Traditionelles Wissen beleben

Nachhaltige Ressourcennutzung in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft in Kenia

Biovision engagiert sich in den Bezirken Murang’a und Embu im Einzugsgebiet des Tana Flusses sowie den Bezirken Meru und Tharaka-Nithi entlang des Kathita Flusses gemeinsam mit lokalen Bauerngruppen und der kenianischen Partnerorganisation ICE (Institute for Culture and Ecology) für bessere Lebensbedingungen der kleinbäuerlichen Familien und zugleich für die Erhaltung der traditionellen Kultur und Natur.

Ein besonderes Augenmerk wird auf den ökologischen Anbau und auf die Erhaltung und Vermehrung einheimischer Nutzpflanzenarten gelegt. Traditionelle Sorten von Hirse, Bohnen, Süsskartoffeln oder Mais sind oft besser an die lokalen Standortbedingungen angepasst als moderne Hybridsorten. Zudem sind sie meist robuster gegenüber den Folgen des Klimawandels.

Die Begünstigten lernen, die Ernte richtig zu lagern und Samen und Setzlinge selber nachzuziehen und wieder anzubauen, was ihre Unabhängigkeit stärkt. Die alten Sorten erfreuen sich auf den lokalen Märkten einer steigenden Nachfrage und können von den Kleinbäuerinnen und Kleinbauern gewinnbringend verkauft werden.

Durch die gezielte Schulung in Themen wie Bodenverbesserung, Aufforstung, Erosionsschutz und den Umgang mit den Wasserressourcen in der Landwirtschaft werden die Gebiete besser vor negativen Klimaeinflüssen geschützt.

Projektziel

Die Kleinbauernfamilien lernen durch gezielte Aufklärung und Anwenderschulungen, wie sie nachhaltig mit den lokalen Ressourcen und klimatischen Veränderungen umgehen, das Ökosystem pflegen und sich dabei eine gesunde Grundlage zur Verbesserung ihrer Lebens- und Einkommensbedingungen schaffen können.

Ikwa, ein Wasserfall am Kathita Fluss in Tharaka, ist eine uralte Ruhestätte. Die Tradition verbietet die Nutzung solch heiliger Stätten, aber der Druck auf diese Schutzgebiete wächst. Biovision engagiert sich deshalb für den Erhalt der lokalen Kultur und der Umwelt (Tharaka, Kenia, 2014).

Relevanz

Die  Unberechenbarkeit des Wetters mit ausgeprägten Trockenzeiten oder Hochwassern sowie das anhaltende Bevölkerungswachstum machen die Landwirtschaft und das Leben an der Ostflanke des Mount Kenya immer schwieriger. Zugleich wächst der Druck auf die natürlichen Lebensgrundlagen (Wasserknappheit, Erosion, Waldverlust).

Durch Übernutzung der Wälder im Einzugsgebiet von Flüssen hat sich das Ökosystem stark verändert: die Wälder fehlen als Wasserspeicher und als Schutz vor Erosionsvorgängen. Die Projektgebiete haben ein semi-arides Klima mit häufigen Dürren, die zu Missernten führen. Dadurch leben 50% der Gemeinschaften unter der Armutsgrenze.

Die Haupteinnahmequelle der Begünstigten sind Ackerbau und Viehzucht in Kleinbauernwirtschaft. Bei der älteren Generation ist noch viel Wissen über ökologische und kulturelle Ressourcen vorhanden, z.B. über robustes einheimisches Saatgut. Doch dieses lokale Wissen verliert zunehmend an Bedeutung.

Begünstigte

Rund 2000 Personen sollen direkt vom Projekt profitieren, wovon 1600 Kleinbäuerinnen und -bauern sind, darunter Jugendliche und Menschen mit Behinderung, sowie 400 Schüler und Studenten. Der Frauenanteil liegt mit 1220 aller Begünstigten bei 61%. Insgesamt sind 1200 Personen neue Begünstigte, während 800 bereits in früheren Projektphasen dabei waren.

Indirekt werden durch das Übernehmen und Wiederholen der Praktiken und das informelle Weitergeben von Informationen 4000 Personen vom erhaltenen Wissen und den Fertigkeiten profitieren. Das wiederhergestellte Ökosystem kommt allen Bewohnern der jeweiligen Ufergebiete zugute.

 

 

Die Fotos zeigen eine Kompost-Schulung. Die Teilnehmer nehmen aktiv Teil und packen mit an.
Sie lernen, dass Kompost in ihren Breitengraden 2-3 Monate Pflege braucht bis er reif ist, um dann als wertvoller Dünger fürs Feld gebraucht zu werden.

Massnahmen 2016 - 2018

  • Ausbildung der Teilnehmer in nachhaltigen und dürreresistenten Landwirtschaftsmethoden und weiteren Einkommensquellen
  • Rehabilitation von 5000 ha an Ufergebieten durch Massnahmen zur Walderhaltung und Aufforstung
  • Produktion und Pflanzung von 60‘000 Baumsetzlingen
  • Verbesserter Zugang zu lokalen Märkten und Wissensvermittlung im Vertrieb der erwirtschafteten Güter
  • 500 energiesparende Jikos (Öfen) ersetzen traditionelle Kochstellen, die 80% weniger Holz verbrauchen, was das Ökosystem entlastet

Bisher Erreichtes

In Tharaka wurde 2011 ein partizipativer Mapping Workshop mit 8 Gemeinschaften durchgeführt: Mit dem Wissen der Älteren konnte eine historische Karte des Kathita Flusses erstellt werden. Die Abbildung visualisierte das Wissen der Dorfgemeinschaften über kulturelle Güter und traditionelle Regelungen der Ressourcennutzung. Anhand dieser Karte konnten die über die Jahre entstandenen Umweltveränderungen aufgezeigt und Prioritäten im Naturschutz gesetzt werden.

Workshops zum Thema „Einheimisches Saatgut“ wurden durchgeführt und Wissen zu einheimischen Pflanzenarten ausgetauscht. Als Folge davon wird weiterhin traditionelles Wissen gesammelt und festgehalten, der Anbau, die Verbreitung und Vermarktung einheimischer Sorten werden geschult und gefördert.
635 Bauern und Bäuerinnen wenden heute agrar-ökologische Anbaumethoden mit Mischkulturen an, als Resultat ihrer Ausbildung zu den Themen Kompostierung, Bodenverbesserung, Erosionsschutz und ökologischer Nutzung von Wasser in der Landwirtschaft.

Am Ufer des Kathita Flusses wurden bereits mehr als 36‘000 einheimische Bäume gepflanzt. Rund 467 Haushalte praktizieren Agroforstwirtschaft, das heisst die gemischte Landnutzung mit Bäumen und Ackerpflanzen zur Produktion von Früchten, Getreide und Viehfutter.

Zusätzlische Informationen

Das ICE wird Bauerngruppen dabei unterstützen, lokale Strategien zur Ressourcenmobilisierung zu erarbeiten,, um Projektinitiativen selbständig weiterführen und nachbilden zu können, damit die positiven Auswirkungen des Projekts auch nachhaltig wirken und weiterentwickelt werden. Ein Umsetzungsplan dazu wird im ersten Quartal 2017 erarbeitet.