Der Honig fliesst – Unruhen, Corona und Heuschrecken zum Trotz

Erst die Corona-Pandemie, dann eine Heuschreckenplage und schliesslich der Ausbruch eines Konflikts in der Nachbarregion – 2020 war ein schwieriges Jahr für die Teilnehmenden des Biovision-Projekts «Bienen für Jungunternehmen» im äthiopischen Dehana. Doch die Verantwortlichen vor Ort schafften es, das erfolgreiche Projekt auf Kurs zu halten.

 

Auch einige Frauen sind erfolgreich in die Honigproduktion eingestiegen – ein Novum in der patriarchal geprägten Gesellschaft in Äthiopien. Bild: Nina Zenklusen/Biovision

von Margarete Sotier, Redaktorin

«Unsere Aktivitäten in Dehana in der Wag-Himra-Zone laufen weitgehend reibungslos und ohne grössere Unterbrechung weiter – trotz der militärischen Intervention im benachbarten Tigray», schreibt Workneh Ayalew, Projektkoordinator und -partner am internationalen Insektenforschungsinstitut icipe, in einer E-Mail an Biovision. «Eben konnten die jungen Projektteilnehmenden die praktische Ausbildung in der Honigernte abschliessen». 

Erfolge trotz Konflikt, Corona und Heuschreckenplage 

Es sind erfreuliche Neuigkeiten, die uns Anfang Dezember 2020 vom icipe in Addis Abeba, der Hauptstadt von Äthiopien, erreichen. Denn der Bezirk Dehana, in dem das Bienen- und Honigprojekt läuft, grenzt an die Region Tigray. Dort stehen sich die äthiopische Armee und bewaffnete Rebellen gegenüber. Die Auseinandersetzungen zwischen den Regierungstruppen und der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) beeinträchtigen das Alltagsleben der Menschen in der Region. Dazu erschweren die Corona-Massnahmen im ganzen Land die Projektarbeit. Im Oktober 2020 kam noch eine weitere Gefahr dazu: Eine Invasion von Wüstenheuschrecken aus zwei benachbarten Gebieten drohte auf die Region überzuspringen. Die Imkerinnen und Imker waren in grosser Sorge, stand doch die Honigernte vor der Tür. 

  • Stolzer Imker: Gemeinsam mit seiner Gruppe pflegt dieser Mann Bienenvölker in Dehana. Bild: Nina Zenklusen/Biovision
  • Honigwaben und Chapati – eine beliebte Zwischenmahlzeit. Bild: Nina Zenklusen/Biovision
  • Bienenkästen mit Wabenrahmen erlauben die Produktion von hochwertigem Bienenhonig. Bild: Nina Zenklusen/Biovision

Gemeinsam bewältigen sie die Krisen 

Aber Workneh Ayalew, das Projekt-Team und die jungen Bienenhalterinnen und Bienenhalter liessen sich nicht entmutigen und passten sich den widrigen Umständen bestmöglich an. Die Invasion der Wüstenheuschrecken etwa konnte im Projektgebiet glücklicherweise unter Kontrolle gebracht werden. Auch ein kurzzeitiger Kommunikationsausfall zu Beginn der Militärkampagne im November 2020 konnte den Projektfortschritt nicht aufhalten. «Die Projektpartner sind geübt darin, mit schwierigen Situationen umzugehen und finden neue Wege, trotz Einschränkungen ihre Ausbildungskurse dank der Fachkräfte vor Ort durchzuführen und mit den Imkergruppen in Kontakt zu bleiben. Zudem ist das Projekt sehr gut in die lokalen Strukturen eingebettet und wird auch von den Behörden unterstützt», erläutert Loredana Sorg, Projektverantwortliche bei Biovision, die mit Workneh Ayalew in regelmässigem Kontakt steht.  

Grosser Erfolg für das Team 

Dank einer Lockerung der Corona-bedingten Reisebeschränkungen konnte die Projektsteuerungsgruppe im Dezember nach mehrmonatiger Pause wieder tagen. Und Workneh Ayalew und sein Team konnten kürzlich einen grossen Erfolg feiern: Die jungen Bienenhalterinnen und Bienenhalter gründeten eine Handelsgenossenschaft für Honig und Bienenwachs in Dehana. Die Kooperative wird sich in Zukunft um die Verwaltung und Vermarktung der Produkte der rund 30 aktiven Imkerei-Unternehmen kümmern und sich um neue Verkaufs- und Werbekanäle bemühen. 

Gute Aussichten im neuen Jahr 

In Dehana werden die Bienen weiterhin summen und der Honig wird weiter fliessen. Das Bienen-Projekt ist so erfolgreich, dass es 2021 auf zwei weitere Bezirke ausgeweitet wird. Ein vom icipe geplantes Honigfestival wird den Auftakt bilden.