Tansania

Tansania ist ein Schwerpunktland der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit und erhält von zahlreichen bi- und multinationalen Gebern sowie Nicht-Regierungsorganisationen Unterstützung. Die Arbeit von Biovision konzentriert sich in Tansania seit 2006 auf die Erhaltung der Biodiversität und die schonende Nutzung der natürlichen Ressourcen.

Bevölkerung

Ende 2014 zählte Tansania rund 51 Millionen Menschen (www.cia.gov). Gegenwärtig nimmt die Bevölkerung pro Jahr um gut 1,4 Millionen Personen zu. Insgesamt sind 64 Prozent der Leute jünger als 24 Jahre. Fast 32 Prozent der Bevölkerung leben in Städten. Als Folge der verbreiteten Landflucht wächst diese Gruppe – bei einer jährlichen Zunahme von über 5 Prozent – fast doppelt so rasch wie im Landesdurchschnitt.

Gemäss dem Human Development Index des UNO-Entwicklungsprogramms UNDP, das die Faktoren Gesundheit, Erziehung und Einkommen als umfassenden Massstab für den Wohlstand bewertet, rangiert Tansania auf Platz 151 von 187. Es gehört damit nach wie vor zu den ärmsten Ländern. Die mittlere Lebenserwartung liegt bei 65 Jahren, wobei die Kindersterblichkeit 5,2 Prozent beträgt.

Zu den grössten gesundheitlichen Problemen gehören die hohe Ansteckungsrate von 5 Prozent der Erwachsenen mit HIV/AIDS sowie die von den staatlichen Gesundheitsdienten jährlich gemeldeten 10 bis 12 Millionen Malaria-Infektionen, welche bis zu 80‘000 Todesopfer fordern (www.pmi.gov). 53 Prozent der Menschen in Tansania haben Zugang zu sauberem Wasser und nur 12 Prozent zu sanitären Einrichtungen. Heute können knapp 68 Prozent aller Erwachsenen lesen und schreiben.

Lebensraum

Mit über 945‘000 km2 ist Tansania fast 23 Mal so gross wie die Schweiz. Der Naturraum wird geprägt durch die tektonischen Bruchzonen des Great Rift Valley, dessen Ostafrikanischer Graben zentral durch Tansania verläuft und die auf etwa 1100 Meter über Meer gelegene Hochebene markant durchschneidet. Im Westen bildet der Zentralafrikanische Graben die Grenze des Landes. Entlang und zwischen diesen Bruchlinien entstanden vulkanische Gebirge wie der Kilimanjaro und ausgedehnte Binnengewässer – so etwa der Viktoria-, Tanganjika- und Malawisee.

Tansania hat nahezu einen Viertel seines Staatsgebiets als Schutzzonen für Pflanzen und Wildtiere ausgeschieden. Obwohl noch über 37 Prozent der Gesamtfläche bewaldet sind, stehen die nicht geschützten Wälder unter einem starken Nutzungsdruck, da Brennholz in ländlichen Regionen der wichtigste Energieträger ist. Allein seit 1990 haben die Waldbestände einen Fünftel ihrer damaligen Ausdehnung eingebüsst (http://hdr.undp.org). Gemessen an der gesamten Landesfläche eignen sich 14 Prozent für den Ackerbau sowie für Dauerkulturen (www.cia.gov). Typische Vegetationsform in einem Grossteil Tansanias ist die Trockensavanne. Bereits heute lebt gemäss dem UNDP ein Viertel der Bevölkerung auf degradierten Böden. Zu schaffen machen den bäuerlichen Haushalten auch die selbst während der Regenzeiten unregelmässigen Niederschlagsmuster. Denn tropisch heisse und feuchte Witterungsbedingungen herrschen nur in einem schmalen Küstenstreifen am Indischen Ozean vor.

Seit 2006 fördert Biovision in Tansania Projekte zur Erhaltung der Biodiversität und für eine schonende Nutzung der natürlichen Ressourcen – so etwa am Rand der East Usambara-Bergwälder (BV EH-12).

Wirtschaft

Tansanias Wirtschaft wächst seit Jahren mit Raten zwischen 6 und 8 Prozent (http://data.worldbank.org). Von 2005 bis 2014 hat sich das Bruttoinlandprodukt (BIP) denn auch mehr als verdoppelt. Weil dieser Anstieg das gegenwärtige Bevölkerungswachstum von 2,8 Prozent deutlich überflügelt, nimmt auch das Durchschnittseinkommen kontinuierlich zu. Trotzdem leben gemäss der Weltbank 28 Prozent der Menschen in Tansania unter der allgemeinen Armutsgrenze.

76 Prozent der Bevölkerung arbeiten in der Landwirtschaft (http://unstats.un.org), wobei die vorwiegend kleinbäuerlichen Betriebe in erster Linie Nahrung für den Eigenbedarf herstellen. Ihre Produktivität ist in der Regel gering, trägt der Agrarsektor – vor allem durch den Export von Kaffee, Tee und Baumwolle – doch nur etwa 27 Prozent zur Wirtschaftsleistung des Landes bei. Mit einer Bauernzeitung in der Nationalsprache Swahili (Projekt BV IS-02D) sowie einem Ausbildungszentrum in der Provinzhauptstadt Morogoro (Projekt BV IS-07) unterstützt Biovision die breite Wissensvermittlung über Methoden des ökologischen Landbaus. Dank den praktischen Tipps können die ländlichen Haushalte ihre Ernteerträge mit einfachen und umweltverträglichen Mitteln steigern.

An der Küste des Indischen Ozeans – ebenso wie an den grossen Seen – ist auch die Fischerei ein wichtiger Erwerbszweig. Dagegen beschäftigt die Industrie nur etwa 5 Prozent aller Arbeitskräfte – mit einer starken Ballung in den Zentren Daressalam und Arusha. Dies hängt wesentlich damit zusammen, dass die Wirtschaftspolitik des Staatsgründers Julius Nyerere während über zwei Jahrzehnten primär auf eine planwirtschaftliche Stärkung der bäuerlichen Dorfgemeinschaften ausgerichtet war. Im Zuge der ökonomischen Liberalisierung seit den späten 1980er-Jahren gewinnen aber insbesondere der – von ausländischen Konzernen kontrollierte – Bergbau sowie der Tourismus zunehmend an Bedeutung. Die Entwicklung dieser Wirtschaftszweige trägt denn auch dazu bei, das hohe Handelsbilanzdefizit abzubauen (http://liportal.giz.de). Allerdings bestehen grosse Befürchtungen, der forcierte Abbau von Gold, Diamanten, Nickel und neu auch Uran werde künftig die Umwelt stark belasten.

Politik

Einige Jahre nach der Unabhängigkeit von Grossbritannien führte der erste Staatspräsident Julius Nyerere in Tansania mit seiner Ujamaa-Politik einen afrikanisch geprägten Sozialismus ein. Eines seiner wichtigsten gesellschaftlichen Ziele bestand darin, im Vielvölkerstaat die nationale Identität und ein konfliktfreies Zusammenleben der zahlreichen Ethnien zu fördern. Tansania gilt denn auch seit Jahrzehnten als Hort der Stabilität in Ostafrika, dem auch die Bürgerkriege in mehreren Nachbarländern wenig anhaben konnten – und dies trotz der Flüchtlingsströme aus Burundi, Ruanda oder der Demokratischen Republik Kongo. Systematische Menschenrechtsverletzungen durch staatliche Organe sind hier ebenso unbekannt wie ethnische Verfolgungen (www.auswaertiges-amt.de).

In jüngster Zeit hat die traditionell friedliche Koexistenz der Volks- und Religionsgruppen – insbesondere von Muslimen und Christen – allerdings durch mehrere Angriffe auf Kirchen und Moscheen gelitten. Dabei spielt auch der innenpolitische Streit um die mögliche Unabhängigkeit der Insel Sansibar vom Festland eine zentrale Rolle.

Tansania ist eine zentralstaatlich organisierte Präsidialrepublik, in der die regierende Partei der Revolution (CCM) – respektive ihre Vorgängerorganisation – seit 1961 den Ton angibt. Auch nach der Zulassung eines Mehrparteiensystems im Jahr 1992 hat sie alle Wahlen gewonnen und stellt nicht nur die Regierung, sondern dominiert auch im Parlament.

Seit November 2015 ist John Magufuli (CCM) Präsident von Tansania. Er ist Nachfolger von Jakaya Kikwete, der das Land zuvor 10 Jahre lang regiert hatte. Magufuli verfolgt seit Beginn seiner Amtszeit einen Sparkurs und hat der Korruption und der Verschwendung den Kampf angesagt. So sagte er die traditionelle und opulente Feier zum Unabhängigkeitstag ab und forderte stattdessen, dass die Strassen gereinigt werden sollten um das Abwassersystem zu verbessern und die Verbreitung einer Choleraepidemie zu stoppen. Neben vielen anderen Sparmassnahmen reduzierte er auch die Regierung um 11 Ministerien auf 19.

Wie seine beiden Vorgänger verfolgt er eine marktwirtschaftliche Reformpolitik. Sie soll die landwirtschaftliche Produktivität in Tansania verbessern, den Privatsektor stärken, die Effizienz der staatlichen Organe optimieren und das Land dadurch attraktiver machen für ausländische Direktinvestitionen. Zum Programm gehört auch eine Dezentralisierung, welche auf eine Stärkung der Autonomie in den Regionen und Gemeinden abzielt.

Die landesweit stärkste Oppositionspartei Chadema findet ihre Anhängerschaft vor allem bei den Jungwählern in den städtischen Regionen. Dem Namen nach setzt sie sich „für Demokratie und Fortschritt“ ein und will vor allem die Korruption im Land bekämpfen (http://liportal.giz.de)