanzen Brachiaria und Desmodium in Äthiopien als Saatgut produziert werden. Mit beeindruckender Keimrate, hoher Qualität – und enormer Bedeutung für die lokale Landwirtschaft.

«Zum ersten Mal halten wir eigenes Saatgut in den Händen – das ist wie Unabhängigkeit.» – Mulatu Lodebo, Bauer aus Fite Jeju

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Natürliche Lösungen statt Chemie

Die Push-Pull-Methode ist eine ökologische Anbaumethode, die Schädlinge fernhält, Erträge steigert und die Böden stärkt:

  • Push: Desmodium zwischen den Reihen stösst Schädlinge ab.
  • Pull: Brachiaria rund ums Feld zieht sie an – und dient zugleich als Futtergras für das Vieh.

Diese Kombination ersetzt teure Pestizide und macht die Landwirtschaft widerstandsfähiger gegen Dürre und Klimawandel.

Ein System mit doppeltem Nutzen:

  • Mehr Ertrag und Einkommen
  • Gesunde Böden und Tiere
  • Weniger Abhängigkeit von Importen

Bisher mussten wichtige Samen aus Ländern wie Mexiko oder Thailand importiert werden – teuer und kaum nachhaltig. Mit der neuen lokalen Produktion sinkt der Preis drastisch:

  • Importiertes Brachiaria: ca. 40 US-Dollar pro kg
  • Lokal produziertes Saatgut: ca. 10 US-Dollar pro kg

So wird die Push-Pull-Methode endlich auch für ärmere Familien erschwinglich – und schafft neue Einkommen, gerade für Frauen.

«Früher konnten wir uns das Saatgut nicht leisten. Heute verkaufen wir es selbst weiter.» – Tadelech Tessema, Kleinbäuerin aus Fite Jeju

In Nacha Kulit, im Süden Äthiopiens, steht Mulu Ermiyas auf ihrem Feld. Vor zwei Jahren lernte sie im Biovision-Projekt, Saatgut selbst zu vermehren. Früher kämpfte sie mit Schädlingen und mageren Ernten. Heute produziert sie ihr eigenes Saatgut, füttert ihre Tiere mit Brachiaria-Gras und verkauft den Überschuss auf dem Markt.

Als sie zum ersten Mal 15 kg Saatgut verkaufte, hielt sie den Gewinn von 8’200 Birr (etwa 130 Franken) ungläubig in den Händen – mehr, als sie je verdient hatte.

Mulu Ermias, 36, is a team leader to a group of farmers and practices push-pull technology on her maize farm. She cuts Bracharia plant from the farm that can also be used for cattle fodder.
«Ich will etwas aufbauen, damit meine Kinder eines Tages sagen können: Unsere Mutter hat das geschafft.»
Mulu Ermiyas, Kleinbäuerin aus Nacha Kulit

Von der Einzelinitiative zum Modell für eine Region

Die lokale Saatgutproduktion in Äthiopien zeigt, wie sich Wissen und Eigeninitiative zu einer Bewegung verbinden können. Wenn diese Methode offiziell anerkannt und landesweit verbreitet wird, könnte sie Millionen Familien in Ostafrika zugutekommen.

Schon jetzt nennen Menschen in Äthiopien die Methode «Segen für das Dorf» oder «Harmonie» – ein Zeichen, was sie bewirken kann.

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Biovision steht für Wissen, Perspektiven und Selbstbestimmung

Seit über 25 Jahren engagiert sich Biovision – Stiftung für ökologische Entwicklung dafür, dass Menschen in Ostafrika ihr Leben aus eigener Kraft nachhaltig verbessern können. Wir fördern agrarökologische Methoden, die Natur und Menschen stärken – praxisnah, partnerschaftlich und langfristig.

Gemeinsam säen wir Zukunft.

A family meal time at Mulatu Lodebo(40)'s home.

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